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Daniela Boltres
Ausstellung als Schnappschuss des Lebens

Dormagen. Künstlerin zeigt in Ausstellung ab Mittwoch bis November Texte von Migranten auf Lkw-Planen.

Dormagen Die Wanderausstellung "Wer versteht das schon?" wird im Rahmen der "Interkulturellen Woche" in der Stadtbibliothek gezeigt. Die Künstlerin Daniela Boltres hat Migranten dazu eingeladen, Gedichte über ihr Schicksal zu schreiben. Die Texte druckte sie auf Lkw-Planen.

Was verbirgt sich hinter dem Ausstellungsprojek?

Boltres Die Ausstellung versteht sich als ein Schnappschuss von Menschen in einer bestimmten Lebensphase. Die Migranten schreiben in ihrer Muttersprache Gedichte über ihr Leben. Erst wenn wir die Übersetzung lesen, können wir uns den Menschen annähern. Und diese Annäherung, das Verstehen, ist ein langer Prozess.

Welche Menschen haben Sie dafür gewinnen können?

Boltres Es sind Akademiker und Studierende aus aller Welt darunter, ebenso Geflüchtete, die in den letzten Jahren in Mecklenburg-Vorpommern gelebt haben.

Hat Ihre eigene Biographie Sie zu diesem Projekt animiert?

Boltres Ja, ich bin mehrsprachig aufgewachsen und habe als Spätaussiedlerin selbst diesen Zwiespalt erlebt, zwischen verschiedenen Kulturen hin- und hergerissen zu sein. Das war ein großes Thema in meiner Kernfamilie. Bei meiner Arbeit mit Migranten habe ich dann erfahren, dass sie sich in ihrer Muttersprache viel authentischer präsentieren können. Wechseln sie aber in eine ihnen fremde Sprache, bleibt lange Zeit ein großer Teil ihrer Persönlichkeit nicht sichtbar. Das habe ich selber auch so erlebt, als ich aus Rumänien nach Deutschland kam, obwohl ich schon Deutsch konnte.

Ein Gedicht von Flüchtlingen hat eine andere Wirkung als ein Foto, das Flüchtlinge zeigt.

Boltres Ja, das stimmt. Ein Gedicht erfordert viel mehr Zeit, um sich mit dem Menschen auseinanderzusetzen. Das ist manchmal anstrengend. Und es gibt auch Dinge, die man nicht verstehen kann, und die sich einem nicht erschließen.

Warum drucken Sie die Texte auf Lkw-Planen?

Boltres Das hat zunächst praktische Gründe. Ich möchte, dass die Planen bei Veranstaltungen draußen gezeigt werden können. Mit ihrem aufgedruckten goldenen Barockrahmen, in den die Gedichte eingefasst sind, können sie aber auch in einen galerieähnlichen Innenraum einziehen.

Sie sind Künstlerin und Sprachaktivistin. Was heißt das?

Boltres (lacht) Diese Bezeichnung stammt nicht von mir, sondern wurde mir von anderen verliehen. Sie rührt daher, dass ich in verschiedenen Projekten arbeite, in denen es um Sprache geht.

Dormagen spielte in Ihrem Leben auch eine Rolle?

Boltres Eine große sogar! Ich bin mit 16 Jahren von Rumänien nach Dormagen ausgesiedelt und habe das Gymnasium in Hackenbroich besucht, das mich sehr unterstützt. Das waren prägende Jahre für mich.

DAS GESPRÄCH FÜHRTE MARION LISKEN-PRUSS.

Quelle: NGZ
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