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Voerde
Vokalkunst ließ das Publikum jubeln

Voerde. Der philippinische Straßenkinderchor Masaya beeindruckte mit Musik und Tanz in Sankt Peter Spellen Von Bettina Schack

Sie singen "Adiemus" und ihre Stimmen erfüllen Sankt Peter in Spellen bis in das letzte Kreuzgewölbe der Kirche. Glockenrein klangen sie bislang in allen ihren Stücken zur Klavierbegleitung, doch jetzt heben sich einige der Mädchenstimmen mit einem leicht kehligen Timbre ab. Trommeln dröhnen, für einen Moment unterbrechen Tierstimmen den Ethno-Gesang, dann entfaltet der mehrstimmige Gesang erneut eine Wirkung, die das Publikum in Applaus und Jubelrufe ausbrechen lassen wird. Der Chor, der an diesem nachmittäglichen Pfingstsonntag in Spellen wahre Vokalkunst präsentierte, macht gleich doppelt staunen. Denn die, die hier singen, sind nicht nur mit ihrem Alter zwischen 10 und 21 Jahren erstaunlich begabt, reif und professionell. Es sind Mädchen und Jungen, denen es nicht in die Wiege gelegt war, um die halbe Welt zu reisen, um Menschen mit ihrem Können zu begeistern und zu berühren.

Im Masaya-Chor aus Manila singen Straßenkinder und Kinder aus benachteiligten Familien, die von der Hilfsorganisation Virlanie gefördert werden oder die in Häusern dieser Einrichtung ein Heim und eine Familie gefunden haben. 1992 wurde beinahe zufällig aus Anlass des Besuchs eines Gasts aus Deutschland der Chor zusammengestellt. Inzwischen sind die besten und diszipliniertesten jungen Sängerinnen und Sänger zum dritten Mal für Gastkonzerte nah Europa gekommen. Sie haben am internationalen Chorfestival im französischen Nancy teilgenommen. Und weil die Chorleiterin Prof. Maria Lourdes Hermo zufälligerweise in Spellen verschwägert ist, kam es in Sankt Peter am Pfingstsonntag zum ersten Auftritt des Masaya Chors in Deutschland überhaupt. Ein Konzert, das sich auch die Botschafterin der Philippinen Melita Santa-Maria-Thomeczek nicht hat entgehen lassen - sie hat ein Patenkind in Friedrichsfeld.

Der Masaya Chor begann sein Programm mit bekannten Stücken, demonstrierte so offenkundig, was ihn so stark macht: eine perfekte Intonation, präzise Rhythmik und Artikulation mit glasklaren Stimmen, mehrere hervorragende Solisten von reinem Knabengesang bis zur blutjungen Sopranistin mit Belcanto-Timbre.

Doch in "Adiemus", dem letzten Stück des ersten Teils, zeigte der Chor erstmals, wohin die Reise im Rest des Konzertes gehen würde: nämlich quer durch die Folklore der Philippinen. Und das bedeutet eben nicht nur Gesang, sondern auch Tanz und Performance. Kinderspiele und Volkstänze, Lieder vom Sich-nicht-unterkriegen-lassen und zum In-den-Schlaf-wiegen. Die stilistische Bandbreite ist so weit wie die Themenvielfalt groß ist. Die mehrstimmigen Lieder sind ein klingendes Kaleidoskop für die Vielfalt des Landes. Pastor Wilhelm Kolks gab zu jedem der Lieder eine inhaltliche Erklärung. Aber auch ohne diese war die eigentliche Botschaft dieses Projektes klar: Menschen können Erstaunliches leisten, wenn man ihnen nur die Möglichkeit gibt, das, was in ihnen steckt, auch entwickeln und zeigen zu können.

Quelle: RP
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