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Hintergrund
Was ein bisschen Schimmel so alles bewirkt

Hintergrund: Was ein bisschen Schimmel so alles bewirkt
Das Gelände von ehemaliger Realschule (links) und Berufskolleg an der Wiesenstraße. FOTO: Martin Büttner
Dinslaken. Lange herrschte Sprachlosigkeit zwischen der Stadt Dinslaken und dem Kreis Wesel über den Verkauf des Grundstücks der ehemaligen Jeanette-Wolff-Realschule. Jetzt nehmen die Gespräche offenbar Fahrt auf. Die Grünen im Kreistag machen Druck. Von Jörg Werner

Dinslaken Der Anlass war nichtig. So stellte es jedenfalls Uwe Nettlenbusch, Leiter des Geschäftsbereichs Bauen im Dinslakener Rathaus, in dieser Woche im Schulausschuss dar: "Ein bisschen Schimmel an den Fugen einer nicht einmal genutzten Lehrerdusche. Das habe wir schon beseitigt." Der nichtige Anlass hat aber offenbar einiges ausgelöst. Es ist wieder Bewegung in den Gesprächen zwischen dem Kreis Wesel und der Stadt Dinslaken, die einen Käufer für das Grundstück der ehemaligen Jeanette-Wolff-Schule an der Wiesenstraße sucht. Und damit ist auch wieder Bewegung in der Diskussion über die Zukunft des Dinslakener Berufskollegs.

Der Reihe nach: Angefangen hat's, wie berichtet, mit der Sporthalle an der Douvermannstraße. Genutzt wird die von Schülern des Berufskollegs, der Dinslakener Gartenschule und Vereinsportlern. Das Grundstück, auf dem die Halle steht, gehört Stadt und Kreis gemeinsam. Die Sanierungskosten hat zu zwei Dritteln die Stadt und zu einem Drittel der Kreis zu tragen. Und in der Halle hatte die Kreisverwaltung - von den Linken mit einer Anfrage auf den Weg geschickt - Schimmelbefall festgestellt. Der Kreis mochte eine Gesundheitsgefährdung nicht ausschließen, die Stadt sah das anders. Es folgte eine Begehung, an der Dinslakens Baudezernent Dr. Thomas Palotz und Helmut Czichy, Vorstand für Planen, Bauen und Umwelt der Kreisverwaltung, teilnahmen. Ergebnis laut Nettlenbusch: siehe oben.

Das Gespräch hatte aber auch noch andere Folgen. Es geht eben nicht nur um die Halle, die der Kreis für die Schüler des benachbarten Berufskollegs nutzt, es geht um das Berufskolleg insgesamt. Das betreibt der Kreis an zwei Standorten in Dinslaken - eben an der Wiesenstraße und 1,2 Kilometer entfernt an der Konrad-Adenauer-Straße. Daran gedacht ist, das Berufskolleg an einem Standort zusammenzuführen. Ein Gutachten zu dem Thema liegt in der Kreisverwaltung vor. Da trifft es sich, dass die Stadt das Grundstück der ehemaligen Jeanette-Wolff-Realschule an der Wiesenstraße neben den Gebäuden des Berufskollegs los werden will. Sie hat dem Kreis auch schon ein Kaufangebot gemacht.

Doch die Verhandlungen kamen bislang nicht in Gang, was die Kreisverwaltung mit hoher Arbeitsbelastung - sie baut zurzeit in großem Stil ein neues Berufskolleg in Moers - und Krankheitsfällen begründet. Nach der Begehung der Douvermannhalle hatte Helmut Czichy signalisiert, dass diese Verhandlungen nun wieder aufgenommen werden sollen.

Das, so findet die Kreistagsfraktion der Grünen, wird auch allerhöchste Zeit. Ihr Sprecher Hubert Kück meldete sich gestern mit der Forderung zu Wort, dass neben den Berufskollegs in Wesel und Moers das Dinslakener nicht in Vergessenheit geraten dürfe. Die Berufskollegs, so Kück, seien ein Aushängeschild des Kreises. "Wir brauchen gut ausgebildete, junge Menschen", sagte der Grüne und deswegen seien gerade die Berufskollegs ein wichtiger Standortfaktor, wenn es darum gehe, Arbeitsplätze im Kreis anzusiedeln. Seine Fraktion fordere, dass für die Entwicklung des Dinslakener Berufskollegs eine Prioritätenliste aufgestellt wird, die dann von der Kreisverwaltung abgearbeitet werden müsse. Deren Argument von der Arbeitsüberlastung will Kück nicht gelten lassen. An aller erster Stelle müssten nun die Grundstücksverhandlungen mit der Stadt Dinslaken zeitnah zu einem Ende gebracht werden.

Die Stadt Dinslaken ist, wie gesagt, gesprächsbereit. Sie wird allerdings auch nicht ewig warten, wie Rathaussprecher Horst Dickhäuser gestern der Rheinischen Post sagte. Schließlich handele es sich um ein Grundstück in bester Innenstadtlage. Bis 2018 wird das Gebäude der Jeanette-Wolff-Realschule noch gebraucht. Zurzeit sind dort die Gartenschüler untergebracht, deren Schulgebäude umgebaut wird. Danach werden dort die Grundschüler aus dem Averbruch einziehen, deren Gebäude ebenfalls umgebaut und erweitert wird. Danach ist das Grundstück frei. Der Stadt ist also an einer zügigen Klärung der Grundstücksfrage höchst interessiert.

Quelle: RP
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