| 00.00 Uhr

Dinslaken
Zwischen Filmdreh und Theaterstück

Dinslaken: Zwischen Filmdreh und Theaterstück
Regisseur Adnan Köse (links) und sein Team bei den Dreharbeiten in Dinslaken. Uraufführung ist am 25. Oktober in der Kathrin-Türks-Halle. FOTO: Martin Büttner
Dinslaken. Regisseur Adnan Köse drehte für seine "Othello"-Inszenierung am Wochenende mehrere filmische Einspieler. Der Altarraum in der evangelischen Stadtkirche ist kaum wiederzuerkennen. Das Filmteam um Regisseur Adnan Köse hat für einen Szenendreh im Gotteshaus hier ein Sammelsurium aus Technik positioniert. Von Florian Langhoff

Zwei Kameras zeigen auf den Innenraum des Gebäudes, wo Schauspieler Dave Kaufmann alleine in einer der Kirchbänke sitzt. Ein Sonnenstrahl bricht durch die bunten Fenster der Kirche und färbt das Gesicht des Darstellers mit einem leuchtenden Rotton. "Das Licht hier ist einfach klasse", schwärmt Adnan Köse.

Akribisch geht der Regisseur, der bereits mehrere Filme auf die große Leinwand gebracht hat ans Werk. Und das, obwohl es hier gar nicht um ein neues Filmprojekt geht, sondern um eine Theaterproduktion. Shakespeares "Othello" will der Dinslakener auf die Bühne bringen und Dave Kaufmann soll in die Rolle des Titelhelden, eines farbigen Feldherrn spielen. Die Filmszene, die Köses Team in der Kirche dreht, soll später im Theaterstück als einer von mehreren Einspielern zu sehen sein. "Das soll keine platte Vorführung werden", erklärt der Regisseur. "Die Übergänge zwischen dem Gezeigten und der Handlung auf der Bühne sollen fließend sein. So wie eine Schnittmontage." Die Einspieler sollen das Innenleben der Figuren zeigen und den tieferen Sinn, der für Adnan Köse hinter der Handlung des Stückes verborgen liegt.

Dave Kaufmann gibt den Othello im Shakespeare-Klassiker. Für einen Filmeinspieler sitzt er in der evangelischen Stadtkirche. FOTO: Büttner, Martin (m-b)

Damit dieser Plan am Ende aufgeht, arbeitet das Team um den Dinslakener Regisseur hochkonzentriert. Mit einem Monitor im Tabletformat kontrolliert Köse die Kameraeinstellungen und die Bewegungen, die das Aufnahmegerät später machen soll. Danach geht es an die Ausleuchtung des Spielortes. Während der Regisseur die Szene plant, sitzt Dave Kaufmann in der Kirchbank und bereitet sich auf die Darstellung vor. Drei Minuten wird er später stillsitzen müssen - Zeit, in der später die Gedanken der Figur aus dem Off zu hören sein sollen. Dann ein Gebet und der Gang aus der Kirche.

Für Kaufmann ist die Titelrolle im Shakespeare-Stück etwas ganz Besonderes. "Ich weiß, dass eigentlich mein Vater hier sitzen sollte", sagt der Sohn des 2012 verstorbenen Schauspielers Günther Kaufmann. "Ich weiß, wie großartig er diese Rolle gespielt hätte. Das setzt mich etwas unter Druck, weil ich möchte, dass er stolz auf mich wäre", sagt der Schauspieler.

Dann geht es los. Die Klappe für die Aufnahme kommt. Köse schaut auf seinen Monitor, Kaufmann blickt leicht an der Kamera vorbei. Nach drei Minuten fängt er an, das "Vaterunser" zu sprechen. Dann steht er auf, kniet sich in den Mittelgang, bekreuzigt sich und marschiert aus der Kirche. Einer der beiden Türflügel schließt nicht richtig. "Das müssen wir noch mal machen", ruft Adnan Köse, nach Lob für seine Techniker und seinen Hauptdarsteller. "Dann sollten wir es im Kasten haben."

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Dinslaken: Zwischen Filmdreh und Theaterstück


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.