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Dormagen
Der Baumkletterer vom Tannenbusch

Dormagen: Der Baumkletterer vom Tannenbusch
Für Forstwirt David Thies ist der Tannenbusch nicht nur Arbeitsplatz, sondern auch Natur-Fitness-Studio. FOTO: Anja Tinter
Dormagen. Forstwirt David Thies ist für die Pflege und den Schnitt der Bäume im Tierpark verantwortlich. Dafür klettert er mit einer speziellen Seiltechnik in die Höhe, um tote Äste zu entfernen. 350 Kletterstunden im Jahr kommen zusammen. Von Franziska Gräfe

Dauerlauf nach der Arbeit und Pumpen an der Hantelbank, das käme David Thies nicht in den Sinn. Sein Sportstudio ist der Tannenbusch. Thies trainiert seine Muskeln jeden Tag - und das rein beruflich. Der 27-jährige Forstwirt arbeitet für die Stadtmarketing- und Verkehrsgesellschaft Dormagen (SVGD) und ist für die Pflege und den Schnitt der Bäume im Tierpark verantwortlich. In dieser Funktion treibt es ihn regelmäßig hoch hinaus, um mittels Seilklettertechnik tote Äste zu entfernen. Damit kommt die SVGD als Betreiber des Tierparks ihrer Verkehrssicherungspflicht nach.

"Das Klettersystem in den Baum zu hängen, dauert etwa eineinhalb Stunden", erklärt Thies, während er die dünne Vorleine wieder und wieder in den Baum wirft, bis sie schließlich über einem tragfähigen Ast hängenbleibt. Daran wird das Aufstiegsseil nachgezogen, an dem Thies in die Baumkrone steigt: Er zieht sich mit den Armen Meter um Meter nach oben, packt das Werkzeug aus und sägt absturzgefährdete Äste ab.

350 Kletterstunden kommen so im Jahr zusammen, im Winter erklimmt der Hackenbroicher die Wände der umliegenden Kletterhallen. "Um das Gefühl für Höhe zu behalten", sagt er. David Thies ist staatlich geprüfter Forstwirt. Weil er nach eigener Aussage "doll aufs Klettern" ist, absolvierte er danach die dreistufige Ausbildung zum Seilklettertechniker nach den berufsgenossenschaftlichen Vorschriften des Garten- und Landschaftsbaus. 2014 gründete er mit einem Freund im Nebenerwerb das Forstunternehmen Lumberjack, das auf Gefahrbaumfällung spezialisiert ist.

Holz ist sein Element, seit der Großvater ihm mit vier die erste eigene Axt in die Hand drückte. "Mein Opa war Haumeister im Knechtstedener Busch, mein Vater ist Schreiner", berichtet Thies. "Holz gemacht", also für den Verkauf an Möbelbauer oder die Industrie geschlagen, wird im Tannenbusch nicht. Genaugenommen bewirtschaftet die SVGD auch nicht den kompletten Tannenbusch - der untersteht als städtischer Wald den Technischen Betrieben Dormagen (TBD) -, sondern lediglich den Tierpark.

Aber auch dort gibt es genug zu tun für den Baumpfleger. "Einmal die Woche wenigstens drehe ich meine Runde und schaue mir die Bäume an", so Thies. Er erzählt vom Sommer 2014, in dem Pfingstorkan Ela "ein Viertel aller Bäume hier" umknicken ließ: "Da haben wir 400 Festmeter Holz hier rausgeholt, aufgearbeitet und sortimentiert." Die Harthölzer wie Robinie, Vogelkirsche, Stieleiche oder Rotbuche wurden, je nach Qualität, als Stammholz an die Möbelindustrie oder als Industrieholz zur Herstellung von Holzpellets und Hackschnitzeln verkauft. Ein wenig Totholz brauche jeder Wald, sagt der Experte, "denn der Specht und viele andere Vogelarten sind darauf angewiesen".

Auch in seiner Freizeit hat David Thies seine Hände oft am Holz: Er ist Gitarrist der Band "Coyotes Last Order", die am 15. Oktober beim Festival "Musik aus Dormagen" im Gohrer Landgasthaus spielt.

Quelle: NGZ
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