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Hintergrund
Warum Volker Grans mit seiner SPD hadert

Dinslaken. Nach seiner Abwahl aus dem Fraktionsvorstand hat der Sozial- und Jugendpolitiker seine Parteiämter niedergelegt. Von Jörg Werner

Dinslaken "Ich habe mich gefühlt, als sei mir ein Messer in den Rücken gestoßen worden", sagt Volker Grans und beschreibt damit aus seiner Sicht das Geschehen in der SPD-Fraktionssitzung am Montagabend, das dazu geführt hat, dass Grans am Dienstag, wie berichtet, mit sofortiger Wirkung sein Amt als Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Nord und damit automatisch auch das Amt des stellvertretenden Stadtverbandsvorsitzenden niedergelegt hat. Gestern hat sich der Sozial- und Jugendpolitiker zu den Hintergründen dieses Entschlusses geäußert.

Bis Montag war Grans stellvertretender Fraktionsvorsitzender und ist laut eigener Aussage in der sicheren Gewissheit zur Sitzung gegangen, bei den turnusgemäß anstehenden Wahlen in diesem Amt bestätigt zu werden. Auch der Fraktionsvorstand habe ihn im Vorfeld der Sitzung einstimmig für die Wiederwahl nominiert. Es kam anders. Peter Steinbeißer erklärte, dass er sich um das Amt bewerbe und er wurde gewählt - knapp, mit neun zu acht Stimmen. Grans ist völlig überrascht worden. Das Pikante daran: Steinbeißer ist Mitglied in dem bislang von Grans geführten Ortsverein. Peter Steinbeißer habe mit ihm im Vorfeld nicht gesprochen und habe auch in der Fraktionssitzung nicht begründet, warum er gegen in antrete. Grans verwies darauf, dass er noch vor zwei Monaten mit über 90 Prozent der Stimmen als Ortsvereinsvorsitzender wieder gewählt worden sei. Im Ortsverein habe es auch keinen Widerspruch gegen seine Kandidatur für den stellvertretenden Fraktionsvorsitz gegeben, sagte Grans. Bis heute könne er sich nicht erklären, was bei der Fraktionssitzung am Montag geschehen sei. "Wenn ich eine solche Erklärung hätte, könnte ich ja damit umgehen", sagte Grans. So aber hat es für ihn offenbar nur die Konsequenz gegeben, seine Parteiämter niederzulegen. Peter Steinbeißer, der, wie es Grans darstellt, der Auslöser für den Rückzug ist, mochte gestern keinen Kommentar zum Geschehen abgegeben .

Wie Grans war auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Jürgen Buchmann überrascht darüber, dass es einen Gegenkandidaten gab "und noch überraschter, als dieser sich bei der Wahl durchgesetzt hat". Er hätte sich mehr Offenheit und Transparenz gewünscht. "Dass es bei Wahlen Gegenkandidaten gibt, ist natürlich ein ganz normaler demokratischer Vorgang", sagte Buchmann der Rheinischen Post. "Wenn das aber so ist, dann kann man im Vorfeld darüber doch offen reden." Aus Sicht des Fraktionsvorsitzenden gab es nichts, was für die Abwahl Grans' gesprochen hätte. "Ich war mit seiner Fraktionsarbeit immer sehr zufrieden", sagte Buchmann. Im Gegenteil, gebe es jetzt das Problem, dass mit dem Ausscheiden von Grans die Jugend- und Sozialpolitik im Fraktionsvorstand nicht mehr vertreten sei.

Buchmann verwies darauf, dass es bei den Sozialdemokraten guter Brauch ist, dass der Fraktionsvorstand mit Vertretern der einzelnen Ortsvereine paritätisch besetzt werde. Nun sei der bisherige Vorsitzende des Ortsvereins Nord von einem anderen Mitglied dieses Ortsvereins abgelöst worden. Insofern sei es auch alleinige Sache des Ortsvereins, die Dinge zu klären. Es könne nicht sein, dass mögliche Meinungsunterschiede im Ortsverein in der Fraktion ausgetragen werden. Wie es im Ortsverein nun weitergeht, liegt in den Händen der beiden Grans-Stellvertreter dort, Thomas Cirener und Hannelore Dwenger.

Mit der Abwahl Grans' aus dem Fraktionsvorstand und der Tatsache, dass die Sozialdemokraten dafür keine Erklärung nennen können oder wollen, öffnen sie Raum für Spekulationen.

So sind Stimmen zu hören, dass Grans wegen seiner Haltung zum vom Bürgermeister in der SPD-Fraktion durchgesetzten Bäderkonzepts, für das es im Ortsverein keine Mehrheit gegeben hatte, in die Kritik geraten ist. Andere halten es für denkbar, dass er als einer der Unterzeichner eines Briefes, der heftige Kritik an der SPD-Dezernentin Christa Jahnke-Horstmann übt, parteiintern unter Druck geraten und dafür jetzt abgestraft worden ist. In dem Schreiben, das im November vergangenen Jahres an Bürgermeister Dr. Michael Heidinger gegangen ist, beklagen die jugendpolitischen Sprecher der Fraktionen von SPD, CDU, Unabhängiger Bürgervertretung, Grünen und Linken, dass ihr Vertrauen zur Dezernentin "völlig zerstört" ist und fordern den Bürgermeister zu einem Gespräch auf, um "einen konstruktiven Verfahrensweg zur Veränderung der personellen Situation herbeizuführen".

Dieses Gespräch hat zwar bis heute nicht stattgefunden, wohl aber eine Aussprache zwischen der Dezernentin und Volker Grans, wie der gegenüber der Rheinischen Post sagte. Grans kann sich deshalb auch nicht vorstellen, dass dieses Schreiben ihm noch nachhängt. "Die Zusammenarbeit zwischen der Dezernentin und mir ist inzwischen äußerst konstruktiv", sagte er.

Quelle: RP
 
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