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Dinslaken
Wenn in Shanghai die Löwen tanzen

Dinslaken: Wenn in Shanghai die Löwen tanzen
Perfekte Körperbeherrschung - die Artistinnen der Show wurden selbst zu Kunstwerken. FOTO: Heiko Kempken
Dinslaken. Chinesischer Nationalcircus fasziniert mit atemberaubender Show in der Stadthalle: "Shanghai Nights unplugged". Von Bettina Schack

Sie schlagen Salti zu Swing und vollführen Spitzentanz auf den Köpfen ihrer Partner. Die Akrobatinnen und Akrobaten des Chinesischen Nationalcircus überraschten ihr Publikum am Sonntag in der Kathrin-Türks-Halle mit Showelementen, die man vielleicht eher in einer westlichen Revue erwarten würde. Der Grund für diese Synthese von traditioneller chinesischer Artistik, Jazz und Ballett lag im Thema der Produktion zum 25-jährigen Bestehen der Show. Mit "Shanghai Nights unplugged" spürte Raoul Schoregge dem sich öffnenden China des 20. Jahrhunderts nach. Und zu diesem gehören diese Kulturformen selbstverständlich dazu wie das Drehen von Tellern auf langen Stäben oder der chinesische Löwentanz.

Schauplatz der "Shanghai"-Nights ist eine Hafenbar in den 40er Jahren, eine Mischung aus Teehaus und Varieté. Hier fechten ein chinesischer Arbeiter und ein italienischer Matrose mit verbundenen Augen um die Gunst einer Schönen, hier prusten die Gäste mit Alkohol (Raoul Schoregge in einer Variante der klassischen Clown-Nummer), hier wird mit allem Artistik vollbracht, was ein Teehaus hergibt, und wofür die Artisten des Chinesischen Nationalcircus seit 25 Jahren berühmt sind.

Akrobaten jonglieren mit Porzellan und wenn einer von ihnen einen großen, schweren Kübel mit der Kante auf dem nur mit einem Tuch geschützten Kopf hüpfen lässt, hört man in den ersten Reihen das dumpfe Geräusch von Keramik auf Knochen. Höhepunkt des ersten Teils der Show ist der Balanceakt einer Artistin auf Stühlen, die bis zum Dach der Bühne gestapelt sind.

Über den Möbeln, unter den Möbeln. Nach der Pause balanciert ein Artist ein Dutzend waghalsig aufeinander getürmte Bänke auf seiner Stirn. Es sieht aus, als trage er Ai Weiweis Installation für die Dokumenta vor ihrem Einsturz auf dem Kopf. Die Akrobatinnen der Show dagegen werden selbst zu Kunstwerken, wenn sie ihre Körper so grazil verbiegen, dass die Füße von hinten über ihre Schultern ragen. Ein Akrobat "benutzt" seine derart umschlungene Partnerin als Hoola-hoop-Reifen. Eines der schönsten Bilder des Abends: die chinesische Ballerina mit dem Papierschirm in der Hand, die mit einem Bein auf Spitze auf dem Kopf ihres Partners steht.

Ein Publikumsliebling des Abends aber ist Raoul Schoregge selbst. Er steht hinter dem Chinesischen Nationalcircus, geht aber als stummer Clown auch selbst auf die Bühne. Hier treibt er seine Scherze nicht nur mit den Artisten, sondern auch mit dem Publikum selbst. Und das lässt sich nur zu gerne auf den Schabernack ein.

Nach zweieinhalb Stunden Tanz, Akrobatik, Varieté und fernöstlicher Tradition bedankt sich das Publikum mit stürmischem Applaus.

Quelle: RP
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