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Dinslaken
Wie man das Leben neu vermisst

Dinslaken. Keine andere Produktion der Burghofbühne wurde für die Gastspielstätten quer durch Deutschland so oft gebucht wie Lebensgeschichten des Forscherpaares Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß. Am Freitag ist Premiere. Von Bettina Schack

Die Premiere findet erst am Freitag, 28. Oktober, ab 20 Uhr im Tribünenhaus der Trabrennbahn statt, aber schon jetzt steht fest: "Die Vermessung der Welt" nach dem Roman von Daniel Kehlmann wird das erfolgreichste Stück der Burghofbühne in dieser Saison. Keine andere Produktion des Landestheaters wurde für die Gastspielstätten des Landestheaters quer durch Deutschland so oft gebucht wie die Bühnenfassung der Lebensgeschichten des so unterschiedlichen Forscherpaares Alexander von Humboldt (1769 bis 1859) und Carl Friedrich Gauß (1777 bis 1855).

Verspielt sei der Text von Dirk Engler, fantasievoll und für die Möglichkeiten des Theaters konzipiert so Schombert. Und die Inszenierung verfolgt einen klaren Interpretationsansatz: Das relevante Thema ist die Frage nach dem Lebensweg, am Beispiel zweier Biographien, die so gegensätzlich extrem sind, dass sie sich im Kern wieder ähneln.

Zum Inhalt: Alexander von Humboldt ist Forscher und Abenteurer. Einer, für den Studieren sehen und erleben bedeutet, der in die Erde hineinkriecht und Vulkane besteigt. Carl Friedrich Gauß ist das in dieser Hinsicht das absolute Gegenteil: Er ist ein Theoretiker, er vermisst die Welt in seinem Inneren, äußere Einflüsse dringen kaum zu ihm durch. Zwei Charaktere, zwei Denk- und Lebensweisen, zwei Lebenswege, denen gemein ist, dass die Begeisterung für die Arbeit Abstriche in den sozialen Kontakten bedeutet.

"Wir werden das nicht bewerten, wir sind selber für unseren Beruf dauernd unterwegs", so Mirko Schombert, "aber, und dies geschieht im Stück, am Ende blickt man zurück und es stellt sich die Frage, war alles richtig so".

Mit diesem Ansatz zur Vermessung der "Vermessung" rücken die Beziehungen zwischen den Protagonisten stärker in den Fokus. "Bei uns sind die Figuren menschlicher als im Roman und es gibt Beziehungen zwischen ihnen, die es im Roman so nicht und in der Realität gar nicht gab", verrät Schombert. In diesem Kontext wurden auch die Doppelrollen verdichtet: Felix Lampert, Patric Welzbacher und Julia Sylvester spielen nicht nur Eugen, Bonpland und Johanna, aber diese Charaktere schimmern in ihren anderen Rollen gleichsam als Facetten derselben Person hindurch.

Und auch das ist ein Novum: Humboldt und Gauß werden singen. Nicht wie im Musical natürlich, aber es gibt Duette, die thematisch in die sonst eher auf Atmosphäre angelegte Bühnenmusik von Jan Exner gesetzt sind. Dieser prägte mit seinen in den Proben entwickelten Kompositionen schon "Casanova" auf der Bühne live mit, in der "Vermessung der Welt" spielt er Gitarre und wird auch einige Sprechpassagen übernehmen.

Ein neues Gesicht ist Felix Lampert, die Burghofbühne entdeckte den gebürtigen Dresdner in Bochum. Und auch Matze Vogel (Carl Friedrich Gauß) ist in Dinslaken zum ersten Mal zu sehen, wenngleich er bereits Bühnenerfahrung mit der Burghofbühne hat: Er spielt inzwischen den Mephisto des Dauerbrenners "Faust" in der Inszenierung von Matthias Fontheim. Alexander von Humboldt wird von Markus Penne gespielt, Patric Welzbacher ist Bonpland und Julia Sylvester Johanna.

Das in seiner Deutung ganz bewusst offen gehaltene Bühnenbild und die Kostüme hat Jörg Zysik entworfen.

Quelle: RP
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