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Voerde
Voerde erinnert an den Rheinübergang der Alliierten 1945

Voerde. Es war am 3. März 1945, als an der Friedenseiche in Mehrum die erste Granate explodierte, die vom anderen Ufer des Rheins abgeschossen wurde. Die Bewohner des Dorfes reagierten sofort. Nur zwei Tage später flüchteten die meisten von ihnen, darunter auch Wilhelm Hüser, der damals zwölf Jahre alt war. Aus Erzählungen und eigenen Nachforschungen weiß er aber genau, was am 23. März 1945 und in den Tagen danach bei der Rheinüberquerung der Alliierten geschah. Während Dinslaken von Bomben getroffen wurde, bereitete man sich auf der anderen Rheinseite im Rahmen der "Operation Plunder" auf den Übergang vor, der Truppen auch nach Mehrum führen sollte. "Um 23 Uhr begann das Trommelfeuer und ein Drittel der Häuser im Dorf ging in Flammen auf", berichtet Wilhelm Hüser. Schnell errichteten die Soldaten am anderen Ufer Stege und Pontonbrücken. Auch mit Schwimmpanzern machten sie sich an die Querung des Gewässers. Es ging alles sehr schnell. "Genau um 1 Uhr standen die ersten Amerikaner in meinem Elternhaus in der Weberstraße." Auf viel Widerstand trafen die alliierten Truppen nicht. Bereits nach einigen Tagen waren die Kampfhandlungen abgeschlossen. Am 25. März bekam die Mehrumer Rheinseite prominenten Besuch: Der britische Premierminister Winston Churchill und Feldmarschall Bernard Montgomery setzten mit mehreren Generälen und Soldaten in einem Landungsboot über . Als Hülser Ende April 1945 wieder in sein Heimatdorf zurückkehrte, hatte dieses sich stark verändert. "Die Amerikaner hatten den Deich durchbrochen, um einen schnellen Zugang von ihren Brücken zur Straße zu bekommen. Dazu hatten sie eine eigene Straße durch den Deich zum Ufer gebaut,", erinnert sich Wilhelm Hüser. Doch auch mit Ende des Krieges blieb es gefährlich in der Nähe des Rheindorfes. Kurz nach Wilhelm Hüsers Rückkehr fand ein Junge eine Handgranate, die explodierte. Das Dorf wurde erneut geräumt und die Bewohner kamen in Löhnen unter. Das Ufer des nahen Flusses war auf einer Länge von zwei Kilometern vermint und es fanden sich Überreste von Munition. Ein Bombentechniker, der an der Deichkuhle Munition entschärfen wollte, kam im Januar 1947 dabei ums Leben. Auch seinen besten Freund, Herbert Ingenwerth, verlor Wilhelm Hüser nach dem Krieg. "Er ist beim Pflügen auf eine Mine gestoßen. Irgendwann kamen die Pferde dann alleine zurück", berichtet der Zeitzeuge und hofft, dass es nie wieder einen Krieg geben wird. Von Florian Langhoff

Der 70. Jahrestag des Rheinübergangs ist Anlass einer Ausstellung im Foyer des Rathauses. Eröffnet wird die Ausstellung am Montag, 23. März, um 18 Uhr. Danach folgt ein informatives Programm rund um die Geschehnisse im März 1945. Nach einer ökumenischen Gedenkfeier mit Pfarrer Gisbert Meier und Pastor Wilhelm Kolks ab 18.30 Uhr gibt es einen Vortrag von Hermann Klein und weiteren Zeitzeugen. Zum Schluss wird der Film "Krieg am Niederrhein" vorgeführt. Die Ausstellung selbst soll mindestens eine Woche im Foyer des Rathauses stehen.

Quelle: RP
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