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Dormagen
Bei Herzproblemen zählt jede Minute

Dormagen. Woran man einen Herzinfarkt erkennt, darüber informierten fünf Experten bei einem Herz-Seminar in der Aula des BvA-Gymnasiums. Je schneller ein Infarkt behandelt wird, desto geringer sind die Schäden am Herzmuskel. Von Marion Lisken-Pruss

Bei einem Herzinfarkt gilt die Faustformel "Zeit gleich Muskel gleich Leben". Das heißt: Je früher der Herzinfarkt behandelt wird, desto mehr Muskelgewebe kann gerettet werden und desto leistungsfähiger bleibt das Herz. Wie die koronare Herzkrankheit (KHK) entsteht, woran man einen Herzinfarkt erkennen kann und wie er behandelt wird, das erläuterten fünf Experten vor rund 150 Zuhörern, die zum Herz-Seminar in die Aula des Bettina-von-Arnim-Gymnasiums gekommen waren.

Die Deutsche Herzstiftung hat die koronare Herzkrankheit zum Thema der diesjährigen Herzwochen erhoben, und die Redaktion unserer Zeitung beteiligt sich an der bundesweiten Aufklärungskampagne. Moderiert wurde die Expertenrunde von Ruth Wiedner, Redakteurin unserer Zeitung.

"Das Herz-Seminar ist eine wichtige Institution, denn nur, wer informiert ist, weiß im Falle eines Herzinfarkts, was zu tun ist", sagte der stellvertretende Dormagener Bürgermeister Hans Sturm in seinem Grußwort. Warum die koronare Herzkrankheit zu einem Herzinfarkt führen kann, erläuterte Dr. Torsten Becker, leitender Arzt am Lukaskrankenhaus in Neuss: "In den Koronargefäßen, die das Herz mit Sauerstoff versorgen, lagern sich über Jahre hinweg sogenannte Plaques ab und verengen sie. Bricht eine Plaque auf, kann sich das Blutgefäß vollständig verschließen." Die Folge: Ein Herzinfarkt. Der geht mit Alarmzeichen einher - mit Schmerzen im Brustkorb, Atemnot oder mit kaltem Schweiß. Bei Frauen sind manchmal Schmerzen im Oberbauch und Brechreiz alleinige der Warnzeichen.

"Wählen Sie bei den ersten Anzeichen sofort die Telefonnummer 112 - auch nachts und am Wochenende", riet Marc Zellerhoff, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes im Rhein-Kreis Neuss. Denn Zeit und eine schnelle Reaktion können Leben retten. Um den Blutfluss wieder herzustellen, wird das verstopfte Gefäß mit einem Ballonkatheter geöffnet und mit einem Stent gestützt. "Das ist nur innerhalb der ersten 120 Minuten nach einem Infarkt erfolgreich möglich. Nur dann stehen die Chancen gut, dass die Schäden am Herzmuskel gering bleiben", betonte Dr. Carlos Correia de Freitas, Oberarzt am Neusser Lukaskrankenhaus.

Und die Zeit läuft, sobald die ersten Symptome auftreten. Der Notarzt funkt das EKG des Patienten aus dem Rettungswagen heraus an das aufnehmende Krankenhaus, wo schon alles für das Herzkatheter-Labor vorbereitet wird. Aufhalten kann man eine KHK nicht. "Aber ihren Verlauf können Sie günstig beeinflussen", sagte Dr. Matthias Breise, niedergelassener Kardiologe in Dormagen: Durch regelmäßige Bewegung, Stressabbau, Medikamente und eine mediterrane Ernährung. Damit sei keine Pizza gemeint, verdeutlichte er, sondern viel Gemüse, Obst, Fisch und wenig Fleisch. Und: "Wer das Rauchen aufgibt, halbiert sein Herzinfarkt-Risiko", informierte der Kardiologe weiter.

In der abschließenden Fragerunde standen insbesondere Medikamente und ihre Nebenwirkungen im Mittelpunkt. "Ich habe viel gelernt", bedankte sich ein Besucher bei den Experten. Damit die Zuhörer auch ihre Scheu vor einem Rettungswagen verlieren, hatte Marc Zellerhoff einen RTW mitgebracht und ihn für die Anwesenden auf dem Schulhof geöffnet.

Quelle: NGZ
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