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Dinslaken/Wesel
Warnung vor Bienenschwund im Kreis Wesel

Dinslaken/Wesel: Warnung vor Bienenschwund im Kreis Wesel
FOTO: Kreis VIERSEN
Dinslaken/Wesel. Die Naturschutzstiftung Niederrhein weist anlässlich des Bienensterbens auf die Wichtigkeit von Wildblumenwiesen hin. Von Fritz Schubert

Der dramatische Bienenschwund besorgt auch die Naturschützer im Kreis Wesel: Von bis zu 80 Prozent weniger Fluginsekten gehen Experten der Universität Nimwegen nach Auswertung einer Krefelder Datenbank aus (wir berichteten). Auch die Fachleute im Kreis Wesel sind alarmiert - seit einigen Jahren wird allerdings hier bereits reagiert.

Auch in Schutzgebieten wie der Bislicher Insel bei Xanten hat die Biomasse abgenommen. Bemühungen um den Erhalt der Artenvielfalt haben unterdessen längst eingesetzt. Ein Beispiel sind Projekte der Naturschutzstiftung Niederrhein, die für heute zu einem Vortrag einlädt. Im Naturschutzzentrum am Freybergweg 9 in Wesel, am Sitz der Biologischen Station, heißt es "Wildbienen suchen blühende Wiesen". Dr. Wilhelm Podlatis aus Dinslaken zeigt ab 19.30 Uhr Makrofotografien und erklärt, warum sich der Einsatz für blühende und artenreiche Landschaften lohnt.

Seit 2015 legt die Naturschutzstiftung Wildblumenwiesen an. Im Freizeitzentrum Xanten (FZX) gibt es bereits zwei, im benachbarten Archäologischen Park (APX) eine weitere, die als altrömische Mähweide bezeichnet wird. In Hamminkeln-Loikum ist ein Areal am Friedhof zum Blühen gebracht worden. In diesem Jahr kamen als Projekte der Ratsbongert in Alpen sowie eine Fläche in Rheinberg-Vierbaum hinzu. Referent Dr. Podlatis, stellvertretender Vorsitzender des Stiftungsrates, freut sich für 2018 bereits auf eine weitere Fläche im FZX. Dabei geht es um 3000 Quadratmeter an der B 57.

"Das lohnt sich dann schon", sagt der 73-jährige gelernte Unfallchirurg, meint damit zum einen die Größe, zum anderen die Lage, weil in dem Gebiet "weniger Verkehr herrscht". Die Wildblumenwiesen sollen laut Podlatis zwar durchaus auch Publikum anziehen. Einzelne Tritte würden nicht schaden. Aber große Veranstaltungen und Trampelpfade eben wohl.

Wie wertvoll Blumenvielfalt in der freien Natur ist, liegt auf der Hand. Das verlockende Naschangebot für Fluginsekten aller Art ist ein wesentlicher Pfeiler der Nahrungskette. "Ohne Blumen keine Bienen, ohne Bienen keine Bestäubung der Obstbäume, ohne Insekten generell auch keine Vögel und so weiter und so weiter ...", fasst Hans-Joachim Berg zusammen. Der frühere Technik- und Umweltdezernent der Kreisverwaltung, zuletzt am Lenkrad des Verkehrsunternehmens Niag, engagiert sich ebenfalls in der Naturschutzstiftung Niederrhein und berichtet auch von problematischen Vorhaben.

Problematisch insofern, da es zuweilen Beschwerden von Nachbarn gibt. Wegen der Optik. Eine Wildblumenwiese gefällt offenbar nicht jedem. Laut Berg ist es eine Frage der Saatmischung. Deshalb gibt es nun auch Versuche mit einem Mix aus Saaten für ökologischen Nutzen und schönes Aussehen. Der solchen Projekten stets aufgeschlossene städtische Betrieb ASG, so Berg weiter, habe offenbar in Wesel die richtige Wahl getroffen. Und er glaubt, dass wesentlich mehr Gebiete für die Vielfalt-Förderung erschlossen werden könnten.

Das sieht auch Dr. Wilhelm Podlatis so. Die alleinige Verteufelung der Landwirte als Verursacher ist ihm fremd. Da müsse man die wirtschaftlichen Zwänge sehen, die auch dazu führten, die Felder bis an die Straßenkante zu bewirtschaften. Ohne Hecken oder Ackerränder. Alles Biotope, die heute fehlen. Podlatis ist sicher, dass der Einsatz von Herbiziden und Pestiziden wesentlich für das sich abzeichnende Dilemma ist.

Klimawandel, so der Dinslakener, sei weniger ein Thema, weil Insekten Hitze im Grunde gut vertrügen. Wettereinflüsse haben aber anders negativ Einfluss genommen. So war das Jahr 2016 so nass, dass der Nachwuchs der Sandbienen in den Bruthöhlen regelrecht abgesoffen ist. Schleiereulen sind verhungert, weil es ab Juni kaum noch Mäuse gab. Wieder zeigt sich, dass alles mit allem zusammenhängt und Details das große Ganze durcheinanderbringen.

Die Projekte der Naturschutzstiftung Niederrhein sind kleine, aber wichtige Puzzlestücke, um das verletzliche Konstrukt wieder zusammenzusetzen. Das geht mit vergleichsweise bescheidenen Mitteln. Mit Saatgut-Kosten von 700 bis 800 Euro rechnet Podlatis für eine 3000-Quadratmeter-Fläche. Soll sie allerdings dann mit externen Fachleuten betreut werden, seien auch 2000 Euro möglich.

Die durch Spenden, Vorträge und Exkursionen finanzierte Stiftung unterstützt solche Vorhaben durch Förderung und Beratung, leidet aber unter einer geringen Bekanntheit. "Eigentlich müsste man - ob öffentlich oder privat - auf uns zukommen", sagt Podlatis. Sein Vortrag heute Abend bietet dazu Gelegenheit.

Quelle: RP
 
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