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Hans-Jürgen Niehues
"Der Schulausschuss ist ein Papiertiger"

Hans-Jürgen Niehues: "Der Schulausschuss ist ein Papiertiger"
Klare Worte spricht der Vorsitzende der Stadtelternschaft Hans-Jürgen Niehues. FOTO: Anja Tinter
Dormagen. Der Vorsitzende der Stadtelternschaft über Fachgremien, Sekundarschule, zweite Gesamtschule und ewige Geldsorgen.

Herr Niehues, seit sechs Jahren sind Sie Vorsitzender der Stadtelternschaft. Welche Aufgabe hat der Verein?

Hans-Jürgen Niehues Der Verein ist primär eine Plattform zum Informations-Austausch. Was passiert an unserer Schule - darüber sprechen die Delegierten und tauschen sich aus. Außerdem vertritt er die Interessen der Eltern in den Gremien der Stadt, wie Ausschüssen und Arbeitskreisen.

Wie nehmen Sie das Interesse der Eltern wahr, wenn es um das Thema Schule geht?

Niehues Eltern sind sehr politisch. Damit meine ich nicht parteipolitisch. Sie haben meist ihre Schule im Blick. Dennoch wünsche ich mir, dass sie häufiger auf uns zukämen und auf den Tisch hauen. Auch wenn man ihnen dann vielleicht sagen muss, dass ihre Wunschlösung mit Blick auf die gesamte Stadt vielleicht nicht die richtige ist.

Nimmt die Politik die Stadtelternschaft wahr?

Niehues Ja. Zu den Sitzungen der Arbeitskreise Schule werden wir von CDU und SPD regelmäßig eingeladen. Auch habe ich den Eindruck, dass Anstöße von uns umgesetzt werden, so aktuell die Wiederaufnahme der Arbeitsgruppe zur Schulentwicklung. Das fordern wir schon seit der letzten Kommunalwahl.

Reden wir von einer aktuellen Baustellen: zu wenig Räume für die Oberstufe der Gesamtschule. Ein Problem, auf das der Schulleiter schon seit längerem aufmerksam macht...

Niehues Ja, und eines, das meiner Meinung nach im Schulausschuss gelöst werden muss. Es ist doch katastrophal, dass in einem Ausschuss, wo die Experten mit pädagogischem Hintergrund sitzen, kein wirklicher Beschluss gefasst wird. Jetzt geht das Thema in eine Sondersitzung des Eigenbetriebs, der erklären soll, was möglich ist. Das ist nicht richtig. Grundsätzlich muss der Schulausschuss Entscheidungen treffen. Und die stehen dann. Der Eigenbetrieb hat sich nur noch um die Umsetzung zu kümmern. Aber heute werden strategische Entscheidungen von denen getroffen, die keine pädagogische Denke haben. Der Schulausschuss ist ein Papiertiger, der aufpassen muss, dass er sich nicht zum Bettvorleger machen lässt, wenn er immer zurückschreckt, sobald es um Geld geht. Im Übrigen betrifft die Raumnot auch das Schulzentrum in Hackenbroich sowie einige Grundschulen. Da sind die Prognosen des Schulgutachtens von 2012 einfach falsch.

Eine weitere Baustelle: die Sekundarschule. 29 Erstanmeldungen. Das sieht nicht wirklich nach Erfolgsmodell aus?

Niehues Ja, die Schule hat Akzeptanzprobleme. Sie wird nicht als neue Schulform wahrgenommen, sondern als Nachfolgerin der Hauptschule. Das hängt auch mit dem Standort zusammen. Ich glaube, eine neue Schulform braucht vier bis fünf Jahre, ehe sie akzeptiert wird. Das war auch bei der Gesamtschule so.

Soll die Sekundar- in eine zweite Gesamtschule umgewandelt werden?

Niehues Nein, das würde das Problem nicht lösen und könnte der Schule in Nievenheim schaden. Die Sekundarschule ist doch eigentlich eine Gesamtschule, nur eben ohne Oberstufe. Eine zweite Gesamtschule würde auch eine sechste Oberstufe in Dormagen bedeuten. Wir als Stadtelternschaft haben uns auch deshalb für die Einrichtung einer Sekundarschule ausgesprochen.

Was halten Sie davon, an der Realschule Hackenbroich einen Hauptschulbildungsgang einzurichten?

Niehues Es gibt zwei Optionen, die diskutiert werden müssen: entweder der neue Hauptschulbildungsgang an der Realschule oder aber Vierzügigkeit an der Sekundarschule ab Klasse 7.

Was ist mit den Flüchtlingskindern?

Niehues Die Kinder und Jugendlichen zu integrieren, stellt eine große Anstrengung für alle Seiten dar. Das A&O ist eine vernünftige sprachliche Vorbereitung, damit sie die Regelklassen besuchen können. Wir neigen in Deutschland dazu, alles möglichst sofort und hundertprozentig umzusetzen. Aber man muss dem Ganzen eine Chance geben, sich zu entwickeln. Wir reden schließlich nur über 1,5 Prozent der Dormagener Schüler.

Fließt genug Geld in die Schulen?

Niehues Nie! Investiert werden müsste aber nicht nur in Gebäude und Ausstattung, sondern vor allem in Personal. Die Personaldecke ist auf Kante genäht. Reserve ist nicht vorgesehen. So würde kein Wirtschaftsunternehmen arbeiten. Aber Personal ist nicht mehr kommunale Aufgabe.

Welche Note würden Sie der Dormagener Schullandschaft geben?

Niehues 2 bis 2+, die Schullandschaft ist breit aufgestellt. Jeder kann hier das finden, was er sucht, und das in guter Qualität - vorausgesetzt, er weiß, was er sucht.

DAS GESPRÄCH FÜHRTEN KLAUS D. SCHUMILAS UND ANNELI GOEBELS.

Quelle: NGZ
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