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Unsere Woche
Wenn Anspruch auf Wirklichkeit trifft

Dinslaken. Warum auch eine noch so gute Marketingstrategie nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass in der Dinslakener Schulpolitik eine ganze Menge schiefläuft.

Die Definition ist zugegeben etwas sperrig. "Eine DIN-Norm ist ein unter Leitung des Deutschen Instituts für Normung erarbeiteter freiwillige Standard, in dem materielle und immaterielle Gegenstände vereinheitlicht sind." Aber, das lehrt die Erfahrung, solcherlei Normen erleichtern das Leben ungemein, weil sie eben dazu führen, dass die Dinge funktionieren - und zwar überall gleich. Deswegen hat die DIN-Norm so einen guten Ruf. Und deswegen ist es ja auch so naheliegend, dass die Stadt, die das DIN als Autokennzeichen hat und sich auch sonst vielfach dieser drei Buchstaben als Abkürzung bedient, jetzt engere Beziehung zum Normungs-Institut sucht, um vom Glanz dessen Kürzels zu profitieren. Aber, wie das nun einmal so ist, eine pfiffige Marketingstrategie ist das eine, das andere ist die Realität, die die Strategen immer einzuholen droht.

Wenn Bürgermeister Dr. Michael Heidinger zum Beispiel wie selbstverständlich das Prädikat "Qualität" als verbindendes Element zwischen der Stadt und dem DIN-Institut reklamiert und als Beispiel für Dinslakens Qualität das Feld der Bildung benennt, dann wird ganz schnell die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit deutlich. Ja, Dinslaken pumpt viel Geld in seine Schulgebäude. Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass in der Schulpolitik in dieser Stadt seit nun schon einigen Jahren eine ganze Menge schiefläuft. Nicht anders ist es zu erklären, dass in Dinslaken gerade einmal wieder - die wievielte eigentlich - aufgeregte Debatte zur Schulentwicklung läuft. Fairerweise muss man dazu sagen, dass die Landespolitik in Schulfragen ein entscheidendes Wort mitspricht und dabei, um es freundlich zu sagen, reichlich Chaos produziert. Ein Teil der Dinslakener Probleme ist aber hausgemacht. Das gilt insbesondere für die übereilte und in ihren Konsequenzen nicht zu Ende gedachte Gründung der Sekundarschule. Jetzt ist der Wirrwarr groß. Die Schulen melden sich zu Wort, entwickeln Ideen, die, wer wollte es ihnen verdenken, insbesondere das eigene Interesse im Auge haben, die Eltern wollen wissen, woran sie künftig sind, wohin die Landespolitik steuert, ist auch nicht so recht abzusehen. Und Dinslakens Politik hat keine Lösung, muss aber eine finden. Viel spricht dafür, dass sie nun erst einmal auf Zeit spielt. Klar ist nur: Wenn eine Entscheidung fällt, dann muss sie für eine längere Zeit tragfähig sein. Es wird höchste Zeit, dass die Schulen in Dinslaken in Ruhe arbeiten können. Das ist eine Frage der Qualität.

Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende.

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Quelle: RP
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