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Dormagen
Auf der Suche nach Zipfelmützen

Dormagen. Am ersten "Sieben Zwergetag" trugen nur wenige Gäste rote Kopfbedeckungen. Von Franziska Gräfe

Ein rotes Sommerkleid muss reichen, hatte ich gedacht. Und mir den Abstieg in den Keller, die ziellose Suche in Kisten nach der achtlos abgelegten Weihnachtsmann-Mütze geschenkt. Als ich im Kreismuseum stehe, beglückwünsche ich mich zu dieser Entscheidung. Denn außer mir und meiner dreijährigen Begleitung scheint kein anderer Besucher zu wissen, dass heute jeder mit zwergentypischer Kopfbedeckung freien Eintritt genießt.

Eine spaßige Idee vom Kreativ-Team des Museums, Angelika Riemann und Anna-Karina Hahn, auf dass sich die Besucher den Exponaten der frisch eröffneten Ausstellung "Der Gartenzwerg" annähern. Zipfelmützen sehe ich nirgends, ebenso wenig rot gekleidete Menschen, die so am Sonntag einen Euro Eintritt sparen könnten.

Maximilian (3), der sich augenblicklich in den Batman-Gartenzwerg verliebt, ist in sein schon ausgemustertes rotes Austria-Shirt geschlüpft. Irmgard Viertelhausen und Hermann Remus wissen nichts vom Zipfelmützentag. Beide begucken sich intensiv eine Zwergenkapelle in der Vitrine. "Die würde ich gerne mit nach Hause nehmen", seufzt sie. Die beiden Mönchengladbacher suchen nach einem Gartenzwerg, "aber eben der klassische mit der roten Mütze, nicht so ein Müll aus dem Baumarkt", betont er. Das Paar zieht mit neuem Reiseziel von dannen: Im thüringischen Gräfenroda, so lehrt ein Film in der Ausstellung, werden Gartenzwerge mit roter Zipfelmütze noch in einer Manufaktur gefertigt. "Wenn wir das nächste Mal nach Dresden fahren, schaue ich da vorbei", so Remus.

Auch Christel Sommerfeld trägt keine Zipfelmütze. "Wir sind mit der Fähre gekommen und radeln gleich weiter nach Nievenheim", verrät sie. Bis Langenfeld, wo sie lebt, ist die Kunde vom Zipfelmützentag nicht gedrungen - und Max ist das Warten langsam leid. "Kommen gleich echte Zwerge?", fragt er ungeduldig. "Ich fürchte nein", sage ich und stelle ihn mit einem der zauberhaften Wichtel-Bücher von Fritz Baumgarten, die zur Lektüre ausliegen, weitere zehn Minuten ruhig.

Doch dann endlich etwas Rotes: Helmut und Angelika Pika lächeln freundlich. Das Ehepaar aus Wülfrath hat im Internet vom Zipfelmützentag erfahren und sich immerhin "obenrum" rot angetan. Es beherbergt nur "drei alte Plastikzwerge", das Interesse geht aber tiefer, sagt sie: "Die Zwergenfamilie ist richtig groß, wenn man die norwegischen Trolle und die Kölner Heinzelmännchen noch dazu zählt." Fazit: Zipfelmützen habe ich heute nur in der Vitrine gesehen. Und Zwerge tragen nicht immer rot. Wir haben jetzt einen Zuhause - und der ist gelb.

Quelle: NGZ
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