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Dormagen
Covestro verteidigt Gas-Transport im Rohr

Dormagen: Covestro verteidigt Gas-Transport im Rohr
Dormagen. Nachdem eine Klage gegen die Covestro-Pipeline zum Transport des giftigen Kohlenmonoxid zwischen Dormagen und Leverkusen abgewiesen wurde, hat Projektleiter Martin Wolf die Sicherheit im Gespräch mit unserer Redaktion betont.

Die Kohlenmonoxid-(CO-)Leitung zwischen den Chemparks Dormagen und Leverkusen, die in Zukunft in einen neuen Düker und dem Rhein verlegt werden soll, sorgt in beiden Städten und für Gesprächsstoff und für Unsicherheiten - obwohl das Kölner Verwaltungsgericht die Klage eines Bürgers gegen die Bezirksregierung und die von ihr erteilte Betriebsgenehmigung aus formalen Gründen abgelehnt hat. Leiter des umstrittenen Projektes beim Bayer MaterialScience-Nachfolger Covestro ist Martin Wolf. Er betont, dass die Anlage sicher sei. Die Dormagener Grünen um ihren Fraktionsvorsitzenden Tim Wallraff sind trotzdem dafür, dass das CO in den Chemparks produziert wird. Im Gespräch mit unserer Redaktion nahm Wolf zu einigen Kernfragen. Wofür braucht Covestro CO?

Covestro verwendet das Gas in den meisten seiner Produkte: "An den drei Niederrhein-Standorten Dormagen, Uerdingen und Leverkusen werden Rohstoffe produziert für Polyurethane, etwa für die Herstellung von Matratzen, Dämmmaterialien und Autositzen, Polycarbonat, beispielsweise für CDs, Autoscheinwerfer oder Kunststoffplatten, in Leverkusen zur Herstellung von Rohstoffen für Lacke und Beschichtungen in der Autoindustrie, Möbeloberflächen, Klebstoffe", sagt Wolf.

Covestro-Projektleiter Martin Wolf wirbt für die Pipeline. FOTO: COVESTRO

Wie viel CO läuft durch die Leitung? Warum wird sie gebraucht? Je nach Bedarf werden einige tausend Kubikmeter Kohlenmonoxid pro Stunde durch die CO-Pipeline von Dormagen nach Leverkusen geschickt. 24 Stunden jeden Tag. In Dormagen wird das Gas produziert und derzeit in Dormagen und Leverkusen bei Covestro verbraucht. "CO kann man als Gas nicht in nennenswerter Menge speichern. Deswegen wird es hergestellt, nach Leverkusen geschickt, verarbeitet", erläutert Martin Wolf. "Falls die Produktion des Gases ausfällt oder es nicht durch die Pipeline nach Leverkusen fließen darf, haben wir keine Puffermöglichkeiten, unsere Produktion käme zum Erliegen", betont der Ingenieur. Der Chempark betrachte seine drei Standorte Leverkusen, Dormagen und Krefeld-Uerdingen als Verbund, deshalb sei es zweckmäßig, die CO-Produktion an einem Standort zu konzentrieren und das Gas von dort zu verteilen. Für Uerdingen sei dies ebenso geplant. Weil der Streit um die CO-Pipeline von Dormagen dorthin aber seit Jahren schwelt, lässt Covestro in Krefeld über eine Koksanlage das Gas produzieren. "In Dormagen laufen drei so genannte Reformer, die das Gas produzieren. Falls eine Anlage ausfällt, etwa wegen Wartungsarbeiten, produzieren die anderen Anlagen", erläutert Wolf.

Covestro wartet auf die Betriebsgenehmigung für die CO-Pipeline, die dann unterm Rhein durch den neuen Düker läuft. Was ist, wenn nicht genehmigt wird?

Gäbe es keine Rohrleitungsverbindung nach Dormagen, müssten in Leverkusen zwei Reformer gebaut werden, um eine vergleichbar abgesicherte Versorgung mit CO-Gas für die Produktion zu gewährleisten. Das würde sich von den Kosten und den Produktionsmengen nicht rechnen, sagt Wolf. "Die Bezirksregierung hat den Düker-Bau genehmigt. Wir haben im vergangenen Mai einen Plangenehmigungsantrag für die Änderung der Rohrleitungsanlage gestellt. Das ist derzeit bei der Bezirksregierung in Bearbeitung. Wir hoffen, im Frühjahr den Bescheid zu bekommen."

Hauptkritik an der aktuell genutzten CO-Pipeline: Sie sei nicht sicher. Wie entkräftet Covestro das?

"Die Anlage ist sicher", sagt Wolf. Sie werde regelmäßig und unabhängig vom TÜV überwacht. "Pipelines werden aus Stahl gebaut, so auch Erdgasleitungen, weil das Material am besten geeignet ist. Wir schicken Gase durch die Rohre, in denen keine Feuchtigkeit enthalten ist. Deswegen kann es von innen keine Korrosion an den Leitungen geben." Von außen seien die Rohre zum Schutz mit einer Bitumenschicht, neue Rohre mit einer Kunststoffschicht ummantelt. "Wenn diese Schicht durch Erdbewegungen oder anderes beschädigt wird, kann es zu Korrosion im Stahl kommen.

Wie wird das kontrolliert?

Zehn Kilometer der Pipeline laufen über Land. "Dort ist eine schnelle Prüfung möglich, bei Schäden wird die Pipeline freigelegt und repariert. Derzeit bleibt auf den 500 Metern unterm Rhein nur die Prüfung mit einem Molch (Messgerät). Der misst u.a. die Dicke der Wände, während er durch die Rohre fährt." Damit die Instandhaltung einfacher wird, werde der neue, begehbare Düker gebaut.

Wie weit ist der Bau bisher vorangekommen?

Die Bauarbeiten für den Düker haben vor kurzem auf der rechten und der linken Rheinseite mit der Startbaugrube begonnen. "Die Tunnelbohrmaschine wird Ende Februar, Anfang März eingesetzt und soll Anfang April auf der linken Rheinseite rauskommen. Im zweiten Quartal 2017 hoffen wir auf die Fertigstellung, dann wollen wir die CO-Leitung umschließen."

Kritiker finden den Stahl am CO-Rohr durch Korrosion zu dünn. Wie viele Korrosionsstellen gibt es?

"Wir haben derzeit fünf punktuelle Korrosionsstellen."

(LH/ssc)
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