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Reportage Am Montag
Wo Bedürftige etwas zu essen bekommen

Reportage Am Montag: Wo Bedürftige etwas zu essen bekommen
Voerde. Einmal im Monat laden die Kirchengemeinden in Friedrichsfeld und Spellen zum ökumenischen "Gedeckten Tisch" ein. Von Florian Langhoff

Der Saal des Maximilian-Kolbe-Haus in Friedrichsfeld ist gut gefüllt. Für den unbedarften Betrachter könnte die Szenerie fast aussehen, wie eine Familienfeier. An den Tischen sitzen Familien mit Kindern, von denen einige zwischen den Tischen hin- und herlaufen und spielen. Paare unterhalten sich, ältere Menschen plaudern, hier und da isst jemand etwas abseits seine Suppe oder seinen Kuchen. Doch diese Menschen vereint kein gemeinsamer Anlass zum Feiern, sondern vor allem eins: Sie sind Bedürftige, die einmal im Monat hierher kommen, um kostenfrei eine warme Mahlzeit zu erhalten und sich gespendete Lebensmittel mitnehmen zu dürfen.

"Normalerweise sind es zwischen 50 und 75 Menschen die jeden Monat zu uns kommen", erzählt Pfarrer Gisbert Meier von der evangelischen Kirchengemeinde in Spellen. Gemeinsam mit seinem katholischen Amtskollegen Martin Berendes aus Friedrichsfeld kümmert sich der Seelsorger um das ökumenische Projekt. Für gewöhnlich ist es der vierte Samstag im Monat, an dem die bedürftigen Menschen aus Voerde nach Friedrichsfeld kommen. "Das ist meist auch die Zeit im Monat, in der das Geld ausgeht. Unsere Lebensmitteltüten helfen den Menschen dann schon mal über einige Tage hinweg", erklärt Pfarrer Gisbert Meier.

Dabei geht es beim Gedeckten Tisch geordnet zu. Alle, die kommen, müssen eine Nummer ziehen. Die Familien bekommen die Nummern von 1 bis 25, alle anderen höhere Zahlen. "Das müssen wir machen, sonst würde hier schnell Chaos herrschen", sagt der Seelsorger. Mit den Nummern geht es dann zur Essensausgabe. Es gibt Suppe für die Bedürftigen. Diese essen gemeinsam im Saal des Maximilian-Kolbe-Hauses. Und zeigen sich dabei, bedenkt man ihre oft schwierige Lebenssituation, noch fröhlich. Es wird gelacht. Nicht nur an den Tischen, sondern auch bei der Lebensmittelausgabe.

Auch hier geht wieder alles geordnet nach Nummern. Wer aufgerufen wird, darf einen Raum betreten, in dem sich die Lebensmittel auf Tischen befinden. Zuerst gibt es bereits vorher gepackte Tüten mit Lebensmitteln. Dann dürfen sich die Bedürftigen noch etwas aussuchen: Gemüse, Obst, Milchprodukte oder Kaffeepulver wandern zusätzlich in die Tüten. Dabei fällt vor allem die Dankbarkeit der Menschen auf. Teilweise wird jedes einzelne in die Tüte gepackte Lebensmitteln mit einem freundlichen "Danke" kommentiert.

Das Team aus 30 Helfern, das mit dem Einsammeln der Lebensmittel, der Zubereitung der Suppe und dem Verteilen der Lebensmittel und dem späteren Aufräumen von morgens bis zum Nachmittag beschäftigt ist, kennt viele der Besucher schon länger. Man erkundigt sich nach der Lage zu Hause, dem Wohlbefinden, plaudert und scherzt. "Frohe Ostern", verabschieden sich Helfer und Besucher voneinander. Für Letztere wartet vor dem Haus eine Überraschung. Ein Gemeindemitglied hat den Besuch eines Eiswagens ausgegeben, so dass alle sich alle noch kostenlos eine Kugel Eis aussuchen dürfen. Eine Freude, besonders für die Kinder, die sofort zum Eiswagen laufen.

Kurzes Vergnügen in schwierigem Alltag. "Das Leben ist nicht immer einfach", sagt eine ältere Besucherin zu Pfarrer Gisbert Meier. "Aber schön", antwortet dieser. "Das stimmt", sagt sie, packt Lebensmittel auf ihren Rollator und verlässt das Haus. Bis zum nächsten Besuch. Im kommenden Monat.

Quelle: RP
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