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Dinslaken
Tiefgarage mit inspirierender Akustik

Dinslaken. An zwei Abenden servierten Annemieke Schwarzenegger und Bernhard Bücker "Cellikatessen" unter der Bibliothek.

Gegen Ende des Cellikatessen-Konzertes von Annemieke Schwarzenegger (Violoncello) und Bernhard Bücker (Flügel) kommt der Pianist selbst ins Schwärmen: "Ich weiß nicht, ob Sie den Klang im Publikum so hören wie wir, aber man fühlt sich hier vorne ganz inspiriert von der Akustik." Das hervorragende Klangbild, das die Musik mit einem glänzenden Nachhall umgibt, ohne die Töne verschwimmen zu lassen, bietet sich dem Publikum genau so wie den Akteuren, die ihnen gegenüber sitzen. In dieser Beziehung ist die Tiefgarage der Stadtbibliothek einmalig. So wie die Konzertreihe selbst. Die "Cellikatessen" gehören seit langem zu den absoluten Leckerbissen des Kulturjahreskalenders in Dinslaken gehören. Auch an diesem Wochenende waren die Plätze an beiden Abenden komplett besetzt.

Der Abend begann mit der Sonate Nr. 1 G-Dur, BWV 1027 von Johann Sebastian Bach, im Original für Gambe und Cembalo geschrieben. Aber auch in der modernen Besetzung Cello und Flügel wird deutlich, worin der besondere Reiz liegt: Hier werden im Wechsel zwei Instrumente, die eigentlich begleitende Funktion haben, zu Solisten erhoben und dies lässt ihre Qualitäten, die klangliche Brillanz des Tasteninstruments und der singende Ton des Saiteninstruments, erstrahlen. Höchste Virtuosität auf dem Cello bot Annemieke Schwarzenegger im rasanten Scherzo op. 12 des hierzulande völlig unbekannten Niederländers Daniel van Groens (1858 - 1904). Ludwig Rellstab prägte den Titel "Mondscheinsonate" für Beethovenss Sonate cis-moll op. 27 Nr. 2 und bezieht sich dabei auf den langsamen ersten Satz, der ganz in den Nachhall der ungedämpfte Saiten getaucht ist. So fährt Bernhard Bücker den in der Tiefgarage geparkten Flügel mit Bleifuß. Den ersten Satz eher Tempo 30 als Spielstraße, aber mit dem Beachten von links vor rechts, den Schlusssatz schließlich mit Vollgas, aber nicht ausschließlich auf der Überholspur der Autobahn, um beim Bild zu bleiben. Ein fulminantes Halbfinale vor der Pause bei Sekt und O-Saft. Im zweiten Teil wird es nach einem mit Verve gespielten Mendelssohn populär: "Anatevka", "Cats", Brahms Ungarischer Tanz Nr. 5. DA gibt es als Zugaben gleich zweimal Gershwin - so obligatorisch wie der Piazzolla im ersten Programmteil - und Rachmaninows traumhafte Vocalise für ein singendes Cello.

(bes)
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