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Voerde
Torsten Sträter brilliert in Voerde

Voerde: Torsten Sträter brilliert in Voerde
Torsten Sträter, Stammgast bei "Nuhr im Ersten", gehört mittlerweile zu den bekanntesten Kabarettisten in Deutschland. Dass er eine Mütze trägt erklärt er so: "Ich trage diese Mütze, weil ich schwitze. Ich schwitze auch, weil ich diese Mütze trage. Es ist ein Teufelskreis." FOTO: Heiko Kempken
Voerde. Der Schriftsteller, Kabarettist und Comedian gastierte am Samstag in der Aula des Gymnasiums mit einer Mischung aus Lesung und Stand-up-Comedy. Die 472 Gäste feierten den Wahl-Waltroper nach seinem dreistündigen Programm.

Nein, Torsten Sträter war am Samstag nicht nach Voerde gekommen, um das Publikum mit hochtrabendem Polit-Kabarett zu verwöhnen. Aber dass er den Weg in die Aula des Gymnasiums überhaupt gefunden hatte, durfte schon als Teilerfolg verbucht werden. Denn zum einen musste Sträter tags zuvor einen Auftritt in Solingen aufgrund eines grippalen Infekts absagen. Zum anderen war es, wie der Kabarett-Guerilla verlauten ließ, das erste Mal in seinem Leben, dass er ein Gymnasium von innen sehen durfte. Nun denn: "Willkommen in Voerde, Torsten Sträter."

Und der machte sogleich klar, worum es an diesem Abend gehen, beziehungsweise nicht gehen würde. Denn Torsten Sträter machte keinen Hehl daraus, dass sein Bühnenprogramm "Selbstbeherrschung umständehalber abzugeben" weder einen roten Faden noch einen Funken Bildungsauftrag beinhaltet. Das machte aber auch gar nichts, denn keiner der exakt 472 Gäste war gekommen, um mit Sträter über den Syrien-Konflikt oder vegane Ernährung zu sinnieren. Wobei letztere zumindest ansatzweise vom Strickmütze tragenden Sträter thematisiert wurde.

Da heißt es in Sträters Diättagebuch etwa: "2. November, 7 Uhr - Mache mir Frühstück. Während die Fritteuse heiß wird, fällt es mir ein... Ich mach' Diät." Das ist wohl auch der Grund, weshalb "Die kleine Raupe Nimmersatt" Sträters Lieblingsbuch ist: "Es wird die ganze Zeit gefressen und am Ende ist man schön." Sträter war schwer bemüht, zu erklären, warum Blasentee wie "dampfgegarte orthopädische Strümpfe" schmeckt, welche Assoziationen er mit Graubrot verbindet (Stichwort: Duisburg Hauptbahnhof, Kettenraucher) und warum Bubble Tea die neue Achse des Bösen sei. "Unter'm Strich finde ich Kartoffeln gut", bilanzierte der Wahl-Waltroper seine kulinarischen Exkursionen.

Dabei verließ sich der 49-Jährige in seinem Programm auf bildhafte Beschreibungen, die er mit seiner tiefenentspannten Bassstimme zum Leben erweckte. Man könnte Sträters Programm als Ruhrpott-Kabarett betiteln - ohne viel drumherum gibt es eins auf die Zwölf - natürlich nur im übertragenden Sinne. Ein paar Tipps gab er seinen Gästen dann aber doch noch mit auf den Weg nach Hause. Zum Beispiel, dass man die Schweiz doch lieber meiden sollte: "Für die Übernachtungspreise in der Schweiz bekommst du in Castrop-Rauxel Eigentum." Torsten Sträter zeigte Gespür für das richtige Timing, feuerte mit Pointen um sich und ließ sich auf das Publikum im Voerder Gymnasium ein.

Nach einem fast dreistündigen Programm - was man eben so Programm nennt - ließ er sich gebührend feiern. Und immerhin konnte der Kabarettist nun auch mal ein Gymnasium von innen sehen. Bleibt nur noch die Frage zu klären: Was hat es mit der Strickmütze auf sich? "Ich trage diese Mütze, weil ich schwitze. Ich schwitze auch, weil ich diese Mütze trage. Es ist ein Teufelskreis." Na dann: Danke, Torsten Sträter.

(D.K.)
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