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Dormagen
Der eigene Garten ist ihr Lieblingsplatz

Dormagen. Claudia Manousek ist als Vorsitzende der Dormagener Tafel mit 70 ehrenamtlichen Helfern viel unterwegs. Wenn sie Zeit hat, zu verschnaufen und einmal Luft zu holen, sitzt sie in ihrem Garten mit Weitblick. Von Anneli Goebels

Das Handy hat sie immer in Reichweite. Und wenn es einen Ton von sich gibt, muss auch der Besuch schon mal warten. Mit Unhöflichkeit hat das nicht das Geringste zu tun. Claudia Manousek muss einfach nachschauen, ob sie nicht irgendwoher wieder Ware abholen lassen kann. Seit 2005 ist die 56-Jährige Vorsitzende des Vereins Dormagener Tafel. Die Aufgabe lässt sich längst nicht mehr in einigen Stunden pro Woche erledigen. Sie ist ein Fulltime-Job, einer ohne Bezahlung. "Meine Kinder sind aus dem Haus, mein Mann während der Woche in München. Da kann ich mir das hier leisten", sagt sie.

Claudia Manousek ist in Dormagen-Stadtmitte aufgewachsen. Zum Studium - Geschichte und Politische Wissenschaften - zieht es sie nach Köln. Dort lernt sie ihren Mann kennen, arbeitet nebenbei in einer Werbeagentur und bekommt während der Ausbildung zwei Kinder. Mit der Geburt des zweiten kehrt die Familie nach Dormagen zurück. Als der Ehemann als Ingenieur das Angebot erhält, nach Seattle zu gehen, organisiert sie innerhalb von drei Wochen den Umzug. Acht Jahre bleiben sie in Amerika. "Als unsere Kinder plötzlich nicht mehr auf Deutsch antworten konnten, dachte ich, dass es Zeit ist, zurückzukehren", sagt sie und zieht das genau so konsequent durch wie die Abreise. "Meine Tochter und mein Sohn sollten auch noch etwas von ihren Großeltern haben", nennt sie einen weiteren Grund. Vor dem Einzug ins neue Haus in Rheinfeld wird das allerdings noch vier Wochen an eine Produktionsfirma vermietet, für die Dreharbeiten zum Film "Mein Vater" mit Götz George.

Claudia Manousek hilft damals in der evangelischen Gemeinde beim Obdachlosenfrühstück. Der Pfarrer hatte die Idee, in Dormagen eine Tafel zu installieren. "Ich fand das idiotisch", sagt sie und lacht. Sechs Wochen sollte sie helfen. Daraus sind mittlerweile elf Jahre geworden. Manousek ist der Kopf des Vereins mit heute 70 Helfern. Waren es bei der ersten Ausgabe der Tafel noch zwölf Familien, die kamen, sind es heute 400. 33 Supermärkte werden mit den fünf Transportern regelmäßig angefahren. Hinzu kommen ebenso regelmäßig Anrufe von Firmen, die Ware übrig haben. "Ich hole alles ab", sagt sie. Schlecht wird nichts. Dazu gibt es ein Tafel-Netzwerk. Während der Woche ist sie allein in dem großen Haus mit freiem Blick auf die Felder. Den genießt sie so sehr, dass es sie nirgendwo anders hinzieht, "obwohl Dormagen viele schöne Plätze hat." Und dann fällt ihr ein, dass sie ihr Handy doch schon mal ausschaltet - beim Friseur und beim Zahnarzt.

Quelle: NGZ
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