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Dormagen
Als TSV-Schwimmer Weltklasse waren

Dormagen. Vor 50 Jahren wurde die Schwimmabteilung des TSV Bayer gegründet. In den 1980er-Jahren waren die Sportler top. Von Klaus D. Schumilas

Günter Beilstein kann sich an das Jahr 1986 gut erinnern. Es war das erfolgreichste, das die Schwimmabteilung des TSV Bayer jemals erlebt hat. "Rolf Beab schwimmt Weltbestzeit über 50 Meter Brust und wird Vierter über 100 Meter bei den Weltmeisterschaften in Madrid, Bert Goebel gewinnt dort Silber mit der deutschen 4x100 Meter-Lagen-Staffel" , erinnert sich das Gründungsmitglied. Das ist lange her, die Erfolge von einst sind verblasst. Gelegenheit, die Erinnerungen aufzufrischen bietet sich am 1./2. Juli während des 24-Stunden-Schwimmens in der Römer-Therme. Dann will die Abteilung ihr 50-jährges Bestehen feiern.

Am 27. Juni vor 50 Jahren gründeten elf Schwimmsportenthusiasten die Abteilung, darunter Beilstein, der gleich als Vorsitzender und Trainer agierte. Damals waren die Trainingsmöglichkeiten bescheiden, "im Hallenbad mussten wir 30 Mark pro Übungsstunde bezahlen", erinnert sich Beilstein. Beharrlichkeit und viele Übungsleiterlehrgänge zahlten sich aus. Dieter Bach unterbot 1968 als erster Dormagener Schwimmer die Minutengrenze über 100 Meter Freistil. Nach und nach häuften sich die guten Platzierungen bei Meisterschaften. Der erste Dormagener, der internationales Niveau erreichte, war Günter Neubert. 1970 gewann er seinen ersten Titel bei Deutschen Jahrgangsmeisterschaften, wurde Mitglied der Nationalmannschaft und nahm an der EM 1974 in Wien teil. Olympia 1976 in Montreal verpasste Polizist Neubert über 400 Meter Lagen nur knapp. Maßgeblicher Motor für den Aufstieg der TSV-Schwimmer in die nationale und internationale Klasse war Trainer Johannes Bergen. Er formte die neue Startgemeinschaft aus TSV Bayer, TG Neuss und Neusser SV mit, die bis 1983 hielt und als SG Neuss-Dormagen in die Bundesliga aufstieg. Aber vor allem führte er mit seinem Sohn Franz junge Leute in die Spitze: Thomas Buchholz, Stephan Güsgen, Jürgen Korzen, Achim Halpaap.

Das herausragende Stück Abteilungsgeschichte wurde in der Zeit von 1984 bis 1988 geschrieben. 1984 gewinnt Brust-Spezialist Rolf Beab über 100 Meter den Europa-Cup in Bergen, zwei Jahre später verfehlt er auf dieser Strecke in 1:00,3 Minuten nur hauchdünn die Minuten-Schallmauer - aber Weltbestzeit. Bei der EM 1985 in Sofia holt Beab in der Lagen-Staffel Gold und Silber im Einzel. Beim Europacup lieferten die Dormagener Beab, Buchholz, Goebel sowie Ute Hasse, Birgit Schulz und Ralf Diegel fast ein Drittel der Punkte für das siegreiche deutsche Team. Mit fünf Teilnehmer (Stephan Güsgen als Sechster wurde trotz Qualifikation ausgeladen) war der TSV bei den Weltmeisterschaften 1986 der am stärksten vertretene Verein. Die Krönung in dieser Zeit war die Olympia-Teilnahme von Güsgen (vorher Europarekord über 50 Meter Schmetterling) 1988 in Seoul, wo er 14. wurde. Zur Krönung dieser Zeit steuerten die Frauen den Aufstieg in die Schwimm-Bundesliga bei. Namen aus dieser Zeit sind Barbara Kühling, Britta Schumacher, Kerstin Badel, Franca Fischer, Nicole Czech, Daphne Fuchs oder Elke Schmitz. 1989 nahm Franz Bergen seinen Abschied, Andreas Paeck wurde der dritte maßgebliche Trainer des TSV. Spitzenleistungen gelangen zuletzt nur Christoph Hildebrandt, der sich vor zwei Jahren für die Olympischen Spiele in London qualifizierte, der jetzt für Saarbrücken schwimmt. Nach dem personellen Umbruch versucht sich die Abteilung neu zu positionieren. Annette Dannemann sieht sie gut aufgestellt: "Wir treiben Wettkampf-, aber keinen Hochleistungssport", sagt sie. Drei Wettkampfteams sind im Einsatz, es gibt ein Teilinternat, dazu wird viel im Breitensport getan. "Wir haben 700 Mitglieder, sind damit zweistärkste Abteilung beim TSV", so Danneberg. Ob es viel mehr wird, ist fraglich. Der plötzliche Tod von Trainer Andreas Paeck 2006 "war für uns ein einschneidendes Ereignis."

Quelle: NGZ
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