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Dormagen
Der Feldhase feiert im April seine Hoch-Zeit

Dormagen. Mit seinen deutlich längeren Löffeln ist er gut vom Wildkaninchen zu unterscheiden. Aber der Bestand ist bedroht. Von Franziska Gräfe

Natürlich ist es eine Mär, dass der Hase mit aufgeschnalltem Körbchen auf dem Rücken durch die Wiesen springt und buntbemalte Eier in den Gärten abwirft. Meister Lampe hätte schlichtweg im April keine Zeit dazu, denn er hat anderes im Sinn. "Der Feldhase feiert in diesem Monat Hochzeit", erklärt Marc Pellekoorne mit einem breiten Grinsen.

Nicht nur auf den Feldern zwischen Nievenheim und Straberg kann man die Rammler im Moment beobachten, wie sie sich Boxkämpfe liefern, bis die "Rammlerwolle" fliegt, um die Häsin ihrer Wahl zu beeindrucken. "Sie nehmen dann die Standhaltung ein und fangen an, sich mit den Vorderläufen zu beharken", schildert Pellekoorne. Der Sieger hat zwar die Damenwahl, muss aber in Kauf nehmen, dass seine Auserwählte ihre Gunst womöglich noch ein zweites oder drittes Mal verschenkt, wie Pellekoorne erklärt: "Es kann durchaus sein, dass in einem Wurf Kinder verschiedene Väter haben."

Der 38-Jährige ist Vorsitzender der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) Dormagen und Besitzer eines Jagdscheins, dessen Erlangung umfangreiches Wissen über die heimische Fauna voraussetzt. Auch über den Feldhasen, der hierzulande "nicht mehr wirklich bejagt wird". Auf alle 27 Einwohner in Deutschland kommt ein Feldhase. Macht einen Bestand von etwa drei Millionen bundesweit. Die Langohren (übrigens ein wesentliches Kriterium für die Unterscheidung vom eher kurzlöffeligen Wildkaninchen) gelten als gefährdete Tierart, eingeordnet in Bedrohungsstufe drei von vier. Damit wird angezeigt, dass die Bestände "erheblich zurückgegangen oder durch menschliche Einwirkung bedroht" sind. "Greifvögel, Wildschweine, Füchse, die Landwirtschaft und der Straßenverkehr", zählt Pellekoorne die potenziellen Sargnägel des Feldhasen auf. Im Rheinland wenigstens ist Meister Lampe noch relativ häufig vertreten, und wird oft mit dem viel stärker verbreiteten Wildkaninchen verwechselt.

Tierkenner Pellekoorne empfiehlt, neben der Löffellänge auf das Hinterteil der Tiere zu achten: "Das Kaninchen reckt seine weiße Blume keck in die Höhe, während der Feldhase auf Tarnung aus ist und das Hinterteil nach unten drückt." Sachdienliche Hinweise gibt auch die Fellfarbe. Der Feldhase erscheint gelblich braun, das Wildkaninchen eher grau.

Letzteres vermehrt sich nicht nur sprichwörtlich so stark, dass die Population durch ganzjährige Bejagung begrenzt wird. "Das muss sein, auch, um die Krankheit Myxomatose zu bekämpfen, die ganze Kaninchenbestände ausrotten kann", sagt Jäger Pellekoorne. Der Feldhase ist übrigens ein echter Kräuterprofi: Über 70 verschiedene Wildkräuter kann er als Futterpflanzen erkennen. Dabei stehen unter anderem Löwenzahn und Sauerampfer auf dem Speiseplan des Vegetariers.

Die Funktion des Eierboten zum Osterfest übernehmen je nach Landstrich traditionell auch der Hahn, Fuchs oder Kuckuck. Ähnlich wie der Weihnachtsmann verdankt der Osterhase einen großen Teil seiner Popularität der Werbung fürs Konsumprodukt.

Quelle: NGZ
 
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