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Reportage am Montag
Wenig Wasser und viel zu entdecken

Reportage am Montag: Wenig Wasser und viel zu entdecken
Annette Kracht ist am Rhein auf der Suche nach einem besonderen Fundstück.
Dinslaken. Am Rhein herrscht derzeit Niedrigwasser. Die Fähre in Walsum fährt trotzdem weiter über den Fluss und am Ufer gibt es dort, wo das Wasser momentan nicht mehr hinreicht, einiges zu entdecken für Menschen, die sich die Zeit nehmen. Von Florian Langhoff

Walsum Der Blick vom Anleger der Fähre in Walsum ist etwas ungewohnt. Viel weiter als sonst muss man in Richtung des Flusses fahren, um an die Stelle zu kommen, an der Fährmann Andreas Rokita das Schiff ans Ufer bringt. Nach wie vor setzen Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger über ans andere Rheinufer in Orsoy oder kommen von dort nach Walsum. Allerdings scheint auch die Strecke über den Rhein kürzer geworden zu sein.

Am Ruder der Fähre hört Andreas Rokita gerade mit, wie Wasserstände durchgegeben werden. Er notiert sie sich sofort. Gut 1,90 Meter tief ist das Wasser noch. Besteht die Gefahr, dass die Fähre irgendwann nicht mehr fahren kann, wenn der Wasserspiegel weiter sinkt? "Ich fahre jetzt seit 25 Jahren auf der Fähre und die fuhr bisher immer", erklärt Rokita. "Und wir hatten auch schon Wasserstände von 1,60 Metern und sind trotzdem gefahren."

Andreas Rokita bringt auch bei Niedrigwasser seine Passagiere sicher von Ufer zu Ufer.

Ein Problem macht das niedrige Wasser allerdings schon. Der Teil der Rampe auf der Seite von Orsoy, an dem die Fähre sonst anlegt, ragt ein gutes Stück über das Wasser hinaus. Stattdessen nutzt das Fährschiff nun einen älteren Teil der Rampe, um Passagiere abzusetzen und aufzunehmen. "Das ist etwas schwieriger anzusteuern, aber es geht nicht anders", erklärt der Fährmann. Für den Routinier am Ruder kein Problem. Er bringt auch bei Niedrigwasser seine Passagiere sicher von Ufer zu Ufer.

Dort wo sonst schon die Wellen neben der Fährenrampe fließen, nutzen einige Menschen den niedrigen Wasserstand, um zwischen Steinen am Ufer entlang zu spazieren. Der Boden ist besetzt von Kieseln in unterschiedlicher Größe, zwischen denen eine nahezu unendliche Anzahl von Muscheln liegt. Einige Besucher bücken sich, um die Schalen aufzuheben. Andere füttern die Möwen, die sich neben der Fährenrampe um einen kleinen Tümpel versammelt haben, der dort vom Ausläufer des Flusses übrig geblieben ist. Weitere halten die Augen nach besonderen Fundstücken offen, die der niedrige Wasserstand hier zutage fördern könnte.

Zur letzteren Gruppe gehören auch Annette Kracht und Volker Schmidt. Das Paar ist extra wegen des Niedrigwasserns ans Flussufer gekommen. "Wir wohnen ganz in der Nähe, aber so niedrig habe ich das Wasser hier noch nie gesehen", sagt Annette Kracht. "Das sieht hier ja fast aus, wie eine Mondlandschaft." Immer wieder schaut sie auf den Boden, auf der Suche nach einem besonderen Fundstück. "Man hört ja immer wieder, dass bei Niedrigwasser besondere Fundstücke auftauchen. Mein Mann hat auch schon eins gefunden", erzählt sie.

Viel weiter als sonst muss man in Richtung Rhein fahren, um an die Stelle zu kommen, an der Fährmann Andreas Rokita das Schiff ans Ufer bringt. FOTO: Büttner

Und zwar nicht irgendeinen Plunder oder ein Stück Metall oder vielleicht einen besonders schönen Stein. Sondern vielleicht ein Teil eines Schatzes. "Das ist schon einige Jahre her. Da war hier auch Niedrigwasser und ich habe eine Kugel gefunden. Die war mit einer goldfarbenen Ummantelung überzogen und mit Perlmutt verziert", berichtet Volker Schmidt. Bisher war er immer davon ausgegangen, dass das von ihm gefundene Objekt zwar ganz nett anzuschauen, jedoch wertlos sei. "Ich habe mir immer gedacht: So viel Glück kannst du nicht haben", erzählt er. Und es aus der Hand geben, um es schätzen zu lassen, wollte er es auch nicht.

Vor kurzem allerdings sah er eine Dokumentation über den Nibelungenschatz und fragt sich seitdem, ob sein Niedrigwasser-Fund vielleicht ein Teil des legendären Rheingolds sein könnte, des berühmtesten Schatzes der Weltliteratur. "Wer weiß das schon?", sagt er. Trotzdem hält er auch jetzt wieder Ausschau nach besonderen Fundstücken. Und genießt, gemeinsam mit seiner Begleiterin, das sonnige Wetter, während sie weiter über die vom Wasser verlassene Fläche spazieren.

Quelle: RP
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