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Dormagen
Barock-Oboe verzaubert Zuhörer in Christuskirche

Dormagen. Die "Reihe 8" in der evangelischen Christuskirche hat sich längst zu einem Highlight der Dormagener Kultur entwickelt. Einst von Christuskirchenkantor Christian Stähr initiiert, wird sie heute von seiner Nachfolgerin Christine Marx gepflegt. Den hohen Stellenwert dieser außerordentlich günstigen - weil freier Eintritt - Konzertreihe belegt die schöne Tatsache, dass hochkarätige Künstler für diese Konzerte jeweils am 8. eines Monats den Weg nach Dormagen finden. Von Hansgeorg Marzinkowski

So jetzt nicht zum ersten Mal Karla Schröter aus Köln, hochangesehene Barockoboistin und Gründerin des Barockensembles "Concert Royal", das in Dormagen nahezu heimisch ist, unter anderem beim Festival Alte Musik oder zuletzt am Karfreitag in der Basilika Knechtsteden bei einer Bach-Passion der Dormagener Kantorei. Jetzt bot sie in Dormagen "Musik aus sächsischen Schlosskirchen", zusammen mit ihrem Partner Willi Kronenberg (Orgel). Das barocke Blasinstrument klang geradezu durchdringend bei einigen Fantasien des Bach-Zeitgenossen Johann Ludwig Krebs.

Im frühen 18. Jahrhundert war die Oboe, gerade mal erfunden, das bevorzugte Soloinstrument. Gottfried August Homilius gab ihr bei Chorälen mit reich verziertem Orgelspiel den Cantus firmus des Chorals. Karla Schröter nutzte den volumenreichen Ton ihres historischen Instrumentes zu wechselhafter Dynamik, das konnte die Orgel naturgemäß so nicht mitmachen. Aber auch in feinsinniger Ornamentik bot Karla Schröter große Klasse, etwa in den Konzerten für Oboe und obligate Orgel von Johann Wilhelm Hertel aus dem 18. Jahrhundert. Das erfreute besonders im absolut perfekten Zusammenspiel mit der Orgel bei seinem Schlusssatz "Allegro" der "Partita C-Dur". Mit vielen Verzierungen versehen war auch der wunderbare Choral "Nun danket alle Gott" in einer schönen Bearbeitung von Christian Gotthilf Tag, bis 1808 evangelischer Kantor im sächsischen Hohenstein.

Willi Kronenberg begleitete sein Partnerin an der Orgel vollkommen souverän und nutzte das Registerpotenzial zu farbenreichen Nuancierungen. Mit zwei Orgelsolo-Werken konnte er hingegen nicht überzeugen. Bachs "Präludium und Fuge C-Dur" (BWV 547) war zwar notengetreu perfekt, aber sein Interpretationsstil mit viel zu massivem Pedal im Präludium und merkwürdiger non legato-Spielweise ließ den großen Bogen vermissen. Aber immerhin: So hatte man diesen Bach noch nicht gehört!

Quelle: NGZ
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