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Dinslaken
Von Männern mit karierten Hemden

Dinslaken: Von Männern mit karierten Hemden
FOTO: ERWIN POTTGIESSER
Dinslaken. Im dritten Comedy-Heimspiel gelang La Signora alias Carmela de Feo ein Kantersieg in der Aula des Schulzentrums. Von Bettina Schack

Anbetungswürdig - oder so scheußlich, dass Frauen sie buchen können, um neben ihr schöner zu erscheinen? La Signora ist selbstbewusst, schont sich aber kein bisschen, wenn sie auf der Bühne steht. Nur eins stellte sie am Freitagabend beim dritten Comedy-Heimspiel des Vereins zur Förderung der Hockeyjugend des TV Jahns klar: Sie hat nicht zugenommen. "Das ist alles angeschwollener Ärger", tobte die "Schwarze Witwe der Volksbelustigung" und teilte aus.

Da habe man ausgerechnet sie engagiert um "Blagen" zu unterstützen. Und dann wurden auch noch einige von diesen bestimmt, sie in der voll besetzten Aula des Gustav-Heinemann-Schulzentrums ins rechte Licht zu rücken. Auf der Bühne wurde ihr per Rückkopplung vorgegeben, dass sie nicht an die äußersten Ränder laufen durfte. Und dann war sich das Publikum noch nicht mal einig darüber, wo man sich überhaupt befände. Dinslaken? Hiesfeld? Letzteres natürlich. "Darin seid ihr etwas aggressiv", wandte sich die Oberhausenerin für ihre Verhältnisse fast vorsichtig an einen Gast, der die Diskussion angestoßen hatte.

Aber auch La Signora nimmt es mit ihrer Herkunft genau. Italienische Wurzeln, Arbeiterkind. Singt von der "Mittelschicht - mehr gibbet nich" und droht Elisabeth II: "Ich klau dir deinen Stammbaum." Womit man bei dem ist, was hinter der Signora steckt: ein Bühnentalent mit Studium an der Folkwang Hochschule Essen im Fach Akkordeon. Das Instrument beherrscht sie meisterhaft, das lässt sie in ihrer Show durchschimmern. Aber Comedy vom "Missfits"-mäßigen Herziehen über die Männer bis zum urkomischen Tourette-Tanzen kann sie halt noch besser. Eigentlich müsste sie sich nämlich auch noch darüber aufregen, dass es im Saal zu laut ist, denn das schallende Gelächter und der oft frenetische Jubel des Publikums werden nur von einem übertroffen: La Signoras schrille Lache.

Carmela de Feo nimmt sich selbst auf die Schüppe. Aber bevor es soweit ist, ist der Saal dran. Genau genommen alle Männer in karierten Hemden, von denen es am Freitag einige gab. Die, so verrät sie, seien nämlich von ihren Frauen durch die herausgelegte Kleidung derart gekennzeichnet worden, weil sie fürs Männerwichteln freigegeben sind. La Signora singt den "Wichteltanz", es traut sich aber keiner der Karierten, mitzumachen. Dafür darf Friedel aus Hiesfeld malen. Weil er doch wie die meisten Männer nur von seiner "Betreuerin" mitgeschleppt wurde. Die heißt Ingrid, die beiden sind seit 48 Jahren verheiratet und schon allein deshalb für die Single-Frau mit Hang zur Dominanz ein gefundenes Fressen. La Signora ist halt "aus anderem Holz getöpfert". Und überhaupt: "Die Liebe ist eine Einbauküche - nach ein paar Jahren schämt man sich dafür", sagt ein altes italienisches Sprichwort, sagt La Signora. Und weil gegen ihr italienisches Temperament ohnehin niemand ankommt, kann sich die Frau in Schwarz selbst gegen den lieben Gott persönlich durchsetzen und erschafft sich den "modernen Mann" selbst. Sie stehe ja auf 80er-Jahre-Typen vom Schlag Knight Rider und Magnum, verriet sie zuvor. Also doch besser Kleinkunstbühne als Frankenstein-Labor. La Signora singt vom elften Gebot: "Das ist mir doch egal".

Dem Publikum nicht, es feiert die klare Siegerin des dritten Comedy-Heimspiels mit einem Ständchen: "Hoch soll sie leben."

Quelle: RP
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