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Dormagen
Den Schulabschluss im zweiten Anlauf schaffen

Dormagen: Den Schulabschluss im zweiten Anlauf schaffen
Fünf Mal pro Woche, jeweils von 16.45 bis 20.45 Uhr, müssen Jacky Kauls und Derya Sahin jetzt wieder zur Schule gehen. FOTO: Anja Tinter
Dormagen. Derya Sahin (25) und Jacky Kauls (18) drücken nach Pausen wieder die Schulbank bei der VHS. Beide wollen nun einen Abschluss machen. Von Anneli Goebels

Beide haben ein festes Ziel vor Augen. Derya Sahin möchte eine Ausbildung zur Konditorei-Verkäuferin machen, Jacky Kauls Elektriker werden. Voraussetzung: ein Schulabschluss. Den machen beide jetzt bei der Volkshochschule, im zweiten Anlauf, Derya sogar im dritten. Doch jetzt, sagt die 25-Jährige, werde sie keinesfalls aufgeben. Denn das hat sie einmal gemacht, vor gut sieben Jahren hat die Dormagenerin mit türkischen Wurzeln nach der achten Klasse die Hauptschule ohne einen Abschluss verlassen. Damals war ihr nicht klar, was sie heute weiß: "Ohne Abschluss bekommt man nichts."

Obwohl: Bekommen hat sie schon etwas, nämlich einen Job als Stationshilfe im Dormagener Krankenhaus. Der habe ihr Spaß gemacht, sei aber keine Dauerlösung, sagt Derya. Und so hatte sie sich bereits im August 2012 bei der Volkshochschule angemeldet, um ihren Hauptschulabschluss nachzumachen. Nach zwei Monaten jedoch hatte sie wieder abgebrochen. Heute kann sie das nicht verstehen, ärgert sich über sich selbst. "Doch ich kann es nicht mehr rückgängig machen", sagt die junge Frau. Jetzt allerdings, da ist sie sich sicher, wird sie bis zum Ende dabei bleiben. "Ich bekomme das hin", sagt sie. Auch ihrem Vater, der ihr Engagement noch misstrauisch beobachtet, will Derya es beweisen. Nicht zuletzt geben sie und ihre Schwester einander Halt, denn auch die besucht den Lehrgang der VHS. Und dann gibt es da noch ein Versprechen: Auf der Suche nach einem Job, mit dem sie sich ein wenig Taschengeld verdienen wollte, wurde ihr bereits eine Ausbildungsstelle in Aussicht gestellt - wenn sie denn mit Abschlusszeugnis in der Tasche wiederkommt.

Jacky Kauls hat bereits den Hauptschulabschluss nach Klasse 9. Danach hatte er die Schule verlassen. "Ich hatte von allem genug, konnte nicht mehr weiter machen", sagt der 18-Jährige. Nach einem Jahr "Pause" war ihm klar: "Das kann es mit Schule nicht gewesen sein." Sein Ziel: die Fachoberschulreife, bedeutet: ein zweijähriger Lehrgang bei der Volkshochschule. Ein Jahr hat Jacky jetzt ´rum - und ist immer noch hoch motiviert. Mathematik, Deutsch, Englisch, Geschichte, Biologie und Wirtschaft stehen auf den Stundenplänen der beiden. Jackys Lieblingsfach ist Wirtschaft, Deryas Mathematik. Montags bis freitags, jeweils von 16.45 bis 20.45 Uhr, wieder in einem Klassenzimmer zu sitzen, empfinden beide längst als normal. "Wenn ich dann zu Hause bin, mache ich erst eine kurze Pause, bevor ich mich mit den Hausaufgaben beschäftige", sagt Jacky.

Die Teilnahme an den ein- (Hauptschulabschluss Klasse 9) und zweijährigen Kursen (Fachoberschulreife), die die Volkshochschule anbietet, ist kostenlos. "Die Teilnehmer zahlen lediglich eine Anmeldegebühr von 50 Euro sowie die Kosten für Arbeitsmittel und Lehrbücher", erklärt Petra Rogge, Fachbereichsleiterin bei der VHS. Wichtig sei auch, dass die Teilnehmer zusätzlich eine Art "Lebenstraining" erhalten. Fragen wie "Wie schließe ich einen Vertrag ab" oder "Wie fülle ich einen Antrag aus" gehören zum Unterricht.

Quelle: NGZ
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