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Unsere Woche
Vom Leben in aufregenden und aufgeregten Zeiten

Dinslaken. Warum es in Ordnung ist, wenn Bürger mit heißem Herzen über die Entwicklung ihrer Stadt diskutieren, warum aber auch irgendwann der kühle Kopf zu seinem Recht kommen muss.

Am einfachsten ist's, wenn die Dinge eindeutig sind. Sind sie meistens aber nicht. Nehmen wir zum Beispiel mal das Verb aufregen. Das - es kommt halt, wie so oft, auf die Perspektive an, lässt sich so oder so deuten. Jemand regt einen auf oder aber man regt sich auf. Wenn beide Perspektiven zusammenprallen, wird's heftig. Wenn also jemand - mag's mit Absicht oder aus Ungeschick sein - jemanden aufregt, und dabei auf jemanden trifft, der nur zu gern bereit ist, sich aufzuregen und die Grundstimmung ohnehin schon aufgeregt ist, bleibt zuallererst die Vernunft auf der Strecke. Und schon sind wir mitten in der Debatte um die Neugestaltung des Dinslakener Bahnhofsplatzes.

Was ist passiert? Es gab einen städtebaulichen Wettbewerb, aus dem sind Sieger hervorgagen. Punkt. Nichts weiter ist geschehen. Es gibt keinen Beschluss, die Pläne umzusetzen, geschweige denn sind Bagger angerollt, um mit der Arbeit zu beginnen. Dennoch ist die Aufregung groß, die Töne sind schrill, über Fakten wird, wenn überhaupt, nur am Rande geredet.

Klar, die Kommunikationsstrategie, die das Rathaus in dieser Sache verfolgt hat, war - ums vorsichtig auszudrücken - suboptimal. Pläne vorgestellt, öffentlich ausgelegt, das war's. Ein paar Erläuterungen zu den Plänen selbst, vor allem aber zum Fortgang des Verfahrens wären schon hilfreich gewesen, zumal die Dinslakener Verwaltungsspitze ja aus dem Ärger um die Stadtparkgestaltung hätte lernen können. So aber blieb ihr in dieser Woche nichts anderes übrig, als das Versäumte nachzuholen. Ob's ihr gelingt die erhitzten Gemüter dauerhaft zu beruhigen, wird davon abhängen, wie glaubhaft sie machen kann, dass Bürgerbeteiligung mehr meint, als Bürger zu Wort kommen zu lassen, um dann doch zu tun, was man will.

Allerdings sollten auch die Kritiker, die gleich die große Keule rausgeholt haben, verbal abrüsten. Denn eines bleibt doch auch festzuhalten. In den vergangenen Jahren hat sich Dinslaken erkennbar verändert - und zwar zum Positiven. Sicher, bei all diesen Veränderungen wird's immer den einen oder die andere geben, dem oder der dieses oder jenes Detail nicht gefällt. Schönheit liegt halt immer im Auges des Betrachters. Wer allerdings grundsätzlich in Frage stellt, dass Dinslaken aus städtebaulicher Sicht einen beachtlichen Sprung nach vorn gemacht hat, dem ist wirklich nicht zu helfen. Und es spricht viel dafür, dass auch die geplante Umgestaltung des Bahnhofsplatzes, wie immer sie im Detail ausfallen wird, zu einem wichtigen Baustein der Dinslakener Entwicklung werden wird.

Dass Bürger mit heißem Herzen über die Entwicklung ihrer Stadt diskutieren, ist ja ganz in Ordnung, weil's zeigt, dass ihnen ihre Stadt nicht egal ist. Irgendwann aber ist auch der Punkt gekommen, an dem es zielführender ist, die Dinge auch einmal mit kühlem Kopf zu betrachten. Und dann wird's auch gelingen, einen vernünftigen Kompromiss zu finden zwischen ästhetischen Ansprüchen und funktionalen Notwendigkeiten.

Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende.

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Quelle: RP
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