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Dormagen
Bester Amateurjockey macht sein Abi am NGK

Dormagen. Vinzenz Schiergen (18) wurde das Talent in die Wiege gelegt: Vater Peter gelangen als Jockey und Trainer jeweils über 1400 Siege. Von Franziska Gräfe

Heute Nachmittag steigt Vinzenz Schiergen in den Sattel, um mit Ebeltoft und High Prince auf der Dortmunder Sandbahn als Erster über die Ziellinie zu galoppieren. Knapp 2000 Meter, gut zwei Minuten Adrenalin pur. "Die Verbindung zwischen Mensch und Pferd ist etwas Besonderes", sagt der 18-Jährige, "jedes Pferd muss anders geritten werden". Nur wenige Minuten bleiben ihm vor jedem Rennen, um das Pferd, auf dem er starten wird, kennenzulernen. Vinzenz Schiergen ist amtierender deutscher Amateur Champion und eines der großen deutschen Jockey-Talente. Nebenbei baut er in diesem Jahr sein Abitur am Norbert-Gymnasium in Knechtsteden.

500 Rennen hat er in den vergangenen drei Jahren absolviert, dabei weit mehr als jene 50 Siege geholt, die er bräuchte, um danach eine Ausbildung zum Jockey zu beginnen. Und damit Vater Peter zu folgen, der in den Neunziger Jahren zu den erfolgreichsten Jockeys im Land gehörte. Schiergen Senior ist heute Trainer an der Jockeyschule in Köln und verantwortlich für den erfolgreichen Stall Asterblüte, aber der Junior wird aller Voraussicht nach nicht dort die Schulbank drücken. Vinzenz will ab Herbst Bauingenieurwesen in Aachen studieren. Eine Kopfentscheidung, das merkt man dem ernsthaften jungen Mann an, der in wohlüberlegten Sätzen über seine Zukunft spricht. "Ich könnte als Jockey arbeiten, aber auf Dauer würde es nicht gehen", weiß er. Mit 1,74 Meter Größe und 56 Kilogramm Körpergewicht gehört Vinzenz zu den Größeren in seiner Zunft. 55 Kilogramm sind die Gewichtsgrenze für einen Berufs-Rennreiter, "ich müsste also jeden Tag in Schwitzsachen Laufen gehen, um mein Gewicht zu erreichen". Viel Schweiß und Anstrengung, um in einem Geschäft zu brillieren, das in Deutschland vergleichsweise wenig Beachtung findet. "In England und Frankreich erfährt der Pferdesport eine ganz andere Wertschätzung, auch Katar ist dabei, sich ein Rennsport-Imperium aufzubauen", erzählt der 18-Jährige, der die internationale Rennszene schon kennengelernt hat.

Seine beiden Amateur Champion-Titel 2014 und 2015 brachten ihm zwei Mal die Startberechtigung bei der Fegentri-Weltmeisterschaft ein, der Weltmeisterschaft für Amateurreiter im Galoppsport. 2014 belegte Vinzenz unter den Jockeys aus 25 Ländern einen ausgezeichneten dritten Platz. Im vergangenen Jahr bremste ihn im Juni ein schwerer Unfall aus. Vinzenz rutschte mit dem Sattel vom Pferd und wurde von dessen Huf am Kopf getroffen. Vier Monate Pause und Reha ließen den Schädelbasisbruch ausheilen, machten aber jede Chance auf eine gute WM-Platzierung zunichte.

Am 13. Februar starten die weltbesten Amateure in Südfrankreich erneut zum ersten von 20 internationalen Rennen, um den Meister 2016 unter sich auszumachen. Vinzenz Schiergen will bei möglichst jedem Rennen dabei sein. "Na ja, falls der Termin mit einer Abiklausur kollidiert, werde ich schon zur Klausur gehen", lacht der sportliche Schüler.

Quelle: NGZ
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