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Hintergrund
Warum Dinslaken ein Schulstreit drohen könnte

Hintergrund: Warum Dinslaken ein Schulstreit drohen könnte
Kontrahenten: Bernd Saalfeld (l.) und Hans-Ulrich Wangerin FOTO: Archivfotos
Dinslaken. Am 18. Mai stellt die Verwaltung der Politik das Schulgutachten vor. Zwei Schulleiter bringen sich in Stellung für die dann folgende Debatte. Von Jörg Werner

Das Hiesfelder Gymnasium feiert Geburtstag. 25 Jahre wird es alt. Und die Gelegenheit hat sein Leiter Bernd Saalfeld genutzt, nicht nur kräftig die Werbetrommel zu rühren für Dinslakens jüngstes und kleinstes Gymnasium, sondern auch gleich noch zu Protokoll zu geben, dass er jeder Überlegung, am Standort des Gustav-Heinemann- Schulzentrums eine zweite Gesamtschule zu errichten, eine Absage erteilt und dass er es für absurd hält, ein Gymnasium wie seines für eben diese Schulform zu opfern.

Das hat Saalfeld prompt eine böse Replik seines Kollegen Hans-Ulrich Wangerin von der Ernst-Barlach-Gesamtschule eingetragen, der in einem Schreiben an Saalfeld einigermaßen empört nachfragt: "Warum sollte es absurd sein, etwas Gutes, in dem Fall ein Gymnasium, durch etwas ebenfalls Gutes, nämlich eine Gesamtschule, zu ersetzen? Ich vermag darin keine Absurdität zu erkennen, im Gegenteil: Mit dem Ernst-Barlach-Gymnasium hat man es 1985 genauso gemacht und dafür am selben Standort die Ernst-Barlach-Gesamtschule gegründet."

Irritiert zeigt sich Wangerin auch darüber, dass Saalfeld für die Dinslakener Gymnasien den Status "klein, aber fein", reklamiert, gleichzeitig aber über ein mögliches Aus für die Sekundarschule spekuliert und für die Gesamtschule den Ausbau zur Achtzügigkeit ins Gespräch bringt.

Aus seiner Irritation, so Wangerin, werde an dieser Stelle echte Verärgerung. "Denn", so heißt es in dem Schreiben an Saalfeld, "es mag mir einfach nicht einleuchten, warum für die derzeit angemeldeten Gymnasialschüler im Umfang von sieben Klassen (OHG 3; THG 2; GHZ 2) auch zukünftig drei Schulen vorgehalten werden sollen, während Du mal eben acht Klassen pro Jahrgang in eine, nämlich die Ernst-Barlach-Gesamtschule, packen möchtest. Diese Denkweise verstößt nach meinem Geschmack empfindlich gegen das, was ich unter Bildungsgerechtigkeit verstehe." Es könne und dürfe nicht sein, dass Dinslaken seine Bildungslandschaft zukünftig so strukturiert, dass der Eindruck entsteht, der Stadt bedeuteten die Gymnasialkinder so viel mehr, dass man ihnen ein "kleines, aber feines" Bildungsangebot in drei Gymnasien offeriert, während man für die übrigen Kinder und jene, die im und am Gymnasium scheitern, eine achtzügige "Lernfabrik" vorhalte. Mit solchen Strukturen könnte auch ein erfolgreich integrativ arbeitendes System wie die Ernst-Barlach-Gesamtschule buchstäblich vor die Wand gefahren werden, so Wangerin.

Dass hier ein Schulleiter - Hans-Ulrich Wangerin - auf einen anderen - Bernd Saalfeld - losgeht, mag auf den ersten Blick verwunderlich sein, hat aber einen ernsten Hintergrund. Am 18. Mai will die Verwaltung der Politik die Ergebnisse des Gutachters präsentieren, der die Dinslakener Schullandschaft unter die Lupe genommen hat. Und spätestens dann, das wird Saalfeld bei seiner Aussage im Auge gehabt haben, könnte eine Diskussion anheben, ob es nicht tatsächlich der richtige Weg wäre, im Gustav-Heinemann-Schulzentrum eine zweite Gesamtschule zu etablieren.

Fakt ist, dass die Entwicklung der Schülerzahlen die Konkurrenz unter Dinslakens weiterführenden Schulen anheizt. Klar ist auch, dass es für eines der drei Gymnasien eng werden könnte. Und dass dann zwangsläufig das jüngste - das Hiesfelder - unter den größten Druck geraten dürfte. Und die Idee, aus dem Gustav-Heinemann-Schulzentrum eine zweite Gesamtschule zu machen, ist ja auch nicht neu, ist beispielsweise von den Linken ins Gespräch gebracht worden, als es um die Errichtung einer Sekundarschule ging. Die gibt es inzwischen. Sie kämpft ums Überleben, hat sich in diesem Jahr gerade nochmal ans Ufer gerettet. Ob ihr das auf Dauer gelingt, ist, da hat Saalfeld völlig Recht, ungewiss. Was wenn nicht? Dann wäre eine zweite Gesamtschule tatsächlich die naheliegende und wohl auch vernünftigste Lösung. Nun dürfte Dinslakens Schuldezernentin alles daran setzen, die Sekundarschule so lange wie möglich am Leben zu halten. Schließlich hat Christa Jahnke-Horstmann diese neue Schulform in Dinslaken entgegen aller Warnungen durchgeboxt. Und was die Dinge noch komplizierter macht. Wer über den Standort Gustav-Heinemann-Schulzentrum spricht, spricht auch über die dortige Realschule. Die hat, die Schuldezernentin weiß das, seit sie den gescheiterten Versuch unternommen hat, die Schülerzahl an der Realschule zugunsten der Sekundarschule zu deckeln, eine starke Lobby. Spätestens nach dem 18. Mai droht also eine heftige Schuldebatte, die in einen großen Streit münden könnte. Diesen zu vermeiden, ist im Interesse aller. Das Ganze darf allerdings nicht in einem faulen Kompromiss enden. Es wird spannend.

Quelle: RP
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