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Dinslaken
Wesel plant bienenfreundliche Wiesen

Dinslaken. Als Reaktion auf den Insektenschwund hat die Stadt Flächen definiert, auf denen Wildblumen wachsen sollen. Heute diskutiert die Politik im Grundstücksausschuss ab 16.30 Uhr über dieses Thema. Von Sebastian Peters

Naturschützer schlagen Alarm: Auch im Kreis Wesel ist das Bienensterben dramatisch. Bis zu 20 Prozent der Bienenvölker gingen verloren, mahnte zuletzt der Kreisimkerverband. Die Stadt Wesel will nun gegensteuern, wie sie in einer Vorlage für die Politik mitteilt, die auf Antrag der CDU Wesel entstanden ist. Die CDU hatte vorgeschlagen, städtische Flächen für die Anlage von Blühwiesen oder blühende Randstreifen freizugeben.

Die Stadt will jetzt Blumenwiesen an folgenden Bereichen vorbereiten: Eine Fläche am Aaper Weg, an der alten Kläranlage Büderich/Hagelkreuzweg, auf einer Fläche in der Aue, im Lippemündungsraum und an diversen Wegrändern auf Stadtgebiet.

In Wesel laufen derzeit an mehreren Stellen auf Stadtgebiet Versuche, Wildblumenwiesen anzubieten: auf einer 390 Quadratmeter großen Fläche am Aaper Weg, auf 900 Quadratmetern an der Tankstelle Büderich/Bäckerei Dams und auf 318 Quadratmetern an der Ackerstraße. Nachdem 2016 und 2017 Wildblumen dort gesät wurden, will der ASG bald Bilanz ziehen und im April im Betriebsausschuss berichten. Die Stadt weist darauf hin, dass statt Wildblumen auch Disteln und Brennnesseln attraktiv für Insekten wären. Eine solche Variante wäre weniger ansehnlich, aber würden den gleichen Zweck. Dauerhafte Biotope würden solche Einzelprojekte nicht darstellen können, da jährlich wiederkehrend gemäht und gefräst werden muss. Der ASG rechnet mit Kosten von 1,50 Euro pro Quadratmeter Boden für die Saat, darüber hinaus mit 0,45 Euro pro Quadratmeter und Jahr für Mahd und Grünschnittentsorgung. Nachdem der ASG Bilanz gezogen hat, sollen weitere Wiesen ins Visier genommen werden. Es gibt aber schon jetzt Erkenntnisse, die schnellen Optimismus schwinden lassen. Die einjährigen Saatmischungen blühen bei Aussaat im April schon nach acht bis zehn Wochen, bis zum Frost blühen sie, bereits im zweiten Standjahr sei dann eine deutliche Verringerung der Artenvielfalt festzustellen, welches zu Lasten der Blühvielfalt und des schmucken Aussehens geht. Eine jährliche Neuaussaat sei unumgänglich.

Die Stadt macht in ihrer Vorlage auf weitere Problematiken aufmerksam: Die nährstoffreichen Böden des Niederrheins seien oft kaum geeignet, Wildblumenwiesen anzulegen. Wildblumen bevorzugten magere, karge Böden. Die Stadt sei also gezwungen, bestimmte Flächen auszumagern. Das erfordere aktives Handeln der Stadt, also Kosten. Von außen dürften keine Nährstoffe eingebracht werden und die Fläche müsse über Jahre gemäht und das Gras abgefahren werden. "Beschleunigen kann man diesen Vorgang aber auch aktiv, in dem man durch das Abtragen der oberen Bodenschichten und dem Einbringen von Sanden die Voraussetzungen für die Pflanzen verbessert", erklärt die Verwaltung. Durch die Verwendung regionalen Saatgutes und das Einbringen von blühenden Stauden könne man die Entwicklung beschleunigen. "Grundsätzlich kann man sagen, je besser der Boden den Ansprüchen der in diesem Fall gewünschten Pflanzen gerecht wird, umso schlechter eignet sich der Boden für eine landwirtschaftliche Nutzung. Dies wiederum hat Auswirkungen auf den erzielbaren Ertrag und damit auch auf die Pachthöhe." Eine Gefahr für nachtaktive Insekten sind auch Lichtquellen. Die Kleintiere verbrennen daran. Auf künstliche Lichtquellen in der Natur soll deshalb möglichst verzichtet werden. "Eine große Zahl der Individuenverluste kann zu einer Dezimierung der Populationen von nachtaktiven Insekten in der Umgebung der Lichtquelle führen", schreibt die Stadt.

Die Stadt schlägt vor, die Wiesen fachlich versiert etwa durch Beteiligung von Umweltorganisationen pflegen zu lassen. Sie verweist darauf, dass in Kooperation mit der Bio-Station bereits 2016 seitens des ASG eine Mahdgutübertragung auf einer Fläche in Bislich vorgenommen wurde.

Eine weitere Option sind blühende Ackerstreifen. Hier weist die Verwaltung darauf hin, dass einige Landwirte vor einigen Jahren dank entsprechender Förderprogramme von der Option Gebrauch gemacht hatten. "Dies ist inzwischen jedoch wieder rückläufig, könnte aber nach Prüfung von Fördermöglichkeiten mit Zustimmung der Pächter wieder aktiviert werden." Voraussetzung sei, dass die Flächen aus der Bewirtschaftung herausgenommen werden und auf Düngung sowie den Einsatz von Herbiziden und Pflanzenschutzmittel verzichtet wird, so dass sich Ackerwildkräuter entwickeln können.

Quelle: RP
 
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