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Raphaelshaus in Dormagen
50 Jugendliche feiern Weihnachten im Jugendhilfezentrum

Raphaelshaus in Dormagen: 50 Jugendliche feiern Weihnachten im Jugendhilfezentrum
Der neue Leiter des Raphaelshauses, Marco Gillrath (l.), mit zwei Jugendlichen an der Krippe in der Kapelle des Jugendhilfezentrums. FOTO: Anja Tinter
Dormagen. Rund 50 der 155 Jugendliche des Raphaelshaus bleiben über Weihnachten im Jugendhilfezentrum und feiern gemeinsam. Ihr größter Wunsch ist Normalität.  Von Christine Sommerfeld

Die Krippe in der Kapelle des Raphaelshauses ist schon seit einer knappen Woche fast fertig aufgebaut, Maria und Josef sind auf dem Weg zum Stall. Wenn die Jugendlichen mit ihren Betreuern und den vielen Besuchern aus der Umgebung in der Heiligen Nacht mit Seelsorger Joachim Windolph die Christmette feiern, dann liegt auch das Christkind auf dem Stroh in der Krippe. Den besonderen Zauber dieser Nacht erleben Katholiken, Protestanten, Muslime und auch diejenigen, die sonst eher wenig mit Religion zu tun haben, gemeinsam.

"Wir möchten allen die Werte vermitteln, die hinter der Weihnachtsbotschaft stehen", sagt der neue Leiter der katholischen Einrichtung der Erziehungshilfe, Marco Gillrath. Weihnachten bedeutet mehr als Geschenke auszupacken - obwohl es die im Raphaelshaus natürlich auch gibt, denn: "Die Kinder und Jugendlichen sollen hier so normal wie möglich feiern können", wie Gillrath betont.

Von den 155 Jugendlichen, die im Jugendhilfezentrum leben, fahren rund 100 über die Feiertage nach Hause. Eze (Name von der Redaktion geändert) aus Nigeria gehört zu denjenigen, die im Heim bleiben. Der 18-Jährige freut sich auf Weihnachten im Raphaelshaus: "Ich habe hier viele nette Leute kennengelernt und fühle mich sehr wohl", erzählt er.

Die Freunde und Betreuer aus der Abrahamgruppe, in der unbegleitete minderjährige Flüchtlinge leben, seien nun seine Familie. Ezes Eltern sind tot, hinter ihm liegt eine lebensgefährliche Fahrt im Schlauchboot über das Mittelmeer. Angesichts dieser schlimmen Erfahrungen weiß der fröhliche junge Mann mit den Rasta-Zöpfen das zu schätzen, was er in Deutschland hat: "Hier gibt es Freiheit und Sicherheit. Jeder hat Respekt vor den anderen, das finde ich super. Jeder Mensch braucht Respekt", sagt Eze.

Die Eltern wissen, dass es ihm gut geht

Als Christ sind ihm die Weihnachtsbräuche vertraut, das ist für die Muslime Abo Schadi (15) und Abo Barah (17) aus Syrien (Namen geändert) anders. Doch die drei Jugendlichen vereint eine gemeinsame Geschichte - die Flucht über das Meer. Während Abo Schadis Familie inzwischen in der Türkei lebt, wohnen die Angehörigen von Abo Barah noch im Kriegsgebiet in der Nähe zum Irak. Warum hat er die gefährliche Flucht alleine angetreten? "Es gab nur Geld für einen", antwortet er. Dank Internet und WhatsApp wissen seine Eltern und die kleinen Schwestern aber zumindest, dass es ihm gut geht.

Seit rund zwei Jahren sind Eze, Abo Schadi und Abo Barah nun hier und sprechen alle bereits so gut wie fließend Deutsch. Eze macht eine Ausbildung zum Elektriker, die beiden jungen Syrer besuchen das Bettina-von-Arnim-Gymnasium. Abo Barah gefällt die Schule in Deutschland besser als in Syrien, denn: "Die Lehrer haben hier mehr Interesse an den Schülern." Das deutsche Essen schätzt er dagegen weniger: "Es gibt viel zu oft Kartoffeln", so sein Urteil. Wie gut, dass es mit der Abrahamgruppe dieses Mal zu Weihnachten in ein arabisches Restaurant geht.

Nach der gemeinsamen Weihnachtsfeier am gestrigen Freitag verbringen diejenigen, die im Raphaelshaus bleiben, Heiligabend in ihren Gruppen - am geschmückten Tannenbaum, unter dem für alle Geschenke liegen, bei leckerem Essen und bei gemeinsamen Spielen. "Wir bringen uns gegenseitig Kartenspiele bei und sehen uns auch Weihnachtsfilme an", erzählt Abo Schadi und ergänzt: "Es ist auch sehr schön, dass man Geschenke bekommt." An den Weihnachtstagen stehen dann Unternehmungen wie Restaurant- oder Kinobesuche auf dem Programm.

Mara (14, Name geändert), die schon seit fünf Jahren im Raphaelshaus lebt, freut sich dagegen sehr darauf, zu Weihnachten ihre Familie wiederzusehen: "Heiligabend feiere ich bei Oma, Opa und meinem Vater, am ersten Feiertag bin ich dann bei meiner Mutter", erzählt sie. Vor ihrer Abreise hatte Mara gestern mit dem Kinder- und Jugendchor aber noch einen Auftritt im Gottesdienst für alle Bewohner und Betreuer in der Kapelle des Raphaelshauses - direkt neben der Krippe, in dem das Christkind in der Heiligen Nacht die Weihnachtsbotschaft verkündet.

In dieser Botschaft geht es auch um Geschenke, die das Leben reicher machen. Das bedeutet für den einen, in Freiheit und Sicherheit zu leben, für den anderen die Hoffnung auf Frieden in der Heimat und für wieder andere gemeinsame, fröhliche Stunden am leuchtenden Weihnachtsbaum.

Quelle: NGZ
 
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