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Dormagen
Der Wetterfrosch von Dormagen

Dormagen: Der Wetterfrosch von Dormagen
Der Hackenbroicher Kevin Goss sitzt vor seinem Laptop. Dort hat er in vielen Dateien seine Zahlen, Daten, Messungen gespeichert und gewinnt daraus Erkenntnisse für das Wetter in Dormagen. FOTO: Anja Tinter
Dormagen. Der Abiturient Kevin Goss hat ein ungewöhnliches Hobby: Wetter beobachten. Rund um die Uhr erfasst er Wind, Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Seine Vorhersagen für den Rhein-Kreis Neuss veröffentlicht er im Internet. Von Dagmar Fischbach

"Bevor meine Mutter morgens das Haus verlässt, fragt sie meist mich, was sie anziehen soll", sagt Kevin Goss mit einem Schmunzeln. Das liegt weniger am modischen Auge des 22-Jährigen. Der Abiturient hat ein ungewöhnliches Hobby: Er beobachtet das Wetter. "Ich verbringe rund fünf Stunden täglich damit, Tief- und Hochdruckgebiete zu analysieren, protokolliere Windstärken und Temperaturen", erzählt er. Seine Erkenntnisse über das Wetter im Rhein-Kreis Neuss teilt Kevin im sozialen Netzwerk "Facebook" mit der Öffentlichkeit.

Seit rund zehn Jahren erfasst der Schüler Daten wie Sonnenstunden und Niederschlag, Sturmböen und Windstille. Zunächst habe er alles handschriftlich notiert, auf unzähligen Blättern Papier. "Heute verarbeite ich die Daten im Computer. Aber das Wetter hat mich immer fasziniert. Schon als kleines Kind bin ich begeistert aus dem Haus gelaufen, wenn es blitzte und donnerte", erinnert sich der junge Mann, den seine Familie liebevoll "Wetterfrosch" nennt.

Eine Leidenschaft, die sich bis heute erhalten habe. Sobald sich eine Gewitterfront auf Dormagen zubewege, gebe es für ihn ein Halten mehr. "Ich gehe aufs Feld, beobachte die Wolken und messe die Windstärke", sagt er. Sollte er selbst einmal verhindert sein, spannt Kevin gern auch seine Familie fürs Hobby ein. "Wenn meine Mutter mit dem Hund spazieren geht, gebe ich ihr den Windmesser mit", erzählt er. In der elterlichen Wohnung in Hackenbroich hat Kevin an allen Fenstern Thermometer mit Außenfühlern angebracht.

"Zu Kontrollzwecken und weil Wind, Regen und Temperatur je nach Himmelsrichtung variieren können", erklärt er. Auf dem Balkon hat er eine Wetterhütte installiert. "Selbst gebaut, aus rund 15 Untersetzern von Blumentöpfen, Thermometern, Windmesser, Feuchtefühlern und einem PC-Lüfter. Der verhindert, dass sich die Wärme staut und die Hütte gut durchlüftet wird", erklärt er.

So richtig zufrieden stellt ihn sein Werk allerdings nicht. Trotz ausgeklügelter Technik hake die Aufzeichnung von Zeit zu Zeit. Kevin träumt von einer professionellen Wetterstation. "Die erfasst wirklich alles. Wind, Maximal- und Minimaltemperatur, Luft- und Bodenfeuchte. Aber sie kostet rund 1500 Euro. Dafür muss ich noch lange sparen", stellt der Schüler fest.

So lange verfolgt er im Internet die Erkenntnisse der Profis auf den offiziellen Wetterseiten. "Der Deutsche Wetterdienst aktualisiert alle sechs Stunden seine Karten. Ich analysiere sie und breche die Daten so weit herunter bis ich im Rhein Kreis Neuss angekommen bin", erklärt er. Für die nächsten Tage sähe es übrigens nicht besonders aus. Kevin prognostiziert mildes und feuchtes Wetter. "Erst in der kommenden Woche könnte es einen Kälteeinbruch geben", sagt er. Ob der Winter dann tatsächlich kommt, sei aber noch nicht sicher. "Die Wetterlagen ändern sich sehr schnell", erklärt der Hobby-Meteorologe.

Für seine Freunde ist Kevins Hobby nichts Ungewöhnliches. Niemand habe ihn je ausgelacht oder verhöhnt. "Im Gegenteil. Die meisten fragen mich, wie das Wetter wird und oft entwickeln sich stundenlange Gespräche über das Thema", erzählt er.

In der Schule spreche er aber wenig über seine Freizeitbeschäftigung, die er später zum Beruf machen möchte. "Ich fürchte, dass ich dann vor der ganzen Klasse referieren und einen Wetterbericht abgeben müsste. Wenn der dann nicht zutrifft, werde ich garantiert von allen verspottet", sagt er.

Quelle: NGZ
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