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Dinslaken
Warum die Burghofbühne gebraucht wird

Dinslaken: Warum die Burghofbühne gebraucht wird
Einsatz für die Burghofbühne (von links): Sascha Wagner, Dr. Michael Heidinger, Dr. Christoph Müllmann, Peter Kiehlmann und Mirko Schombert. FOTO: Heinz Kunkel
Dinslaken. Diskussion im Tenterhof über die Zukunft des Landestheaters und was auf der politischen Bühne im Kreis passiert. Von Bettina Schack

Er sei froh, dass es die öffentliche Diskussion nun gebe, sagt Mirko Schombert, Intendant der vom Aus durchs "Jamaika"-Sparpaket bedrohten Burghofbühne. Seit Bekanntwerden des Antrages im Kreistag, die Finanzierung der Burghofbühne aufzukündigen, hat das Ensemble des Landestheaters eine Unterschriftenaktion gestartet, die Videokampagne "Wir brauchen die Burghofbühne" gedreht und sogar einen Solidaritätssong aufgenommen.

Am Freitag, im Anschluss an die Jugendtheater-Premiere "So lonely", lud es zur Diskussionsrunde im Tenterhof ein. "Einsam" war es da keinesfalls: Über 70 Freunde der Burghofbühne, Lokalpolitiker und Theaterleute fanden sich in der Remise ein, darunter auf dem Podium Dinslakens Bürgermeister Dr. Michael Heidinger, Sascha Wagner von der Kreistagsfraktion der Linken und Peter Kiehlmann, Kreistagsfraktion der SPD.

Wer fehlte, waren Vertreter des Jamaika-Bündnisses, die den Antrag auf den Ausstieg des Kreises aus dem Landestheater im Kreis Wesel gestellt haben. "Terminlich verhindert", "eigene Sitzung", "wenn die anderen nicht kommen, gehen wir auch nicht hin", zählte der Vorsitzende des Trägervereins der Burghofbühne, Christoph Müllmann, die Entschuldigungen von Kreis-CDU, FDP/VWG und Grünen auf. Und damit blieb die Frage von Mirko Schombert offen, die ihm bislang keiner beantwortet hat: "Warum ist die Burghofbühne verzichtbar?"

Stattdessen gab es weitere Antworten darauf, warum sie gebraucht wird, warum es finanziell gar keinen Sinn mache, das Theater kaputt zu sparen, aber auch, dass es strukturelle Probleme um die Kompetenzen der Volksvertreter im Kreis selbst zu geben scheint. Nach dem Willen von "Jamaika" stehen nicht nur die Burghofbühne, sondern Förderungen im Sozialbereich insgesamt auf der Kippe - für eine Summe, die allenfalls ein Zeichen für den Sparwillen im Kreis setzen kann. Sascha Wagner wunderte sich dabei vor allem über die Grünen: "Dafür wären sie früher auf die Straße gegangen." "Fassungslos" ist Michael Heidinger, die Burghofbühne sei schließlich deutschlandweit ein Werbeträger für den Kreis Wesel, bringe diesem abzüglich der 290. 000 Euro eine jährliche Wertschöpfung von 1,2 Millionen Euro ein. "Politik der verbrannten Erde" sei es, seit Jahrzehnten aufgebautes, ehrenamtliches Engagement, das die Solidarität und Identität im Kreis fördere, dies mit dem Rotstift zunichte zu machen. Was aber kann man machen? Nadja Blank, Dramaturgin der Burghofbühne, stellte diese Frage als "politisch Unbedarfte". Denn das Spiel auf der politischen Bühne folgt offenbar eigenen Gesetzen, die mit den landläufigen Vorstellungen demokratischer Prozesse nicht viel gemein haben. Die Grünen in Dinslaken stellen sich vehement gegen den Antrag im Kreis, Elisabeth Ziegel von den Grünen in Hünxe stand in der Remise Seite an Seite mit Lilo Wallerich. Ihrer beider Kritik: "Die im Kreis sind von uns gewählt, die können doch keinen Beschluss fassen, der von uns nicht gedeckt wird", so die Dinslakener Kommunalpolitikerin. "Diese politische Entscheidung ist bar jeglicher Kenntnis, was die Mitarbeiter des Ensembles leisten", so ihre Hünxer Parteikollegin - eine Position, die auch Kiehlmann vertritt. Die Diskussion um die Burghofbühne ist also gar keine inhaltliche? "Es geht eindeutig um ein Machtspiel gegen den Landrat", erklärte Sascha Wagner offen.

Am 3. und 10. Dezember wird in öffentlichen Sitzungen über den Antrag von "Jamaika" entschieden. Mirko Schombert signalisierte von Seiten der Burghofbühne weiterhin Kompromiss- und Gesprächsbereitschaft, "aber mit uns hat noch keiner gesprochen". Gesprächsbereitschaft forderten auch die anwesenden Politiker: Es brächte rein gar nichts, wenn Kommunen und Kreis gegeneinander ausgespielt würden.

In der Remise wurde aber auch deutlich, dass es in der Debatte ums Geld längst um die grundsätzliche Wertschätzung gesellschaftlicher Werte von Kultur, über ehrenamtliches Engagement bis hin zu solidarischem Verhalten geht. Und auch darum, dass die Bürger selbst ihren Volksvertretern ins Gewissen reden können.

"Wir brauchen den Schulterschluss aller Verbände", so Wagner und Kiehlmann. Vor den Sitzungen besteht im Rahmen der "Einwohnerstunde" im Kreishaus die Gelegenheit, als Bürger seine Bedenken einzubringen: "Ziehen Sie die Tagesordnung in die Länge."

Quelle: RP
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