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Dormagen
Das Hallenbad Mitte ist Geschichte

Dormagen: Das Hallenbad Mitte ist Geschichte
FOTO: Picasa
Dormagen. Das Hallenbad Stadtmitte ist Geschichte: Um 9.38 Uhr, so notierte NGZ-Leser Detlef Richter, kippte der Bagger gestern die letzte Wand. Richter und andere begleiteten dokumentarisch den Abriss mit dem Fotoapparat. Wir zeigen ihre schönsten Bilder. Von Klaus D. Schumilas

Seit 9 Uhr lag Detlef Richter gestern vor der Baustelle an der Robert-Koch-Straße mit seiner Kamera auf der Lauer und wartet. "Dann, um 9.38 Uhr, kippte die letzte Wand. Es war schon ein Spektakel, und es wackelte und rummste ganz gewaltig", beschreibt der Profi-Fotograf die Situation. Trotzdem hielt er drauf und den Augenblick, als die letzte Wand fiel, in einer Bilderserie fest (siehe unten).

Richter und andere Dormagener beobachteten seit Wochen den Abriss des Hallenbads. Meist aus sehr persönlichen, emotionalen Gründen. Wie Christiane Paklinski. "Seit meiner Geburt lebe ich in diesem Viertel. Das Hallenbad hat mich einen großen Teil meines Lebens begleitet", erzählt sie. "Dort fand mein Schulschwimmen statt. Wehe, wir hatten die Seife oder die Badekappe vergessen", sagt sie mit einem Lachen. "Später, als ich sicher schwimmen konnte, durfte ich alleine oder mit Freunden dorthin. Das Größte war, wenn nach dem Schwimmen noch Geld für eine Pommes mit Majo übrig war. Oder zumindest für ein Brausepulver. Das gehörte einfach dazu. In den großen Ferien war das Schwimmen vormittags kostenlos. Später gingen wir mit unseren Kindern dorthin, und diese auch irgendwann alleine. Und nun wird es abgerissen, das gute alte Hallenbad. Aber es wird ein Neues geben, und darauf freue ich mich." Paklinski stand regelmäßig am Bauzaun und hielt mit ihrer Digitalkamera den Abriss fest. Einige von ihren Fotos sind in der oberen Reihe zu sehen. Starke Erinnerungen hat auch Detlef Richter an dieses Bad. "Seit 40 Jahren wohne ich in Dormagen. In dieser Zeit habe ich das Bad oft besucht, vor allem die Sauna", sagt der 64-Jährige. Die fotografische Begleitung bis zum bitteren Ende des Bades ist für ihn eine "Herzensangelegenheit. Ich sehe mich in diesem Fall als ein Heimat-Reporter". Das Foto-Archiv von Richter umfasst "bestimmt 500 000 Bilder", sagt Richter, der viel in der Stadt und Umgebung umherstreift und seine Eindrücke festhält - ob Hallenbad-Abriss oder den Schneefall in Stürzelberg. Er legt auch regelmäßig Postkarten mit alten Heimatmotiven auf, die in 40 verschiedenen Motiven in der Mayerschen Buchhandlung erhältlich sind.

Für die Stadtmarketing- und Verkehrsgesellschaft Dormagen (SVGD) war das gestrige Ereignis lediglich ein Puzzleteil im Entstehen des neuen Bades. "Damit ist nur der Abriss des oberirdischen Teils beendet", sagt Geschäftsführer Klaus Schmitz, "alle unterirdischen Gebäudeteile wie Becken oder Fundamente müssen ebenfalls entfernt werden. Der gesamte Teilabriss des Gebäudes zieht sich noch bis Mitte, Ende September hin." Bis zur Fertigstellung wird es noch dauern, der Termin liegt in der zweiten Jahreshälfte 2017. Die Gesamtkosten beziffert die SVGD auf etwa 10,8 Millionen Euro. Nach der Eröffnung soll dann das Hallenbad Nievenheim geschlossen werden.

Quelle: NGZ
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