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Leibniz-Gymnasium in Dormagen
Das sagt der Bäckerei-Besitzer zu den Rassismus-Vorwürfen

Bäcker Werner Meuser zu Rassismus-Vorwürfen des Leibniz-Gymnasium
Werner Meuser wehrt sich gegen die Rassismus-Vorwürfe, die die Schüler des Leibniz-Gymnasiums gegen ihn erheben. FOTO: Georg Salzburg
Dormagen. Das Dormagener Leibniz-Gymnasium kündigt die Zusammenarbeit mit einem Brötchen-Lieferanten. Dem Geschäftsführer Werner Meuser wirft es vor, auf Facebook gegen Flüchtlinge gehetzt zu haben. Jetzt meldet sich der Beschuldigte zu Wort. Von Klaus Schumilas

Werner Meuser (52) ist Besitzer der Nievenheimer Bäckerei-Besitzer und praktizierender Tierarzt. Er wehrt sich gegen die Vorwürfe der Schüler des Leibniz-Gymnasiums. Unsere Redaktion hat ihn am Tag nach den Protesten zum Gespräch getroffen. 

Herr Meuser, bei Facebook schreiben Sie zum Beispiel "Wenn die Afrikaner uns überrennen, ist das anscheinend gut. Gut für die Ausrottung der eigenen Rasse…". Wundert Sie angesichts solcher Thesen und der Wortwahl, die an den Nationalsozialismus erinnert, die Reaktion der Schüler des Leibniz-Gymnasiums?

Werner Meuser Ich habe schon diese Angst, wenn es keinen Stopp des Flüchtlingsstroms gibt. Das hätte zur Folge, dass wir hier in Alt-Nievenheim einen Anteil von zehn Prozent Flüchtlingen hätten, davon 75 Prozent Männer. Mit normalen rechtlichen Mitteln findet man ja kein Gehör. Meine Facebook-Posts kamen aus der Angst heraus, dass wir in Deutschland überrannt werden.

Und die Reaktion der Schüler…?

Meuser Ich bin angeschlagen wie ein krankes Kaninchen! Die Schüler hätten ja mal im Vorfeld mit mir reden und mich warnen können.

Wie werden Sie auf die mit Rassismus-Vorwürfen begründete Kündigung der Geschäftsbeziehung mit dem Mensa-Betreiber reagieren?

Meuser Ich würde gerne das Gespräch suchen, aber ich weiß nicht ob das etwas bringt. Ich bin kein Rassist. Ich habe in meinem Betrieb auch Ausländer angestellt.

Was halten Sie von dem Projekt "Schule gegen Rassismus" am Leibniz-Gymnasium?

Meuser Ich finde so etwas grundsätzlich gut.

Befürchten Sie durch die Aufkündigung der Brötchen-Lieferung an die Schule samt Begründung einen Imageschaden für sich, ihren Betrieb oder ihre Mitarbeiter?

Meuser Auf jeden Fall. Ich habe nicht erwartet, dass dies solch hohe Wellen schlägt. Es könnte auch zu Entlassungen kommen. Ich werde nicht mehr so etwas posten.

Eigentlich geht es Ihnen doch gut: erfolgreicher Bäcker und Geschäftsführer, studierter Volkswirt und heute praktizierender Tierarzt. Warum bereiten Ihnen Flüchtlinge, die in Dormagen einen Anteil von weniger als zwei Prozent der Einwohner ausmachen, Sorgen?

Meuser Weil kein Ende absehbar war. Die Flüchtlinge müssen ja auch ordentlich versorgt und vernünftig untergebracht werden.

Haben Sie persönlich schlechte Erfahrungen mit Flüchtlingen bzw. Menschen mit Migrationshintergrund gemacht?

Meuser Ja, das habe ich. Als auf dem Feld in der Nähe ein Mädchen um Hilfe bat, weil ihr Handy gestohlen würde. Da bin ich selbst attackiert worden.

Sind oder waren Sie in der Vergangenheit parteipolitisch aktiv?

Meuser Nein, nie.

Sie posten bei Facebook viele Inhalte der AfD. Was macht die AfD für Sie attraktiv?

Meuser Ich poste auch Inhalte von der CSU oder FDP. Ich habe keine Nähe zur AFD, ich bin vielmehr FDP-orientiert.

Was werfen Sie der lokalen Politik beim Flüchtlingsthema vor?

Meuser Mittlerweile gar nichts mehr, weil die Situation jetzt wesentlich geordneter ist. Ich bin vom Bürgermeister überzeugt (SPD, Anm. d. Red.), der macht bei dem Thema eine gute Arbeit.

Das Gespräch führte Klaus Schumilas

Die Gegenposition: Hier lesen Sie das Interview mit den Schülern des Leibniz-Gymnasiums in Dormagen. 

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