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Dinslaken
Tochter wirkte nach der Tat teilnahmslos

Dinslaken. Der Prozess wird fortgesetzt: 15-Jährige und ihr Internetfreund (29) sollen versucht haben, die Mutter des Mädchens zu töten.

Im Prozess wegen versuchten Mordes an der eigenen Mutter hat ein Polizeibeamter gestern über die erste Vernehmung der Angeklagten gesprochen. Die 15-Jährige war zunächst als Zeugin zur Dinslakener Polizeiwache mitgenommen worden, um ihre Aussage zu machen. Man habe anfangs keine Anhaltspunkte dafür gehabt, dass die Schülerin an der Tat beteiligt sein könnte, sagte der Beamte.

Die Tochter habe gesagt, an dem Tag sei nichts Ungewöhnliches vorgefallen. Am Vormittag habe sie in der Fußgängerzone und im Einkaufszentrum Weihnachtseinkäufe gemacht. Dann sei sie nach Hause gekommen, habe mit ihrer Mutter ein Brettspiel gespielt und Fernsehen geschaut. Zwischendurch habe sie noch nach der Katze gesehen und sei am Computer gewesen. "Ein ganz normaler Tagesablauf", sagte der Richter.

Bis dahin jedenfalls. Als die Mutter am Abend noch auf dem Sofa lag, sei die Angeklagte nach eigenen Angaben selber irgendwann in ihr Zimmer gegangen, bis sie plötzlich Lärm und Schreie hörte. Als sie in das dunkle Wohnzimmer lief, habe sie die Umrisse eines Mannes gesehen, der am Boden auf oder neben der Mutter kniete. Es sei ihr nicht gelungen, ihn wegzuziehen, weil der Mann so schwer war, habe sie berichtet. Dann habe schon der Nachbar mit einem Handy in der Hand im Zimmer gestanden und gerufen, der Fremde solle die Frauen in Ruhe lassen und auf in eingewirkt. Der Fremde habe auf einmal "wie in Schockstarre" auf sie gewirkt. Eine Erklärung für das, was vorfiel, konnte sie dem Beamten nicht geben. Weder gebe es neue Bekannte noch sei ihr zuvor etwas aufgefallen. Die Zeugin habe gesagt, sie kenne den Mann nicht und vermutet, dass es sich um einen Einbrecher handelte. Mutter und Tochter hatte der Beamte vor der Vernehmung im Krankenhaus gesehen. Weder dort noch bei der Aussage habe die 15-Jährige einen emotional aufgewühlten Eindruck gemacht. "Man konnte sich ganz normal mit ihr verständigen", keinesfalls habe sie schockiert gewirkt, eher teilnahmslos und gefasst.

Auf die Frage des Verteidigers, ob er das Verhalten der 15-Jährigen für adäquat hielt, wenn sie selber versucht haben sollte, die Mutter zu ermorden, erwiderte der Beamte, dass er mit solchen Fällen wenig Erfahrung habe. Ein Sachverständiger sagte gestern, dass er nach eingehenden Untersuchungen keine Hinweise auf eine Persönlichkeitsstörung der Jugendlichen habe. Ihre Intelligenz liege im überdurchschnittlichen Bereich. Sie sei nicht aggressiv. Auffällig sei allerdings, dass sie schon während ihrer Kindheit Schwierigkeiten hatte, enge Freundschaften zu knüpfen.

Die 15-Jährige und ein 29-Jähriger aus Malaysia sollen in der Nacht zu Heiligabend versucht haben, die Mutter des Mädchens zu töten. Die Tat sollen sie schon im Internet geplant haben. Die Verhandlung wird fortgesetzt.

(BL)
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