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Dinslaken
Zwei Kirchenorgeln wie "brausendes Feuer"

Dinslaken. Ökumenische Woche: Simon Rummel ließ Instrumente der Stadtkirche und von Sankt Vincentius im Duett erklingen. Von Bettina Schack

Der Glaube versetzt Berge, und Simon Rummels "Verbindungsmusik" im Rahmen der ökumenischen Woche 2016 überwand Raum und Zeit. Nun gut, er hatte technische Hilfsmittel. Aber das, was er mit dem Sampler in der Evangelischen Stadtkirche und in Sankt Vincentius machte, war eine Premiere mit starken Symbolcharakter: Simon Rummel improvisierte mit sich selber ein Duett und ließ dafür erstmalig die Orgel der Stadtkirche und die Seifert-Orgel von Sankt Vincentius gemeinsam erklingen. Die Zuhörer versammelten sich für eine viertelstündige Improvisation in der Stadtkirche und wechselten dann gemeinsam mit dem Kölner Komponisten in das Gotteshaus am Altmarkt zum zweiten Teil seines Stückes. Im Anschluss daran sangen der Kirchenchor Sankt Vincentius unter der Leitung von Paul Berszynski, die Evangelische Kantorei unter der Leitung von Daniela Grüning und der Kirchenchor Sankt Johannes, Leitung Christoph Segerath.

Die Idee, die evangelische und katholische Orgel gemeinsam erklingen zu lassen, klingt nach einer sehr harmonischen. Simon Rummel machte es den Dinslakener Konzertbesuchern allerdings nicht zu leicht. Seine "Verbindungsmusik" war eine Improvisation auf Basis der Minimal Music: Zunächst umspielten Ober- und Unterstimmen eine kleinteilige Kette rhythmisierter Töne auf selber Höhe, diese verschwammen im Verlauf des Stückes zu einem Dauerton, aus dem sich eine beständig wiederholte Dreiklangsbrechung entwickelte. Auf diesem Grundgerüst improvisierte er in der Stadtkirche, über diese gesampelte Improvisation wiederum improvisierte er auf der Orgel in Sankt Vincentius.

Die Reihenfolge der Orgel- und Raumwahl war mit Bedacht gewählt, nicht nur in Hinsicht auf die Chöre, die sich in der größeren Kirche auf der Empore, im Chor und am Taufbecken positionieren konnten, um auch so noch einmal klangliche Vielfalt hörbar zu machen. Auch wenn in der Stadtkirche weniger Orgelstimmen gleichzeitig erklangen, verspürte man in der verhältnismäßig kleinen Kirche zwischen den kleinteiligen Repetitionen und vereinzelten Dissonanzen mehr Enge als in der Vincentiuskirche mit ihrer Akustik. Einfach durch die räumlichen Gegebenheiten gab es dort genug Weite, um sowohl den schlichten Klang der Orgel wie die wuchtige Fülle der Seifert-Orgel nebeneinander und miteinander bestehen zu lassen.

Letztendlich könne jeder hören, was er wolle, stellte Simon Rummel noch in der Stadtkirche fest: Wie bei aller Kunst entscheidet der Empfänger für sich ebenso autonom wie der Autor selbst, was Gegenstand und Aussage eines Kunstwerks sind. Rummel gab jedoch seine Intention vor dem Hören mit auf den Weg: "Ein brausendes Feuer, eine Idee von Pfingsten und dem Neuen, das da entsteht."

Quelle: RP
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