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Dinslaken
Thomas Götz - 16 Dinslakener Jahre voller Energie

Dinslaken: Thomas Götz - 16 Dinslakener Jahre voller Energie
Mit dem alten Gaswerk und dem Holzheizkraftwerk bilden Geschichte und Zukunft der Stadtwerke den Hintergrund fürs Foto: Der 65-jährige Dr. Thomas Götz hört als Chef des Versorgungsunternehmens auf. FOTO: Büttner
Dinslaken. Ende des Monats läuft sein Vertrag aus. Offiziell verabschiedet wird der Chef der Dinslakener Stadtwerke am 27. September. Im Gespräch mit der Rheinischen Post blickt der 65-Jährige auf spannende Jahre beim städtischen Tochterunternehmen zurück. Von Jörg Werner

Wie er so da sitzt im Konferenzraum der Vorstandsetage im vierten Stock des Stadtwerke-Gebäudes an der Gerhard-Malina-Straße - mit Blick auf das alte Gaswerk und das neue Holzheizkraftwerk, Historie und Zukunft des Unternehmens gewissermaßen gleichzeitig im Blick - macht der scheidende Chef den Eindruck eines Mannes, der ganz in sich ruht, der zufrieden ist, mit dem, was er geleistet hat, der weiß, dass er ein bestens bestelltes Feld hinterlässt und der sich jetzt auf einen neuen Lebensabschnitt freut. Götz' Erfolg lässt sich an Zahlen festmachen.

Als er zum 1. Oktober 2001 bei den Dinslakener Stadtwerken angefangen hat, lag das Konzernergebnis nach Steuern bei zwei Millionen Euro, im abgelaufenen Geschäftsjahr waren es 13 Millionen. Davor hatte es auch schon besonders gute Jahre mit einem Gewinn von 15 Millionen Euro gegeben. Der Wert des Unternehmens ist seit Götz dessen Geschicke lenkt, um über 100 Millionen Euro gestiegen. Die guten Zahlen sind es aber nicht allein, auf denen Götz' Zufriedenheit gründet. Mindestens genauso wichtig ist, dass er in Dinslaken genau das gefunden hat, was er sich für seinen beruflichen Lebensweg vorgestellt hat. Noch ganz genau erinnert er sich, wie er erzählt, an den Text der Stellenanzeigen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, die den gebürtigen Saarländer in die Stadt an der Schnittstelle zwischen Ruhrgebiet und Niederrhein gelockt hat. Ein überregional agierendes Versorgungsunternehmen suchte einen Alleingeschäftsführer. Und damit erfüllten die Dinslakener Stadtwerke genau die zwei Bedingungen, die sich Götz für seine weitere Karriere gesetzt hatte. Geschäftsführer von lokalen Stadtwerken herkömmlichen Zuschnitts wäre ihm zu wenig gewesen, und er wollte alleiniger Chef eines Unternehmens sein, um es mit seinen Ideen prägen zu können. Die Dinslakener Stadtwerken waren bereits über die Stadtgrenzen hinaus aktiv. Damit war die erste Bedingungen erfüllt. Zu zweiterem bekam er in den kommenden 16 Jahren reichlich Gelegenheit- für kurze Zeit noch mit Uwe Meinen als Geschäftsführerkollegen, nach dessen Ausscheiden als Alleinverantwortlicher. Und es waren, wie er rückblickend feststellt, spannende Jahre für ein Versorgungsunternehmen. Die Zeiten, da Stadtwerke als Monopolisten agieren konnten, gingen zu Ende. Die Liberalisierung des Energiemarktes nahm Fahrt auf, stellte das Unternehmen, das sich einem immer schärferen Wettbewerb stellen musste, vor völlig neue Herausforderungen. Das hatte nicht nur Auswirkungen tief in die Unternehmenskultur hinein, sondern machte es notwendig, neue Geschäftsfelder zu erschließen. Bis dato waren die Stadtwerke - mit Ausnahme Grubengasverwertung auf der Zeche Lohberg - nicht als Stromerzeuger tätig. Das änderte sich.

Erster Schritt des Wandels der Stadtwerke, zu einem Unternehmen, das heute in allen Bereichen der erneuerbaren Energien mitmischt, war 2004 der Kauf der Wärme-Energie-Prozesstechnik GmbH (WEP) in Hückelhoven, die genau zu den Expansionsüberlegungen der Stadtwerke passte und nach wie vor zu den Gewinnbringern des Unternehmens zählt.

Mit den Aktivitäten auf dem Feld der erneuerbaren Energien einher ging ein stetiger Ausbau des Fernwärmenetzes und des Aufbaus dezentraler Versorgungsstrukturen an unterschiedlichen Standorten. Die Veränderungen auf dem Energiemarkt waren freilich nicht die einzigen aufregenden Entwicklungen in der Amtszeit des scheidenden Stadtwerkechefs.

Lebhaft erinnert sich Götz noch an den Kampf ums Dinslakener Wasser, als die Gegner der Abbaupläne des Bergwerks Walsum in den Auswirkungen dieses Vorhabens auf die Qualität des in Löhnen geförderten Trinkwassers ein Vehikel sahen, den Bergbau zu stoppen. Die "zweijährige Schlacht" endete mit einem aus der Sicht von Thomas Götz ausgesprochen zufriedenstellenden Ergebnis: "Wir haben die modernste Trinkwasseraufbereitung, ohne dass wir dafür einen Cent bezahlt haben, sind in der Wasserversorgung weiter autark und können sauberes Wasser zu einem günstigen Preis liefern."

Zu den herausragenden Entscheidungen in der Ära Götz gehört auch die Beteiligung am Stadtwerkekonsortium, das die Steag gekauft hat. Und auch wenn die Steag in einem Umstrukturierungsprozess ist, der die Gewinnbeteiligung nicht mehr so fließen lässt, wie in den ersten Jahren, beurteilt Götz diese Beteiligung immer noch positiv. Voraussetzung ist natürlich, dass die Steag diesen Prozess bewältigt. "Seine" Stadtwerke jedenfalls sieht er für die Zukunft gerüstet, was auch daran liegt, "dass unsere politischen Gremien uns immer finanziell genug Spielräume gelassen haben" - für notwendige Investitionen und um Kapital anzusammeln.

Für Oktober sind die Möbelpacker bestellt. Für Götz und seine Frau Christine geht's nach Saarbrücken, in die Heimat, zu der sie immer Kontakt gehalten hat, auch wenn sie sich in Dinslaken immer wohlgefühlt hat.

Quelle: RP
 
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