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Dormagen
Abiturient unterstützt Flüchtlinge

Dormagen: Abiturient unterstützt Flüchtlinge
Der 20 Jahre alte Lukas ist seit April in der Flüchtlingshilfe aktiv. Rezan (l.) und Ammar unterstützt er auch bei der Wohnungssuche. FOTO: woi
Dormagen. Lukas Fonck hat gerade an der Gesamtschule sein Abi gemacht. Seit April arbeitet er ehrenamtlich im Jugendzentrum "Dreizack" mit Flüchtlingen, vor allem mit Ammar und Rezan. Die beiden Syrer suchen Arbeit und eine Wohnung. Von Anneli Goebels

Die Deutschen essen am liebsten süß und wenig gewürzt. Diese Erfahrung haben Ammar und Rezan schon längst gemacht, aber das ist eine, die sie durchaus verschmerzen können. Anders sieht es da schon aus, wenn es um Arbeit und eine eigene Wohnung geht. Beides bis jetzt Fehlanzeige. Dabei sind sie ständig unterwegs, lesen vor allem Wohnungsanzeigen. Denn die deutsche Sprache beherrschen sie schon ziemlich gut. Bei der Volkshochschule haben sie Sprach- und Integrationskurse gemacht. Seit das Café Grenzenlos im "Dreizack" eröffnet wurde sind sie jede Woche da und büffeln weiter deutsche Vokabeln und Grammatik. Und das gemeinsam mit Lukas Fonck.

Der 20-Jährige hat gerade sein Abitur an der Bertha-von-Suttner-Gesamtschule gemacht. Als Bürgermeister Erik Lierenfeld die Flüchtlingsunterkunft in Nievenheim vorstellte, war Lukas dabei, ebenso Tobias Dirscherl, der Leiter der Jugendeinrichtung. "Als Tobias dort ankündigte, ein Café Grenzenlos eröffnen zu wollen, habe ich mich gemeldet und gesagt, das wollte ich unterstützen", erzählt der Nievenheimer. So lernte er Ammar und Rezan kennen. Ammar ist 21 Jahre, seit November 2015 lebt er mit seinem Bruder in Dormagen, mittlerweile im Welcome-Center an der Kieler Straße. Rezan ist 32 Jahre, er wohnt in der Unterkunft in Nievenheim, mit seiner Mutter sowie seinen Geschwistern. Beide würden gern in eine eigene Wohnung umziehen und vor allem eine Arbeit aufnehmen. Doch bis jetzt ist jeder Bewerbungsversuch - sowohl für das eine als auch für das andere - gescheitert. Auch Lukas ist enttäuscht, sogar wütend, denn bei einer Wohnungsbesichtigung war er dabei. Und was heißt Besichtigung - dazu ist es erst gar nicht gekommen. "Als wir ankamen, hat uns der Vermieter sofort mitgeteilt, dass er nur an deutsche Familien vermietet", sagt der 20-Jährige. Auch Bewerbungen für einen Job haben noch nichts ergeben. Mit einem Minijob wären die beiden schon zufrieden. Rezzan ist gelernter Fenster- und Metallbauer. Beweisen könnte er das nur durch praktische Arbeit, denn irgendwelche Unterlagen hat er nicht. Ammar hat in Syrien als Verkäufer gearbeitet, sein Deutsch ist gut, doch er findet nichts. "Vielleicht versuche ich auch später mein Abitur zu machen und dann eine Ausbildung oder ein Studium", sagt er.

Lukas ist immer wieder erstaunt, mit welchen Reaktionen die beiden fertig werden müssen. Er selbst möchte jetzt zunächst einige Praktika im sozialen Bereich machen und dann nächstes Jahr entscheiden, was er studieren möchte. Weiter engagieren wird er sich in jedem Fall im Café Grenzenlos. Dort gibt er nicht nur neben sechs weiteren Ehrenamtlern Deutsch-Unterricht. Er unterstützt die Flüchtlingen auch bei "Papierkram" oder eben bei der Wohnungssuche. "Ein Makler hat mir gesagt, er meldet sich bei mir, wenn er einen Vermieter gefunden hat, der seine Wohnung an Flüchtlinge gibt", sagt er - und ist nach wie vor erstaunt darüber, wie schwierig das offensichtlich ist.

Quelle: NGZ
 
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