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Dormagen
Brautvater auf emotionaler Achterbahnfahrt

Dormagen. Gerade mal 20 ist das Töchterlein und dass es zum Heiraten noch viel zu früh ist, weiß niemand besser als ihr fürsorglicher Papa. Pech nur, dass seine Meinung nicht mehr gefragt und der Hochzeitstag unweigerlich angebrochen ist. Bei den Vorbereitungen steht er nur im Wege, so dass er sich auf den Dachboden verzieht: Schließlich ist ja noch des Brautvaters Rede auszuarbeiten.

Auf dieser Ausgangslage nimmt die neue Komödie "Der Vater der Braut" von Sabine Misiorny und Tom Müller ihren Lauf, die jetzt im Kammertheater ihre "Welturaufführung" hatte und vom Publikum mit lang anhaltendem Applaus gefeiert wurde.

Der 90-minütige Monolog von Tom Müller (Sabine Misiorny führte Regie) schildert eine emotionale Achterbahnfahrt, die es wahrlich in sich hat. Innerlich restlos verwüstet, nutzt der von Müller gespielte Hans-Georg Fröhlich die wenigen Stunden, die ihm vor der Trauung noch bleiben, dazu, sein Gefühlsleben zu sortieren. Was ihm zunächst kaum gelingen will: Ein Standbild von Robbie Williams und andere auf den Speicher verfrachtete Spielsachen seiner stets nur "Ninni" genannten Tochter Janina dienen ihm als "Ansprechpartner" und rufen viele Erinnerungen wach. Die belegen natürlich samt und sonders, dass der eifersüchtige Papa eben nie so richtig realisiert hat, dass seine "Prinzessin" inzwischen erwachsen ist und er selbst emotional der Gegenwart gut 15 Jahre hinterherhinkt.

Der Versuch, sich mit der Rolle des Brautvaters anzufreunden, gelingt zum großen Vergnügen der Zuschauer nur zaghaft. Ein Highlight der Ein-Mann-Komödie ist die Drohrede an seinen (abwesenden) Schwiegersohn in spe, die diesem geradezu Unmögliches auferlegt: "Du wirst ihr jeden Tag eurer Ehe, also jeden Tag deines verdammten Lebens die Welt zu Füßen legen", bricht es aus dem Vater der Braut fast schon im Stil eines Don Corleone heraus

Die seelische "Reifung" des wutentbrannten Brautvaters beginnt ausgerechnet mit der Nachricht, dass die Hochzeit ausfällt und "Ninni" die Flucht ergriffen hat. Im zweiten Akt vergegenwärtigt er sich die bisherigen Freunde seiner Tochter und freundet sich langsam mit dem Gedanken an, dass "Ralf-Armin Lachnicht" ungeachtet seines ein wenig merkwürdigen Namens doch das vergleichsweise kleinste Übel sein könnte. Ein bisschen infantil bleibt der gute Hans-Georg dabei immer noch, muss doch Spielzeug-Affe "Coco" ihn als "Dialogpartner" auf die richtige Spur setzen.

Weitere Termine: 16. und 17. Oktober, 6. und 7. November, Beginn stets 19.30 Uhr im Kammertheater.

(S.M.)
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