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Dormagen
Bossi bietet Mischung aus Liedern und Anekdoten

Dormagen. Kabarettist plaudert beim Forum Knechtsteden über Internet, Handwerker im Haus und die Pannen beim Traumurlaub. Von Hansgeorg Marzinkowski

Olaf Bossi passt einfach in keine Comedy- oder Kabarett-Schublade. Der 1971 in Stuttgart geborene Sohn italienischer Eltern hat einen ganz eigenen zumeist bitterbösen Stil zwischen Wort und Musik entwickelt, bei dem einem zumeist das Lachen im Halse stecken bleibt. Das erlebte jetzt auch das Publikum beim Forum Knechtsteden in der Aula des Norbert-Gymnasiums. Eingeladen hatte ihn das Forum, weil der Stuttgarter in den vergangenen Jahren gleich reihenweise Kleinkunstpreise eingeheimst hatte, so auch 2015, und zwar den Förderpreis des Landes Baden-Württemberg.

Mit einer Mischung aus Liedern und Anekdoten gelang es ihm, das Publikum emotional mitzunehmen. Dabei fragt man sich unwillkürlich: Erzählt er jetzt aus seinem oder meinem Leben? Vor allem aber schaut er dahin, wo das Leben nicht schön ist. Eine Satire über das Gesundheitswesen hat Hüfte im Angebot und endet mit der Feststellung "Meine finanzielle Lage geht mir langsam an die Nieren." Bis auf wenige überleitende Anekdoten singt er die meisten Lieder zur Gitarre mit seinem angenehmen Bariton. Irgendwie klingen bis auf die Texte die Sprechgesänge alle ziemlich gleich, melodiöse Ausschweifungen sind nicht Bossis Metier.

Aber ausgerechnet bei einem der bösesten Lieder über Banker hat der Refrain melodischen Swing. Viele Songs behandeln das Internet und den Computermenschen. Das verraten schon Titel wie "Musik mit Hertz", "programmiert", "laptop in jamaica" oder "Kleine Maus 2.0". Der Song "00101" steht in der Computersprache für "Ich liebe dich", kann aber auch der Code für "E"(ecstasy) sein.

Erst nach der Pause werden Alltagssorgen Programm. Natürlich sind die "Handwerker im Haus" und alles nur Erdenkbare passiert. Übrig bleibt, wie sollte es anders sein, eine Ruine. Das ist übrigens eine Schwäche einiger Texte, dass Olaf Bossi viel zu viel hineinpackt. Natürlich geht der "Traumurlaub" so was von schief, bis hin zu Verdauungsproblemen, die "Spuren im Sand" hinterlassen. "Glücklich wie ein Klaus" heißt der Abend, der auch hinterfragt: "Was macht man mit Freunden, die man nicht mag?" Der Kabarettist outet sich erst in den Zugaben. Dabei begeisterte das Publikum ein "Schlaflied", in dem nach gefühlten 17 Strophen das Kind mit großen Augen in den Morgen schaut. Die originellen Texte begleitet Olaf Bossi dabei erstmals mit einer verzweifelt umwerfenden Mimik.

Quelle: NGZ
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