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Dormagen
Als Pate für Flüchtlinge ein Helfer im Alltag

Dormagen. Alfred Laufenberg gehört zu den 18 "Paten", die sich nach einer Informationsveranstaltung der Stadt im Dezember gemeldet hatten, weil sie den Flüchtlingen in Dormagen helfen wollen - und das mit ganz unterschiedlichen Leistungen. Von Anneli Goebels

Gardinen wollte er nicht aufhängen, auch nicht irgendwelche Schränke aufbauen oder als leidenschaftlicher Rad- gar Taxifahrer spielen. Dennoch wollte er helfen. "Uns geht es so gut hier", sagt Alfred Laufenberg, "da war es mir ein Bedürfnis, für andere etwas zu tun, die eben nicht so auf der Sonnenseite des Lebens stehen." Jemandem zu helfen, der in Deutschland Fuß fassen möchte und dafür auch echtes Engagement zeigt, den wollte er unterstützen. Regina Kappeler, Koordinatorin der Stadt für das Patenschafts-Projekt, fand auch gleich jemanden, der "passte": Eva Arshakyan. Die 23-Jährige lebt seit September in einem der städtischen Flüchtlingsheime. Über Moskau war sie gemeinsam mit ihrer Mutter aus Armenien geflohen, nur das Notwendigste im Gepäck.

Im Heim teilt sie sich ein Schlafzimmer mit ihrer Mutter, Küche, Bad und Aufenthaltsraum mit sechs weiteren Asylbewerbern. Eine Situation, die die junge Frau als nicht ganz einfach bezeichnet, doch sie beklagt sich nicht. Ihr Ziel: einen Ausbildungsplatz als Krankenpflegerin zu finden. Dabei wird sie von Alfred Laufenberg, der gemeinsam mit seiner Frau eine Immobilienberatung betreibt, tatkräftig unterstützt. Denn in ihrer Unterkunft hat Eva keinen Computer. Den nutzt sie jetzt mehrmals wöchentlich im Büro der Laufenbergs.

"Sie schreibt Bewerbungen, die ich dann gemeinsam mit ihr durchgehe und korrigiere", sagt Laufenberg. Außerdem übersetze sie ihre Unterlagen. Denn: Die junge Frau hat bereits eine abgeschlossene Berufsausbildung. In Armenien hat sie sowohl im Pflegebereich eines Krankenhauses gearbeitet, als auch in der Verwaltung. Dennoch muss sie in Deutschland eine neue Ausbildung machen.

Vergangene Woche hat sie ihre erste Bewerbung ans Kreiskrankenhaus in Hackenbroich abgeschickt. An der Uniklinik Düsseldorf hat sie sich ebenfalls beworben. Auch wenn ihr Asylverfahren noch nicht abgeschlossen ist, sind Bewerbungen zulässig. Erhält sie eine Zusage, kann sie die Ausbildung auf alle Fälle in Deutschland abschließen.

Deutsch hatte Eva bereits in Armenien ein wenig gelernt. Seit Januar besucht sie drei Mal pro Woche einen Deutsch-Kurs bei der Volkshochschule. Sie versteht nahezu alles, spricht bereits sehr gut. "Sprachen liegen mir, deshalb lerne ich sie auch schnell", sagt die junge Frau, die neben Armenisch und Deutsch auch Französisch, Russisch und Englisch spricht. Und daher hat sie sich selbst auch bei Regina Kappeler gemeldet, um ehrenamtlich für andere Flüchtlinge tätig zu werden. Außerdem möchte sie mobiler werden, und lernt dazu gerade Fahrradfahren. "Das ist gar nicht so einfach", sagt sie und lacht, wenn sie an ihre ersten Versuche auf dem Zweirad denkt. Doch auch dabei wird sie hartnäckig bleiben. Ihre 60 Jahre alte Mutter hat sie jetzt ebenfalls zu einem Deutschkurs angemeldet.

Alfred Laufenberg freut die Zielstrebigkeit seines "Patenkindes". Er ist recht zuversichtlich, dass sie einen Ausbildungsplatz finden wird. "Wenn das mit der Bewerbung nicht klappt, müssen wir zu Plan B wechseln", sagt er. Wie der allerdings aussieht, ist weder ihm noch Eva klar.

Quelle: NGZ
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