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Rassismus-Debatte in Dormagen
Bürgermeister schaltet sich in Bäcker-Streit ein

Rassismus-Debatte in Dormagen: Bürgermeister schaltet sich in Bäcker-Streit ein
Die Dormagener Schüler wollen sich gegen Rassismus einsetzen. FOTO: Klaus Schumilas kds
Dormagen. Die Streit zwischen den Schülern des Leibniz-Gymnasiums und Bäckereibetreiber Werner Meuser hat auch in sozialen Netzwerken heftige Diskussionen ausgelöst. Nun meldet sich auch Bürgermeister Erik Lierenfeld (SPD) zu Wort. Von Philipp Stempel

Das städtische Leibniz-Gymnasium hatte seinem Brötchen-Lieferanten gekündigt, weil dessen Geschäftsführer sich bei Facebook kritisch über Flüchtlinge geäußert hatte. Eine Neuntklässlerin hatte die Einträge Meusers entdeckt und als als ausländerfeindlich und rassistisch eingestuft. Das Mädchen wandte sich an die Schülervertretung (SV), die das Thema sofort aufgriff und weitertrug, nicht zuletzt, weil das Gymnasium den Titel "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" trägt. Meuser sah sich zu Unrecht beschuldigt. Er sei kein Rassist, aber habe Angst.

NS-Vergleiche von allen Seiten

Nach ersten Berichten über die Entscheidung des Fördervereins, die Zusammenarbeit mit dem Brötchenlieferanten zu beenden, schlug der Fall hohe Wellen. Bei Facebook und auch in den Kommentarspalten der Berichte unserer Redaktion attackierten sich Gegner und Befürworter der Entscheidung heftig. Die einen sahen sich durch den Fall an den Boykott von jüdischen Händlern zu Beginn der Nazi-Diktatur erinnert und beschimpften die Schüler als "von links ideologisierten Lehrern indoktrinierte Gören". Die anderen rückten den Bäcker in die Nähe von Nazis und warfen ihm ebenfalls Rassismus vor.

Am Sonntagabend versuchte nun Bürgermeister Erik Lierenfeld, die Wogen zu glätten und appelliert an die Streithähne, die persönliche Diskussion miteinander zu suchen. "KOMMT RUNTER!", schreibt er in Großbuchstaben in einem Posting bei Facebook. Was er hier sehe, sei erschreckend.

Erik Lierenfeld (SPD) ist seit 2014 Bürgermeister von Dormagen. FOTO: Stadt

Vier Argumente

In vier Punkten stellt er klar, worum es ihm geht. Einerseits begrüßt er die Entscheidung Meusers, seine umstrittenen Einträge zu löschen. Offensichtlich habe der eingesehen, dass damit Grenzen überschritten habe. Scharfe Kritik übt er an den Vergleichen von Schülern und NS-Propaganda gegen Juden. Dies sei "ABSOLUT inakzeptabel".

Bitte bis zum Ende lesen, bevor man kommentiert!Liebe Facebook-Freunde. Ich war am Wochenende viel unterwegs. Daher...

Posted by Erik Lierenfeld on  Sonntag, 20. März 2016

Für die Schüler findet er hingegen ausdrückliches Lob. Die hätten sich mit dem Fall beschäftigt, darüber diskutiert und für sich die Entscheidung getroffen, den Vertrag zu beenden, nicht aber zum Boykott aufgerufen. Allein deswegen seien Vergleiche mit der NS-Zeit nicht angebracht.

In seinem letzten Punkt geht Lierenfeld auf die Diskussionskultur bei Facebook ein. In seinen Augen eignet sich die Plattform nicht für derartig schwierige Auseinandersetzungen. Dies gehe nur in persönlichem Miteinander. "Streitkultur statt Niederschreien! Zurückhaltung statt aufbauschen! " schreibt der Bürgermeister zum Abschluss seiner Wortmeldung. "Allen einen schönen Rest-Sonntag!"

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