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Hintergrund
Wenn Kinder schutzbedürftig sind

Dinslaken. Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge lassen die Fallzahlen für Inobhutnahmen auch in Dinslaken nach oben schnellen. Von Heinz Schild

Im vergangenen Jahr haben die Jugendämter in Nordrhein-Westfalen über 16.600 Schutzmaßnahmen für Kinder und Jugendliche ergreifen müssen. Das waren etwa 26 Prozent mehr als ein Jahr zuvor (2014: knapp 13.2000), wie das statistische Landesamt ermittelt hat. Der enorme Anstieg dieser vorläufigen Inobhutnahmen ist "maßgeblich auf die Zunahme der Zahl von unbegleiteten Einreisen aus dem Ausland zurückzuführen", es geht um unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, die ohne ihre Eltern nach Deutschland gekommen sind. Dinslaken macht da keine Ausnahme. Aktuell liegt hier die Zahl der minderjährigen Flüchtlinge, die in Obhut genommen wurden, bei 46; weitere 26 Kinder stammen aus Dinslaken, wie Horst Dickhäuser, Pressesprecher der Dinslakener Stadtverwaltung, gestern auf Anfrage berichtete.

Die Inobhutnahme geschieht durch das Jugendamt, wenn das Wohl des Kindes gefährdet ist oder ihm Gefahr droht und muss durch das Vormundschaftsgericht bestätigt werden. Kinder werden beispielsweise unter den Schutz des Jugendamtes gestellt, wenn sie - wie die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge - ohne Eltern sind oder wenn die Eltern mit der Erziehung ihres Nachwuchses überfordert sind, die Jungen und Mädchen vernachlässig, gar körperlich oder seelisch gequält werden.

Die Schutzbefohlenen werden dann in einem Kinderheim oder einer Jugendeinrichtung untergebracht, auch in speziellen Häusern in anderen Kommunen, beispielsweise in den Nachbarstädten Duisburg und Wesel, wie Horst Dickhäuser weiter sagte.

Der Caritasverband, der sich in Dinslaken intensiv um Asylbewerber kümmert, hat die steigende Zahl der minderjährigen Flüchtlinge ohne Eltern zum Anlass genommen, um in der Dölken-Villa an der Konrad-Adenauer-Straße eine Außenwohngruppe des Caritas-Kinderheims "Haus Hannerbach" zu gründen, in der zehn Jungen betreut werden. Sie nehmen an Integrationskursen teil, besuchen Sprachkurse und werden auf ihrem Weg in die Gesellschaft, Schule und Ausbildung begleitet, sagte Caritasdirektor Michael van Meerbeck. Er geht davon aus, dass der Flüchtlingsstrom nicht abreißen wird und weitere Plätze zur Unterbringung minderjähriger Flüchtlinge ebenso geschaffen werden müssen wie die für Erwachsene, die ihre Heimatländer verlassen haben.

Bei dem jüngsten minderjährigen Flüchtling, den die Caritas betreut, handelt es sich um einen achtjährigen Jungen aus Afghanistan, der ohne Vater und Mutter über Bayern nach Dinslaken kam. Die Eltern hatten gemeinsam mit ihrem Sohn die Flucht angetreten, über die Balkanroute wollten sie nach Europa. Der Achtjährige musste unterwegs miterleben, wie seine Eltern erschossen wurden und schlug sich dann allein weiter durch. Rund sieben Monate dauerte die Flucht des Kindes, bis es dann in Dinslaken ankam und hier in schützende Obhut genommen wurde.

Quelle: RP
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