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Dormagen
Covestro feiert neuen Rohstoff

Dormagen: Covestro feiert neuen Rohstoff
Bis zu 20 Prozent CO2 verbaut Covestro in der neuen Anlage in Dormagen in einem Vorprodukt von Polyurethan-Weichschaum. Kernstück ist ein speziell angefertigter Reaktor. FOTO: Covestro
Dormagen. Das Unternehmen eröffnete im Chempark eine neue, 15 Millionen Euro teure und deutschlandweit einzigartige Produktionsanlage. In der wird Kohlendioxid für die Herstellung von Kunststoff genutzt und so Erdöl gespart. Von Klaus D. Schumilas

Als Vorstandsvorsitzender Patrick Thomas im Zusammenspiel mit einem Mitarbeiter im Werk via Bildschirm die neue Produktionsanlage von Covestro zur Herstellung von Kunststoff aus CO2 eröffnete, da waren die rund 150 Gäste aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik bereits bestens im Thema, um was es eigentlich konkret geht. Denn das "Scharlatan-Theater" aus Hamburg hatte zuvor in drei kleinen Inszenierungen als "CO2-Ensemble" für eine ungewöhnliche, witzig-kreative "Übersetzung" der komplizierten Materie gesorgt. Die überragende Bedeutung dieser neuen Anlage betonte Thomas Rachel, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung: "Es ist die erste Anlage dieser Art in Deutschland." Eine Anlage, die erstmals in industriellem Maßstab Kohlendioxid in der Kunststoff-Herstellung einsetzt und so einen Anteil von 20 Prozent Erdöl einspart. 15 Millionen Euro hat Covestro, das bis zum vergangenen Jahr noch als Bayer MaterialScience firmierte, in diese Anlage investiert, in der jährlich 5000 Tonnen produziert werden sollen.

Den weiten Weg hin zu diesem Forschungserfolg erzählte das "Scharlatan-Theater" so, dass deutlich wurde, dass neues Denken, Veränderung, Wagemut und Kreativität notwendig waren, um dieses Ziel zu erreichen. Denn, so sagte Patrick Thomas, das "unpopuläre Treibhausgas CO2 hat zwei Gesichter: Es ist gleichzeitig auch ein nützlicher Helfer".

Covestro haut auf die Pauke: Patrick Thomas (Mitte) eröffnet die Anlage, flankiert von Thomas Rache (r.) und Professor Ernst Schmachtenberg. FOTO: M. Rennertz

Die gestrige Eröffnung der Anlage in Dormagen ist für Bürgermeister Erik Lierenfeld eine "Bestätigung des guten Wirtschaftsstandortes Dormagen angesichts der starken umliegenden Konkurrenz". Er sieht den Wandel vom "Chemiestandort in einen Hightech-Standort". Aus Sicht des SPD-Landtagsabgeordneten Rainer Thiel, der in der Enquete-Kommission das Thema begleitet hat, ist der "Abfall des einen der Rohstoff des anderen". Die Anlage sei ein "Riesen-Glücksfall".

Worum geht es konkret? In Zusammenarbeit mit der Universität RWTH Aachen ist im gemeinsamen Catalytic-Forschungscenter der wissenschaftliche Durchbruch gelungen, der eine effiziente Nutzung von Kohlendioxid in der Kunststoffproduktion erst möglich macht. CO2 ist das Endprodukt der Verbrennung, erläuterte Covestro-Chef Thomas, "das nur noch wenig Energie in sich trägt. Es reagiert auch nur schwer mit anderen Substanzen und braucht daher quasi einen Stups". Nach diesem Anstoß in Form eines Katalysators hätten Generationen von Forschern weltweit gesucht. Jetzt gelang den Forschern eine seltene, traumhafte Reaktion, daher wird das Projekt auch "Dream Production" genannt. So wird jetzt Polyol in einer neuartigen Form hergestellt, das CO2 wird dabei aufgespalten und chemisch fest eingebunden. Diese neue Form ist ein zentraler Baustein für Polyurethan-Schaumstoff - Material für Dämmstoffe, Kühlgeräte, Autositze und auch für Matratzen und Polstermöbel.

Als eine Zukunftsaufgabe sieht Thomas, "CO2 mit anderen Augen wahrnehmen: Seine Verwendung als alternative Kohlenstoffquelle ist die Antwort auf Herausforderungen unserer Zeit." Die "Coordination gegen Bayer-Gefahren" kritisiert, dass angesichts der weltweit steigenden Nachfrage nach PU und des geringen Anteils an verwendeten CO2 auch in Zukunft mehr Erdöl benötigt wird - "die schonenden Effekte sind hier daher zu vernachlässigen".

Quelle: NGZ
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