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Dinslaken
Weihnachten - das Ja zu diesem Leben

Dinslaken: Weihnachten - das Ja zu diesem Leben
Die Krippe in der Sankt-Vincentius-Kirche am Dinslakener Altmarkt. FOTO: Martin Büttner
Dinslaken. Die wunderbare Erfahrung, geliebt zu sein, bringt nach Überzeugung von Gregor Kauling, Dechant der Katholischen Kirchengemeinde Sankt Vincentius Dinslaken, Licht in die Finsternis und gibt dem Menschen Kraft. Von Gregor Kauling

"Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf, allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden..." (Johannes 1,11-12). Bei diesen Worten der Heiligen Schrift aus dem Johannesevangelium kommt mir immer die weihnachtliche Erzählung: "Drei Männer im Schnee" von Erich Kästner in den Sinn. Die Komödie jenes Geheimrates Eduard Tobler, der sich als "armer Schlucker" in einem Nobelhotel einmietet, um das Leben der Menschen kennenzulernen, wie es wirklich ist. Nach etlichen komischen, wie dramatischen Verwicklungen erfährt der von der Hotelleitung Ausgeschlossene schließlich, dass er schon lange, ohne es zu wissen, der Besitzer eben dieses Hotels ist.

Dechant Gregor Kauling FOTO: Büttner, Martin (m-b)

Da kommt jemand in sein Eigentum, ihm gehört eigentlich schon alles, bis zum kleinsten Bleistift, er wird aber nicht erkannt und kurzerhand hinausgeworfen. Diesen Vers aus dem Prolog des Johannesevangeliums hören wir wieder in den Gottesdiensten des 1. Weihnachtstages. Bei Lukas heißt es in der Weihnachtsgeschichte, ganz lapidar: "... da in der Herberge kein Platz für sie war" (vgl. Lukas 2,7). Hinter diesem Halbsatz verbirgt sich ein Dorado an Not und Sorge, an Verlassenheit und Todesangst, eine schwangere Frau, abgewiesen - mitten in der Dunkelheit der Nacht. Wenn sie es alle gewusst hätten, dass der Messias unterwegs ist, der Sohn Gottes, wäre es ganz sicher nicht der Stall geworden, wie bei jenem Geheimrat in Kästners Erzählung nicht die Dachkammer ohne Heizung. Warum tut Gott das - warum mutet er sich das zu?

Gott geht in die ganze Verlorenheit des Menschen hinein, vor allem in diese Erfahrung des nicht angenommen Werdens. Und wie weh kann das tun, draußen stehen zu müssen, zuzuschauen, wie es anderen gut geht und selber nicht daran teilnehmen zu dürfen. Gott möchte wissen, wie sich die Verlorenheit des Menschen zu aller Zeit anfühlt. Nicht angenommen sein, das kann damit beginnen, dass das Recht abgesprochen wird, überhaupt erst auf die Welt zu kommen, das beginnt damit, dass mein Anderssein aufgrund der Hautfarbe, des religiösen oder politischen Bekenntnisses, meiner Nationalität, meiner Behinderung, meines Älterwerdens oder Krankseins nicht angenommen wird, das beginnt damit, Hunger zu leiden, sich als Kind im Kriege wiederzufinden oder auf der Flucht in der Fremde, voller Angst, wegen Strukturen, die nicht die eigenen sind. Schließlich endet es damit, an den Rand gedrängt, vielleicht abgeschoben oder verfolgt zu werden, irgendwo draußen zu sein, außerhalb, auf dem weiten Felde sich wiederzufinden, wie Maria und Joseph in jener Nacht in der Provinz von Judäa.

"Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf, allen aber, die ihn aufnahmen...", so heißt es weiter beim Evangelisten Johannes, "gab er Macht, Kinder Gottes zu werden."

Wären wir in jener Nacht in Bethlehem wirklich dabei gewesen, draußen auf dem Feld mit den Hirten aus der nahen Nachbarschaft oder gar denen, die von weit her kamen, vieles auf sich nahmen, um Gottes Sohn nahe zu sein? Sind wir heute dabei, dort wo Gott zur Welt kommt?

Es gibt immer wieder Menschen in meiner unmittelbaren Nähe, die ankommen wollen. Legen wir doch den Panzer unserer Vorbehalte, Vorurteile und säuberlich zurechtgelegten, immer gleichen Argumente beiseite. Was heißt das für uns an Weihnachten? Was sagt uns Gott in diesem Kind? Inmitten einer solchen Welt, die das Leben auf vielfältige Weise gefährdet und missachtet, in der Menschen aus Angst vor dem eigentlichen Leben entfliehen, da sagt Gott "Ja" zu einem Leben in dieser Welt. "Ja" zu einem ganz normalen Leben, das im Leib einer Frau seinen Anfang nimmt. Gott will den schweren Weg des Menschwerdens und Menschseins mit uns teilen. Warum? Weil er uns liebt! Jesus wird einmal im Vertrauen auf den Vater im Himmel auch durch die Brutalität und die Schrecken von Leid und Tod hindurchgehen müssen. Auch diese Erfahrung teilt er mit allen Menschen. Er teilt sie mit Dir und mir. Er kann es nur deswegen, weil er erfahren hat, geliebt zu sein. Das sagt uns Weihnachten.

Kann ich nicht selber auch jemandem und wenn es nur ein einziger Mensch auf Erden wäre, diese Erfahrung schenken? Geliebt zu sein? Denn dann würde Weihnachten sein. Finsternis, Schatten der Gewalt, Angst und Not wird es immer geben, solange es Menschen gibt auf Erden. Die Botschaft der Heiligen Weihnacht ruft uns zu: Keine Finsternis ist dunkel genug, dass nicht mein Licht sie erleuchten könnte. Und wenn ich sagen würde: Meine Dunkelheit nicht, mich ganz sicher nicht, ich bin zu weit weg, viel zu lange weg - sagt Christus doch zu mir: "Heute bin ich geboren für dich."

Ich wünsche Ihnen allen in diesem Sinne ein frohes Weihnachtsfest.

Quelle: RP
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