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Dormagen
Die Hauptschule verabschiedet sich

Dormagen: Die Hauptschule verabschiedet sich
Sie machen am letzten Schultag sozusagen das Licht aus: die beiden kommissarischen Schulleiter Andrea Knossalla und Matthias Schneider auf dem Dach der Hauptschule. FOTO: L. Berns
Dormagen. Nur noch wenige Wochen, dann ist das Thema Hauptschule in Dormagen Geschichte. 42 Schüler und sieben Lehrer werden die Hermann-Gmeiner-Schule am letzten Schultag vor den Sommerferien für immer abschließen. Von Anneli Goebels

Prall gefüllte schwarze Plastiksäcke stapeln sich im Sekretariat. "Das ist noch lange nicht alles", sagt Edeltraud Zychon. Seit 26 Jahren leitet sie das Sekretariat der Hermann-Gmeiner-Hauptschule - und nach den Sommerferien wird sie ebenso wenig zurückkommen wie die Lehrer und Schüler. Denn die Schule an der Bahnhofstraße macht zu. Nur noch die letzten 42 Zehntklässler, sieben Lehrer, eine Sonderpädagogin, der Hausmeister und Edeltraud Zychon sind da. Und die arbeitet sich durch Aktenberge mit der Frage: Was kann in den Schredder und was muss aufbewahrt werden? Das sind zum Beispiel die Zeugnisse, die 50 Jahre nicht weggeworfen werden dürfen. Diverse Schüler-Karteikarten sind bereits im Kreisarchiv gelandet.

"Das Arbeiten hier ist entspannt, wir können uns intensiv um die Schüler kümmern", sagt Andrea Knossalla, die gemeinsam mit ihrem Kollegen Matthias Schneider die Schule kommissarisch leitet. Knossalla wird nach den Ferien an einer Kölner Hauptschule unterrichten. Auch die anderen sind "versorgt", drei Pädagogen wechseln an die Korschenbroicher Hauptschule. "Die Nähe zu den Schülern ist jetzt natürlich besonders groß", sagt Schneider. "Es fällt morgens sofort in der Pausenhalle auf, wenn jemand fehlt", erzählt er. Auch die Schüler hätten ein enges Verhältnis zu den Lehrern. "Sie lassen uns an vielen Sachen teilhaben", sagt Schneider. Am 4. April 2012 beschloss der Stadtrat, "die Hermann-Gmeiner-Hauptschule ab dem Schuljahr 2012/13 sukzessive aufzulösen". Für das Schuljahr 2012/13 waren nur 14 Schüler angemeldet worden, 18 hätten es mindestens sein müssen. Mit Ausnahme des Jahres 2010/11 (395) waren die Schülerzahlen konstant zurückgegangen. Besuchten 2007/08 noch 462 Mädchen und Jungen die Hauptschule, waren es 2011/12 nur noch 376. Dabei fing alles ganz hoffnungsvoll an: Wegen zunehmender Schülerzahlen Ende der 1950er Jahre beschloss der Gemeinderat 1960 den Bau einer evangelischen Schule in Dormagen-Nord an der Bahnhofstraße. Erster Unterrichtstag war im April 1964. 1966 erhielt sie den Namen "Hinrich-Wichern-Schule". Als 1968 die Umwandlung der Volks- in Grund- und Hauptschulen erfolgte, wurde diese Schule zur Gemeinschaftsschule "Hauptschule Dormagen-Nord". Die wurde 1981 in den Kreis der deutschen Unesco-Modellschulen aufgenommen. Schon zu diesem Zeitpunkt gingen die Schülerzahlen zurück. Als Gründe wurden der "Pillenknick" wie die Entscheidung der Eltern "Schick dein Kind länger auf bessere Schulen" genannt. "Resteschule" hießen die Hauptschulen. 1981 entschied der Stadtrat, die beiden Hauptschulen Dormagen-Nord und Dormagen-Mitte Langemarkstraße zusammen zu legen. Hinzu kamen im Schuljahr 1986/87 auch die neuen Fünftklässler der Hauptschule Nievenheim, da auch dort die Anmeldezahlen zu gering waren. So erging es auch der Zonser Hauptschule, die 1990 geschlossen wurde, ebenso wie die Anne-Frank-Schule in Hackenbroich 1992/93. Sie fungierte aber noch bis 2000 als Dependance der Hermann-Gmeiner-Hauptschule. Den Namen hatte die Schule übrigens 1987 erhalten.

Quelle: NGZ
 
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