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Dormagen
Deutsch-Indische Gesellschaft löst sich auf

Dormagen: Deutsch-Indische Gesellschaft löst sich auf
Stella Pathrose Fiedler hört als Vorsitzende der Deutsch-Indischen Gesellschaft auf, engagiert sich aber anderweitig in Dormagen weiter. FOTO: Berns
Dormagen. Die Vorsitzende Stella Pathrose Fiedler möchte altersbedingt kürzer treten, findet aber in Dormagen keinen neuen Hauptverantwortlichen. Von Stefan Schneider

Sie gehört sagt sie und zu den "stillen Vereinen" in der Stadt, wie es auch die langjährige Vorsitzende Stella Pathrose Fiedler einschätzt. Was aber keineswegs bedeutet, dass die Deutsch-Indische Gesellschaft in Dormagen über weite Strecken ihres zwölfjährigen Bestehens untätig war. Im Gegenteil: "Wir haben einiges auf die Beine gestellt", urteilt Pathrose Fiedler - wenn auch abgesehen vom jährlich stattfindenden Fest in der Kulturhalle an der Langemarkstraße mit Vorführungen, Tänzen und indischem Essen vieles davon eher im Verborgenen passierte. Das betraf vor allem das Engagement für die Menschen vor Ort in Indien, zum Beispiel für Opfer des verheerenden Tsunamis an Weihnachten 2004. Doch zum Ende dieses Jahres wird es die Deutsch-Indische Gesellschaft in ihrer jetzigen Form in Dormagen nicht mehr geben. Die Initiative, die sich in erster Linie dem Kulturaustausch zwischen Deutschland und Indien verpflichtet fühlt, löst sich auf.

Der Hauptgrund ist die sich abzeichnende Führungslosigkeit der Gesellschaft. Pathrose Fiedler, die seit geraumer Zeit in Rente ist, möchte altersbedingt etwas kürzer treten. "Ich habe ein tolles Vorstandsteam mit sehr aktiven Leuten. Aber niemand möchte meine Nachfolge antreten und die Hauptverantwortung übernehmen", sagt die gebürtige Inderin, die dabei keinerlei Groll äußert. Sie hatte den Verein 2003 zusammen mit Freunden gegründet. Für die zurzeit noch 33 Mitglieder der Gesellschaft werde nach einer Lösung gesucht. Die Idee, sie bei der Deutsch-Indischen Gesellschaft in Düsseldorf unterzubringen, sei gescheitert, erzählt Pathrose Fiedler, die nun in dieser Angelegenheit auf die Vereinigung Bonn-Köln hofft.

Besondere Beziehungen hat die Deutsch-Indische Gesellschaft Dormagen zu einem Fischerdorf am Ashtamudi-See in Indien. Dort hat der Verein 23 Kinderpatenschaften übernommen, ein Engagement, das weitergeführt werden soll. Pathrose Fiedler und ihren Mitstreitern liegt es besonders am Herzen, dass junge Inder aus einfachen Verhältnissen Zugang zur Bildung bekommen. Denn das sei der beste Weg heraus aus der Armut. Stella Pathrose Fiedler lebt seit 1966 in Deutschland. "Ich habe mich unauffällig angepasst", sagt sie und erinnert sich mit einem Schmunzeln an ihre Anfangszeit in der Bundesrepublik. Einen Sari zu tragen, das typische Gewand indischer Frauen, habe sie sich damals nicht getraut: "Ich bin 365 Tage im Jahr in meiner Krankenschwestern-Kleidung herumgelaufen." Seitdem ist viel Zeit vergangen und in Dormagen, wo Pathrose Fiedler seit 1994 lebt, ist sie längst heimisch geworden. Das drückt sich auch in ihrem vielfältigen Engagement aus. Ihre Aufgaben im Integrationsrat, im Rat der Religionen, in der Hospizbewegung und für die Flüchtlinge will sie nach dem Abschied von der Deutsch-Indischen Gesellschaft auf jeden Fall weiterhin übernehmen. "Das ist für mich eine Erfüllung. Ich habe so viele gute Menschen kennengelernt", sagt sie. Auch Freundschaften seien so entstanden.

Quelle: NGZ
 
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