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Unsere Woche
Wenn die Verwaltung das Vertrauen der Bürger verliert

Dinslaken. In Voerde muss die Stadt nun in Sachen Verzögerungen bei der Dreifach-Turnhalle Farbe bekennen. Das Bürgerbegehren in Dinslaken zeugt von Misstrauen.

Dass einem altgedienten Politiker wie dem Voerder CDU-Ratsherren und Vorsitzenden des Bau- und Betriebsausschusses, Georg Schneider, mal der Kragen platzt und er öffentlich herbe Kritik an der Stadtverwaltung übt, kommt relativ selten vor. Und dass der Ruf nach Einsetzung eines Untersuchungsausschusses laut wird, ist auch nicht an der Tagesordnung. Jetzt ist es aber geschehen, und die Voerder Verwaltung hat es sich selbst zuzuschreiben, dass es dazu gekommen ist. Als der Christdemokrat aus der Zeitung erfahren musste, dass sich die Fertigstellung der Dreifach-Sporthalle am Gymnasium in Friedrichsfeld erneut verzögert, da riss dem Christdemokraten verständlicherweise der Geduldsfaden. Er kritisierte, dass die Politik nicht vom Rathaus informiert worden war. Er ging davon aus, dass die Aussagen der Verwaltung, die in der September-Sitzung des Bau- und Betriebsausschusses gemacht worden waren, zutreffend seien. Damals hieß es: die Sanierung liege zeitlich im Plan, gleiches gelte für die Finanzen, und dass der Spielbetrieb nach den Herbstferien wieder aufgenommen werden könnte. Von Problemen war damals nicht die Rede. Schneider hatte in der Sitzung darauf bestanden, dass dies alles protokolliert wird. Verständlich, dass der CDU-Ratsherr nun rückhaltlose Aufklärung verlangt und erwartet, dass alle Daten und Fakten offengelegt werden. Als Grund für die jetzige Verzögerung wird angeführt, dass die LED-Lampen, die für die neue Beleuchtung benötigt werden, kurzfristig nicht zu beschaffen sind. Schneider ist sicherlich nicht der einzige, der verärgert über die neuerliche Verzögerung ist. Denn es darf nicht vergessen werden, dass die Halle ihren Nutzern, wie Schule und Sportverein, auch weiterhin nicht zur Verfügung steht. Das ist ein Zustand, der für die Betroffenen der seit inzwischen über einem Jahr geschlossenem Sportanlage allmählich unerträglich wird. Zudem ist es auch nicht das erste Mal, dass sich in Voerde die Fertigstellung eines Vorhabens deutlich verlängert. Die Stadtverwaltung ist nun im Erklärungszwang.

In Dinslaken werden inzwischen Unterschriften von Mitgliedern der Unabhängigen Bürger-Vertretung (UBV) gesammelt, die mit einem Bürgerbegehren Front gegen die Pläne der Stadtverwaltung machen wollen, den Bahnhofsvorplatz grundlegend umzubauen und dort auch die Verkehrsführung wesentlich zu verändern. Dies hat die Verwaltung nun dazu veranlasst, deutlich Stellung zu beziehen und auch auf der städtischen Internetseite ihre Position noch einmal darzulegen. Denn die Verwaltung sieht die Gefahr, sollte das Bürgerbegehren und der anschließende Bürgerentscheid erfolgreich sein, dass die Weiterentwicklung der Innenstadt lahmgelegt wird. Dass es soweit kommen musste, beweist, dass da etwas falsch gelaufen ist, Misstrauen ist gewachsen, die Verwaltung hat Teile der Bürgerschaft nicht erreicht, schlimmer noch, ihre Aussagen haben Bürger so stark verunsichert, dass diese nun der Überzeugung sind, die Verwaltung plane gegen den Bürger, verschwende Millionen und müsse daher gestoppt werden. Das zeigt, dass die Verwaltung Vertrauen bei Bürgern verloren hat.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende.

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Quelle: RP
 
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