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Dormagen
Der "Römerkrug" feiert 275-jähriges Bestehen

Dormagen: Der "Römerkrug" feiert 275-jähriges Bestehen
Hinein in die gute Stube: So sah es früher im Römerkrug aus, der seit Ende der 1950er Jahre wieder wie früher als Gasthaus genutzt wird. FOTO: privat/Tinter
Dormagen. Das Haus an der Krefelder Straße ist eines der ältesten in Dormagen; viele Geschichten ranken sich darum. Am 14. August gibt's Live-Musik. Von Dagmar Fischbach

Wenn Wolfgang Richrath im hinteren Gastraum des "Römerkrug" steht, sind die Erinnerungen sofort wieder da. "Hier standen die Kühe", sagt er und zeigt auf Tische und Stühle vor der weiß gekälkten Wand. Dann blickt er zum großen Fenster, vor dem Wilder Wein rankt. "Und hier war eine Schiebetür. Da durch wurde das Vieh in den Stall getrieben", erklärt der 66-jährige.

Der ehemalige Kuh-Stall ist heute Ort für Konzerte und Dart-Turniere. Vor fünf Jahren hat Wolfgang Richrath mit seiner Tochter Jennifer den "Römerkrug" übernommen. Seither betreibt die Familie hier eine Gastwirtschaft. "Wir hatten die Räume zuvor an verschiedene Betreiber verpachtet. Aber wir waren nie so ganz glücklich damit. Nachdem der letzte Pächter raus war, entschieden wir uns, dieses traditionsreiche Haus selbst zu bewirtschaften", erzählt Jennifer.

Der "Römerkrug" an der Krefelder Straße 22 ist eines der ältesten Häuser in Dormagen. Erbaut wurde es 1740. "Es war ursprünglich als Bauernhof geplant, wurde dann aber bald zu einem Gasthaus umgestaltet. Damals hieß es QZum Grünen Walde". Hier haben Reisende Station gemacht und ihre Pferde gewechselt. Aber auch die Knechte, die mit ihren Pferden die Lastkähne rheinaufwärts zogen, übernachteten in der Herberge ", sagt Wolfgang Richrath.

Noch heute sind die Gästezimmer in der oberen Etage des seit 60 Jahren denkmalgeschützten Gebäudes erhalten. "Aber man darf sie nicht mehr bewohnen. Die Deckenhöhe ist zu gering. Die Türstürze messen höchstens 1,70 Meter", erklärt Richrath. Die Familie nutzt die Räume als Speicher, aber Wolfgang Richrath weiß noch genau, wie seine Großeltern dort gewohnt haben. "Sie haben den Römerkrug und das dazugehörige Gelände vor mehr als 100 Jahren übernommen und aus dem Gasthaus wieder einen Bauernhof gemacht. Als ich Kind war, stand dort, wo jetzt die große Theke ist, ein riesiger Tisch. Hier haben wir alle zusammen gegessen. Die Knechte, die Mägde und unsere Familie", erinnert er sich.

Seit Ende der 1950er Jahre wird der "Römerkrug" wieder als Gastwirtschaft betrieben. Die Familie verpachtete das Haus und zog in einen angrenzenden Neubau. Bis vor fünf Jahren Tochter Jennifer ihre Liebe zum "Römerkrug" entdeckte. "Ich wollte das Haus auf keinen Fall mehr in fremde Hände geben. Dazu hängen zu viele Familienerinnerungen daran. Es hat ein bisschen gedauert, aber schließlich hatte ich meine Eltern und meinen Mann überzeugt, die Sache selbst in die Hand zu nehmen", sagt sie.

Liebevoll strich sie die Wände, verpasste den alten Stühlen und Bänken knallrote Bezüge und brachte mit vielen Lichterketten stimmungsvolle Beleuchtung in die alten Gemäuer. "Ich möchte Modernes und Altes miteinander kombinieren. Die Räume sollen keinesfalls ihren Charakter verlieren", erklärt sie. Die 200 Jahre alte Eichentreppe zum ersten Stock wird von ihr ebenso gepflegt wie die Holzfenster mit antikem Schließmechanismus im Billardraum und die Christusfigur über dem Portal im Biergarten, die einer ihrer Vorfahren vor der Zerstörung durch die französische Besatzung gerettet hat. "Dieses Haus erzählt so viele Geschichten. Die dürfen einfach nicht in Vergessenheit geraten", sagt Jennifer.

Quelle: NGZ
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