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Dormagen
Delrather fertigt "Retro"-Spielzeug aus Holz

Dormagen: Delrather fertigt "Retro"-Spielzeug aus Holz
Spielzeug aus der guten alten Zeit entsteht in der kleinen Werkstatt von Hans-Dieter Longerich. FOTO: Anja Tinter
Dormagen. Hans-Dieter Longerich hat nach seiner Pensionierung ein neues erfüllendes Hobby gefunden, das Kinderaugen leuchten lässt. Von Franziska Gräfe

Im Hause Longerich ist angerichtet: Zwei Dutzend sauber zugeschnittene Holzteile im Bausteinformat, Quader, Platten, Scheiben, liegen auf dem Wohnzimmertisch, daneben das "Rezept" zur Verwendung jener Zutaten: der akurat gezeichnete Bauplan für einen Trecker nebst Anhänger. "Einen Tag brauche ich dafür, wenn man auch ans Lackieren und Abschleifen denkt", beschreibt Hans-Dieter Longerich den Arbeitsaufwand für diesen Auftrag.

Longerich ist 69 Jahre alt und stammt aus Delrath. Dort kennt man ihn als Vorsitzenden des Bürgerschützenvereins über lange Jahre, Trommler im Nievenheimer Spielmannszug, unermüdlichen Macher, wann immer es etwas für "das Dorf" zu tun gab. Heute ist Longerich Spielzeugmacher: In der kleinen Werkstatt hinter dem Haus, in der im Winter die Finger klamm werden, entsteht Spielzeug aus der "guten alten Zeit". Einer Ära Prä-Playmobil und -Lego, als noch eine klarlackierte Holzeisenbahn ausreichte, damit in Kinderköpfen Abenteuerfilme abliefen. Herrlich "retro" und damit klar im Trend sind die Spielzeuge, die Longerich fertigt, unbedenklich noch dazu, betont Ehefrau Brunhilde: "Wir könnten glatt einen Blauen Engel draufkleben", lächelt sie, denn der verwendete Klarlack ist speziell für Spielzeugnutzung geeignet. Qualität made in Delrath statt in China, sie ist erschwinglich, denn Hans-Dieter Longerich zählt seinen Lohn in glänzenden Kinderaugen. In Geld gemessen kommt sein Hobby gerade einem "Ein-Euro-Job" gleich.

Die Longerichs haben keine eigenen Kinder, wohl aber eine Schar an Großnichten und -neffen, die "Onkel Dieter" nach der Bayer-Pensionierung im Jahr 2005 anfing, zu beglücken: Mit einem selbstgezimmerten Bett, illustren Schaukelobjekten - "der Schaukelsaurier steht heute im Montessori-Kindergarten" - , Elefanten, Hunden, Enten auf Rollen zum Hinterherziehen. Die beiden "Großen", Justus und Clarissa (heute 16 und 20), waren quasi die Produkttester. "Was ihnen gefällt, das kommt generell gut an bei unserer Kundschaft zwischen zwei und sechs", grient der Großonkel. Bestellt wird telefonisch oder aber man trifft den Spielzeugmacher und seine Frau auf einem der Märkte in Nievenheim.

Wenn auf dem Wittgeshof das Spargelfest gefeiert wird oder der Latourshof zum Weihnachtsmarkt einlädt, packt Bruni Longerich die Kisten - "so fünf bis sechs von jedem Exemplar sind meistens vorrätig." Gefragt sind neben Spielzeug Tannenlandschaften, Verkündigungsengel und ausgesägte Sterne. Es weihnachtet sehr.

Spätestens im Januar wird Hans-Dieter Longerich dann wieder einkaufen fahren: Mit dem Fahrrad nach Allerheiligen, wo Stefan aus der Holzabteilung wieder an die Säge muss. Handliche Zuschnitte aus Fichtenholz sind gefragt, die der gelernte Dreher Longerich in seiner gut ausgestatteten Privatwerkstatt verarbeiten kann, auch in Tambourstäbe, die zu Karneval Konjunktur haben: Die Kreationen werden in rot-weiß und blau-weiß geschmückt und sind auf die Farben der Nievenheimer und Ückerather Karnevalisten abgestimmt.

Quelle: NGZ
 
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